Zeiten des Umbruchs

Zeiten des Umbruchs

Seit dem ersten mit Kind wünsche ich mir eines wirklich sehnlichst: Alltag. Routine. Dass sich alles einspielt UND SO BLEIBT. Und wissta was? Seit sage und schreibe sechs Jahren beweist mir mein Leben mit ein bis drei Kindern Tag für Tag: Routine? Hamwa hier nicht. Chaos und Zerstörung, DAS kannste haben. Alltag ist was für Anfänger*innen!

Warum ich mir Alltag wünsche fragt Ihr? Also, ich stelle mir das ja so vor: Wenn immer alle zur selben Zeit aufstehen müssen, dann gehen alle auch immer zur selben Zeit ins Bett. Warum? Na, weil sie müde sind. Dadurch kommt es auch nicht zu unschönen Szenen im Familienbett oder gar Diskussionen darüber, wer wann schlafen muss oder darf oder überhaupt. Routine fängt also ganz klar beim Schlafengehen an und MIR persönlcih fällt gerade fast nichts besseres ein, als Schlaf.

Zeiten des Umbruchs
Schlaf, Kindlein, schlaf…

Chrzzzz chrzzzz

Oh okay, ähnlich gut wie Schlaf ist Kaffee. Kaffee alleine. Mit zwei Händen. Den gäbe es in einer routinierten Alltagssituation JEDEN Morgen! Jeden!! Weil: Wenn alle früh genug im Bett waren, wäre ich ja ausgeschlafen und dann könnte ich auch um sechs vor den Kindern aufstehen. Ich würde schön mit meinem Kerl ein Käffchen trinken und ein kleines Frühstück vorbereiten, bevor ich die Kinder wecke. Obwohl die eigentlich (weil sie ja immer zur selben Zeit schlafen und wachen!) von selber aufwachen.

Dann gäbe es beim Aufstehen kein Geheule sondern Knäckebrot mit Marmelade und alle würden eine fröhliche Polonaise ins Bad machen, wo jede*r freiwillig Zähne putzt und sich anzieht, ist schließlich jeden Morgen dasselbe. Völlig stressfrei würden wir jeden Termin (Kindergarten, Arbeit, Kindergarten, Freizeit) entspannt und pünktlich erreichen und wären immer für alle Fälle gerüstet, denn die möglichen Fälle wären sehr begrenzt und uns bekannt.

Tschakka!

Zeiten des Umbruchs
Bauklotzyoga.

Was das an Kraft sparen würde! Ich könnte sicher jeden Montag Abend zum Yoga gehen von der gesparten Kraft, denn der Kerl wäre ja immer pünktlich und um dieselbe Zeit zu Hause. Routine und so! Die Wäsche wäre gewaschen, weil ich das jeden Tag zur selben Zeit täte (weil das Baby da gerade einen Mittagsschlaf macht oder so) und das Essen hätte ich auch schon voll easy nebenbei zubereitet. Das wäre echt ein Fest, oder? Und ich wäre ausgeglichen. Immer nett zu den Kindern. Nie aus Überforderung oder Schlafmangel eine gemeine Kackmama. Und auch nur höchst selten eine miese Partnerin, weil ich einfach zu wenig geschlafen habe für den ganzen Scheiß.

So wäre das doch, oder? ODER??? Wie es stattdessen ist? Naja. Jeder Morgen ist eine Wundertüte zwischen Himmelhochjauchzen und Aufstehverweigerung mit Geschrei und Tränen. Frühstück fällt völlig aus, Kakao geht gerade so aber weder bei allen noch immer gleich. Das eine Kind möchte das Zuckerzeug so, das andere so und manchmal tauschen sie aber das erfahren wir Eltern erst hinterher. Nach zehn Minuten Wutanfall.

Orrrrrrrrrrr!

Zeiten des Umbruchs
Für die Einen Chaos und Verwüstung. Für uns der lustigste Alltag von allen.

Jeder Tag hat seine eigenen Herausforderungen, nur welche das sind, das wissen wir meistens erst, wenn es soweit ist. Selbst wiederkehrende Routinen werden spaßig von clownesken Infektwellen oder Krankenhausaufenthalten aufgelockert. Meine Aufstehzeit schwankt zwischen halb fünf und acht Uhr morgens, die Heimkehr des Gatten findet irgendwann zwischen sechs und elf statt und führt nicht selten über Bienen Umwege statt nach Hause.

Ich bin ständig darauf angewiesen zu improvisieren, weil ich nicht genug Windeln dabei habe oder vergessen habe, die Judoklamotten zu waschen. Die Wäsche ist ohnehin ein einziges riesiges Chaos und unser Nachbar müsste viel öfter nachts um drei gegen die Wand klopfen (statt vormittags um neun^^), weil mir da im Traum siedend heiß eingefallen ist, dass ich noch Wäsche waschen muss. Und ich meine MUSS. So oft wie in den letzten Monaten hat mich noch keine*r im Rock gesehen, weil mir ständig die sauberen Hosen ausgehen.

Hoppla.

Zeiten des Umbruchs
WAS hat sie gesagt?

Ich weiß weder, wo wir in ein paar Monaten wohnen werden. Noch was ich morgen koche. Ich brülle die Kinder an, weil ich in der innerlichen Kakophonie aus Anspannung, Neugier, Sorge und Müdigkeit sonst nicht höre, was ich sagen wollte. Und zwar in furchtbar unregelmäßigen Abständen. Sonst hätte ich ja wieder so eine Art Routine, nech?! Ich versuche mich an regelmäßiger Arbeit, stehe aber jeden Tag zu einer anderen Uhrzeit auf, weil schließlich jede Sekunde Schlaf zählt. Manchmal stehe ich auch zu nachtschlafener Zeit auf, weil mir sonst keine Möglichkeit bleibt, mit dem Gatten zu beratschlagen.

Dafür falle ich abends dann um acht ins Bett und weine ein bisschen, weil die Kinder vor elf natürlich nicht schlafen. Ich denke an die morgendliche Wundertüte und wünsche mir einen stinklangweiligen Alltag. Wirklich wirklich sehr. Wünsche mir spießige Planungssicherheit bis ins Rentenalter und schäme mich nicht mal dafür.

Püh!

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Abenteuerliche Aussichten.

Logisch, es macht einen Riesespaß, wenn jeder Tag anders ist. Jeder Tag ist auf seine Art spannend und wir sind beneidenswert flexibel. Aber dieses Flexibel-Ding kostet unwahrscheinlich viel Kraft, die ich eigentlich gar nicht habe. Und schon gar nicht, um irgendwelche Routinen zu etablieren, von denen sich binnen weniger Wochen herausstellt: Die passen gar nicht zu uns.

DAS ist nämlich der Knackpunkt: So sehr ich mir diese Sicherheit und dieses Netz wünsche: Es passt einfach nicht zu uns. Wir tun alles dafür, um täglich neu von unseren Hobbies und Eigenheiten überrascht zu werden (ich flüstere bedeutungsschwanger: „Bienen“). Und selbst wenn wir auf höchstrichterliche Anweisung (gemeint sind Pädagogen, die es ja wissen müssen) Routinen und Rituale etablieren, dauert es keine zwei Monate, da merken wir: Also gerade heute, da passt das so gar nicht rein. Morgen vielleicht wieder. Oder übermorgen. Oder… ach… verflixt!

Dann eben nicht.

Genau. Dann eben nicht. Und dann eben so, wie es ist. Aber manchmal, ganz heimlich still und leise wünsche ich sie mir doch, diese langweilige, spießige Routine. Nur ein paar Tage. Damit wir dannach wieder voll durchstarten können. Bunt! Chaotisch! Unvorhergesehen! Tschakka!!!!!

Oh, aber an dieser Stelle hab ich noch was Vorhersehbares für Euch: Küsst die Kinder. In unregelmäßigen Abständen, wann immer Ihr könnt!

Eure julia

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