Was kostet Dein Alltag?

Was kostet dein Alltag?

Ihr Lieben, ich habe berichtet, dass wir zwei Kinder quasi zeitgleich in einem Kindergarten eingewöhnt haben. Und ich bestehe darauf, dass das eine großartige und wunderbare Erfahrung war! Denn besser hätte ich es mir kaum vorstellen können. Die Kinder sind zufrieden, ich bin voller Vertrauen und unser Tag hat eine Struktur, die es dem Großkind nächsten Sommer erleichtern wird, sich in der Schule einzufinden. Jetzt wartet Ihr aufs große ABER, ne?!

Was kostet dein Alltag?
Müdigkeit is in the Air

Okay, bittesehr: ABER. Aber was? Naja, das war alles nicht umsonst. Diese Wochen haben mich und meine Familie Kraft gekostet. Eine Menge Kraft. Und ich will, dass wir das bei aller Eingewöhnung und bei aller Euphorie nicht vergessen: Obwohl es quasi echt flutschte mit uns und dem Kindergarten, so war es dennoch ein hartes Stück Arbeit.

Das fängt ganz banal damit an, dass jetzt wieder fünf Köpfe genug Ruhe in der Nacht brauchen, um den ganzen folgenden Tag zu stemmen. Denn jetzt müssen wieder alle gleichzeitig aus dem Haus- ohne Ausnahme. Wir müssen zum Zeitpunkt des Abfluges alle gewappnet sein für unseren Tag, mit oder ohne Frühstück, mit oder ohne Aktentasche. Auf jeden Fall brauchen wir alle einen kühlen Kopf, geputzte Zähne und im Idealfall gute Laune. Bei uns geht das aber eigentlich nur dann wirklich gut, wenn wir alle genug geschlafen haben. Das ist jetzt verzwickt, denn in den letzten Wochen ohne Betreuung und bei 35 Grad im Schatten hat sich unser Schlaf-Wach-Rhythmus nicht wenig verändert. Vor allem hat er sich von den üblichen Öffnungszeiten eines Kindergartens wegbewegt. Wir sind eigentlich alle kleine und große Eulen und wenn wir die Wahl haben, schlafen wir gerne lang. Jetzt haben wir

keine Wahl, denn wir wollen ja in den Kindergarten.

Und nun?

Was kostet dein Alltag?
Wir verbreiten Chaos- Überall!

Nun verändert sich unsere Routine Stück für Stück. Aber das braucht Zeit, der Körper braucht Zeit. Und nicht selten auch eine ganze Menge Geduld. Denn wer nicht müde ist, mag nicht schlafen und wer nicht früh schlafen mag, ist dann eben morgens müde. Das ist vor Allem für die großen Kinder ein ewiges Hin und Her. Zumal fürs Mittelkind in der Theorie noch (unfreiwillig) ein Schläfchen am Mittag oder im Auto in Betracht kommt. Und DANN wäre es eben wieder fit bis elf. Unglücklicher Weise bin ICH nicht fit bis elf. Ganz entschieden nicht. Aber weil ich so dringlich Me-Time brauche, um eines schönen Tages vielleicht wieder von Partner-Zeit träumen zu können, gehe ich selten ins Bett, wenn ich müde bin. Ich schlafe erst dann, wenn ich buchstäblich umfalle.

Denn auch die Speckbohne macht große Veränderungen mit und damit geht einher, dass sie ein bisschen „anhänglich“ scheint und ich zu nichts so wirklich komme- besonders was Haushaltsdinge betrifft. Also schiebe ich allen Haushalt bis in der Bohne Schlafenszeit- jetzt ratet mal, wer abends super schwer in den Schlaf findet. Und lange Einschlafbegleitung braucht. Oft bis nach elf. Ihr hört mich seufzen. Denn wenn es dann endlich so weit ist und ich mir nichts sehnlicher wünsche, als ein Bett, dann bringe ich erstmal den Papiermüll weg, der seit Wochen im Flur steht und animiere den Wikingergatten zum Zusammenlegen der Wäsche. Während das Großkind auf Youtube Lego Videos kuckt, räume ich noch schnell den Geschirrspüler ein und sammle ein paar Nudeln vom Boden auf. Staubsaugen will ich nicht, sonst wacht am Ende noch eines von den Kleinen auf.

Röööööööööö-ööööö-ö!

Was kostet dein Alltag?
Ein schönes Glas Wein am Abend? Ähm. Eher selte. Da wartet noch Wäsche. Und Geschirr. und…

Es ist dann halb zwölf und die einzige Gelegenheit des Tages, mit dem Gatten ein bisschen auf dem Sofa zu sitzen. Das tun wir dann auch ganz innig. Bis di*er erste von uns anfängt im Sitzen zu schnarchen. Dann schnappen wir uns alle herumliegenden und zwischenzeitlich eingeschlafenen Kinder und packen uns ins Bett. Uff. Was wir bis zu diesem Zeitpunkt geschafft haben: Manchmal das Nötigste. manchmal nicht. Meistens ganz eilige und dringende Sachen und  früher oder später auch die, die wir unglücklicher Weise verbummelt oder vergessen haben. Tage, Wochen Monate lang. Was wir nicht geschafft haben: Eine ordentliche Wohnung. Ein sauberes Bad. Oft haben wir es nicht geschafft, jedem Kind gute Nacht zu sagen, bevor es eingeschlafen ist. Manchmal haben wir es nicht mal geschafft, jedes Kind nach seinem Tag zu fragen. Nicht immer hatte ich genug Zeit für jedes meiner großartigen Kinder, nicht immer habe ich alle Tränen trocknen können, nicht alle Knie bepusten und nicht alle Köpfe in ausreichender Menge verwuscheln.

Für die Tatsache, dass jeder einzelne Tag uns nahezu völlig auslaugt, ist das manchmal wirklich kein guter Schnitt. Ich fühle mich, als würde ich versuchen, ein in sich zusammenfallendes Schiff mit Kaugummi am Sinken zu hindern. Als würde ich mit Fetzen aus Babyklamotten Segel  flicken, mit Haargummis Taue ausbessern und mit Dino-Stickern Planken an Ort und Stelle halten. Das bedeutet freilich nicht, dass es keinen Spaß macht. Kaugummi kann großer Spaß sein und Dino-Sticker sowieso. Aber es kostet uns alle unheimlich viel Mühe und Kraft. Jeden Tag aufs Neue. Jeden Haargummi aufs Neue. Manches flutscht wie von selbst, anderes muss ich in mehreren Anläufen wieder und wieder erzwingen, bis ein Ergebnis steht.

Tabula Rasa

Was kostet dein Alltag?
Abenteurer!

Wer jetzt glaubt, den Kindern ginge es anders, di*er irrt fatal. Jeden Morgen liegen da drei Wesen im Bett, die die folgenden Stunden möglichst schön ausfüllen wollen. Sie kuscheln sich noch einmal fest in die warme und weiche Decke, ehe ich sie an den Küchentisch scheuche. Da trinken sie tapfer den Frühstückskakao, auch wenn er völlig falsch zubereitet wurde (erst Pulver, dann etwas Milch, gut verühren, während des Rührens Milch auffüllen!). Sie ertragen, dass ich ungeschickt die Zähne putze, weil das nunmal sein muss und sind schon bei der Diskussion ob dieses Tshirt unter „dreckig“ oder „geht noch“ läuft wieder müde. Trotzdem strampeln und rollern sie mit mir gemeinsam in den Kindergarten, voller Erwartung und Hoffnung auf einen tollen Tag. Sie drücken und herzen mich und sich und alle, weil wir uns schließlich lieben und zwar zu jeder Uhrzeit.

Atemlos versuchen meine Kinder, jede ihrer wichtigen Kinderaufgaben zu erfüllen, ohne mit meinen albernen Erwachsenenaufgaben zu kollidieren. Sie finden Kompromisse und stecken zurück, lassen sich überreden und helfen mir erstmal, ehe es auf den Spielplatz gehen kann. Sie gehen mit mir einkaufen, weil sie ja wissen, dass es ohne nicht geht und liegen am Ende des Tages auf dem Sofa, noch viel zu wenig Sand in den Hosentaschen, noch viel zu wenig Schrammen am Knie. Aber auch sie sind müde und erschöpft. Manchmal so sehr, dass sie beim Kuscheln auf dem Sofa einnicken, mitten im Satz, den sie gerade eine*m der Eltern erzählten. Sie spüren vielleicht im Schlaf noch den Kuss des anderen Elternteils, vielleicht bemerken sie auch, wenn sie ins Bett getragen werden. Auf jeden Fall seufzen sie im Bett und kuscheln sich ganz eng an uns. Oder sie liegen im eigenen Bett und schlummern in Gesellschaft von Harry Potter ein. Denn so viel Ruhe für ein Hörspiel bleibt oft nur abends.

Good night, good fight.

Was kostet dein Alltag?
Manchmal hilft Innehalten sehr.

Das hört sich anstrengend an, oder? Ist es. Es ist nicht schlimm, nicht alle Pläne an einem Tag zu verwirklichen. Die Kinder werden vielleicht nie genug Sand mit ins Bett tragen, wer weiß. Sie werden vermutlich auf ewig noch um jede einzelne Minute Spielplatz feilschen, so lange sie Kinder sind. Die Tage werden vielleicht lange lange Zeit „unvollendet“ enden, mit einer langen To Do Liste auf allen Seiten. Aber das ist okay. Solange wir nicht vergessen, dass uns dieser Alltag ALLE Kraft kostet. Dass jede*r von uns auf sich achten muss und eben manchmal eine Pause einlegen muss. Wir müssen nicht zufrieden vor unserem abgeschlossenen Tagwerk sitzen. Nicht jeden Abend. Aber wir sollten uns an die vielen Kleinigkeiten erinnern, die wir jeden Tag schaffen und wenn uns jemensch fragt, wie wir das alles nur schaffen, dann können wir ehrlich sein. Ich kann ehrlich sein: Ich schaffe es nicht. Ich kämpfe sehr oft gegen Windmühlen. Und das kostet eine Unmenge Kraft. Aber es ist nicht bedauernswert. Es ist unser Alltag. Es ist nicht bemitleidenswert, denn ich mag unsere Windmühlen. Die Kinder lieben ihre Atemlosigkeit und inhalieren unsere Abenteuertage.

Nur Eines vergessen wir nicht: Es kostet Kraft. Auch und gerade der Alltag kostet Kraft.

Ich Glückspilz habe allerdings eine unerschöpfliche geheime und machtvolle Kraftquelle, meine Lieben: Küsst die Kinder. Riecht an ihrem verwuschelten, versandeten und leicht verschwitzen Haar, wenn ihr könnt. Küsst sacht die weichen Baby-Wabbel-Backen, wenn Ihr ganz sicher seid, dass es weiter schläft und bringt Eure Kinder zum Lachen und Giggeln, wenn sie wach sind. Versucht bei allen Pflichtaufgaben, den schönsten All-Tag aller Tage draus zu machen. Genau wie Eure Kinder. Dann schafft Ihr zwar genauso wenig wie ich, aber schön isses trotzdem.

Eure Julia

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