Work hard for… Was genau eigentlich?!

Work hard for... Ja, was denn eigentlich?

Ihr Lieben, Ihr wisst ja, seit wenigen Wochen bin ich -zumindest ein paar Tage die Woche- wieder unter Erwachsenen Menschen und bekomme dafür Geld. Das Ganze heißt dann Erwerbsarbeit und ist eigentlich ein gängiges System. Allerdings bin ich eben nur ein paar Tage und auch an denen nur etwa sechs Stunden außer Haus. Das ist Luxus. Weil ich mir aber einige lustige Sprüche zu diesem Thema anhören durfte, will ich Euch ein kleines Geheimnis verraten.

Was das sein soll, dieses Geheimnis? Ganz banal: Für uns Eltern gibt es kein „NUR ein paar Tage“ oder „NUR ein paar Stunden“ Erwerbsarbeit. Lasst Euch keine Scheiße erzählen. Ich bin bei den ersten Leuten, die mir in dieser Richtung ganz unglücklich und dödelig kamen, auch drauf reingefallen. Habe gelächelt und gesagt: „Ja, nur ein paar Stunden, das ist ja nix. Ja , nur Tätigkeiten, für die ich kein Studium brauche. Nein, nicht mal Büro.“

Ähm, tja…

Work hard for... Ja, was denn eigentlich?
Aus Spitzdreck machen wir hier Kunst, statt Haushalt.

Ich habe gelächelt, mich scheiße gefühlt und mich gefragt, warum um alles in der Welt ich -obwohl ich doch so ein entspanntes Leben habe- abends immer bis zur Ohnmacht erschöpft bin. Ich habe heimlich zu Hause ein bisschen darüber geweint, dass meine Bude aussieht, als wäre „Ninjago- Der Katastrophenflilm“ darin gedreht worden. Fünf Teile. An einem Tag. Und das, wo ich doch nur ein paar Stündchen vor mich hinarbeite oder so. Und während ich völlig ferngesteuert die dritte Maschine Wäsche an diesem Tag gewaschen habe (Dachte ich zumindest, dass ich das tue. Eigentlich habe ich nämlich bereits gewaschene Wäsche in den Wäschewürfel für die schmutzige Wäsche gelegt, die schmutzige Wäsche in den Trockner gefüllt und nur die leere Waschmaschine angestellt- aber DAS ist ein anderes Thema) ging mir ein müdes, kümmerliches und sehr flackerndes Licht auf.

Pling!

Work hard for... Ja, was denn eigentlich?
Carearbeit vs Kehrarbeit

Ich kenne diese „lustigen“ Sprüche zum Thema Erwerbsarbeit nach der Elternzeit zur Genüge. Ich habe sie lange genug selbst reproduziert. Aber solltet Ihr ein Elternteil sein, das gerade nach langer (oder kurzer) Zeit wieder (zurück) in den Job findet: Lasst Euch nicht verarschen. Ihr arbeitet nicht NUR ein paar Stündchen, weil Euch gerade so langweilig ist. Ihr müsst Eure Leistung auch nicht kleinreden, nur weil Ihr deutlich weniger als acht Stunden am Tag dafür Zeit habt. Ihr macht diese ganze Scheiße (ob nun freiwillig oder unfreiwillig) ZUSÄTZLICH zu einem riesigen Arsch voll Arbeit, der KEINEN MILLIMETER KLEINER WIRD, obwohl Eure Zeit dafür empfindlich viel weniger wird!

Also statt die Eltern zu belächeln, die völlig erschöpft über einer Bank auf dem Spielplatz hängen und es kaum schaffen, die Flöhe einzusammeln, um noch mit ihnen einkaufen zu gehen, das Abendessen zu kochen und dann wie ein Stein ins Bett zu fallen: Klopft Euch mal gegenseitig auf die Schultern. Sagt einem solchen Menschen: „Krass, was Du hier schaffst. Respekt!“ Fortgeschrittene Hobby-Eltern-Seelen-Streichler*innen rufen solche Menschen an, behaupten selbst gerade einkaufen zu sein und bringen Einkäufe mit, damit das streichelbedürftige Elter nicht mehr los muss. Oder stellt Mittags einfach mal einen Topf Suppe vor die Tür, damit das zweifach arbeitende Elterntierchen nicht schon mittags den ersten Kochmarathon hinlegen muss.

Just cook it!

Feierabend. Symbolbild. Weil: Hamwa hier nich. Sind schließlich Eltern.

Aber übernehmt Euch nicht, ernsthaft, für den Anfang ist es schon echt eine Hilfe, wenn von Euch keine Kommentare kommen wie: „Ach, nur x Tage die Woche? Na, das ist ja überschaubar.“ Oder: „Ha, di*er Kolleg*in geht schon wieder nach Hause, so ein Leben will ich auch mal haben!“. Kannste haben, Oida. Musste nur auch die Arbeit zu Hause und den entsprechenden Lohnzettel in Kauf nehmen, wa?! Willste nich? Dann Schnabel zu. Denn es ist nicht „Nur“ ein Vormittag. Es ist AUCH NOCH ZUSÄTZLICH der Vormittag, an dem wir sonst ganz andere Dinge zu tun gehabt hätten. Und jetzt mit Vollpfosten wie dir verbringen.

Ihr könnt Euch übrigens auch lustige Kommentare wie „Aber du hast doch studiert?“ sparen. Eventuell ist auch bei Euch schon angekommen, dass Eltern auf dem Arbeitsmarkt nicht gerade mit offenen Armen empfangen werden. Deswegen sind die meisten von uns unglaublich froh, einen Kompromiss gefunden zu haben, der die Kosten für die Kinderbetreuung UND die anfallenden Fixkosten deckt. Ich freu mich über jedes Elternteil, das die Chance auf Selbstverwirklichung bekommt (besser: sich die Chance erarbeitet), aber wisst Ihr, die meisten von uns backen kleinere Brötchen. Und das ist schon anstrengend genug.

Just saying

Auch harte Arbeit hier!

Denn egal, was wir tun, die wir Carearbeit rund um die Uhr leisten: Jeder Job, jede Stelle als Aushilfe, jeder Voll- und jeder Teilzeitjob kommt auf die täglichen Aufgaben und Erfordernisse oben drauf. Es wird NICHT ordentlicher, weil wir weniger zu Hause sind, denn sobald wir es sind (uff!) wird es auch wieder unordentlich und wir müssen aufräumen. Wir brauchen nicht weniger zu Essen und wir brauchen ganz gewiss nicht weniger Kleidung. Also muss in derselben Frequenz eingekauft, gewaschen, aufgeräumt, gespielt, getröstet und geliebt werden. Nur in weniger Zeit.

Nicht dass Ihr mich falsch versteht: Tschakka! Wir kriegen das hin. Wir. Ihr. Alle irgendwie. Das bedeutet nicht notwendiger Weise, dass wir alle dasselbe Pensum dabei haben. Oder dasselbe Tempo. Aber wir alle haben unser Päckchen und tragen es, so gut es geht. Wenn es mir gerade leichter fällt, versuche ich, es anderen leichter zu machen, die gerade schwer tragen. Wenn ich zusammenzubrechen drohe, springt mir immer ein lieber Mensch zur Seite, di*er mir ein bisschen Last abnimmt. Keine*r von uns leistet mehr oder weniger. Keine*r von uns kann es sich erlauben, di*en anderen deswegen zu belächeln.

Help.

Lasst Euch nicht unterkriegen von solchen Kommentaren und lasst das Karma für Euch arbeiten. Lächeln und winken, wir können ihnen nicht allen Hausarrest geben. Und auch Maulkörbe würden enorm knapp, würden wir allen, die… ach, Ihr wisst schon was ich meine.

Küsst die Kinder. Egal ob mit Job, ohne Job, Vollzeiterwerbsarbeit oder Vollzeit Carearbeit. Schätzt Eure Leistung und küsst die Kinder nochmal. Einen Kuss für das, was Ihr jeden Tag schafft. Einen fürs Kind. Repeat!

Eure Julia

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