Wale sind ja auch gute Mütter- ein Quickie

Wale sind auch gute Mütter

Da schaut Ihr jetzt, ne?! Was n Satz. Und dann auch noch als Überschrift. Alle bekloppt geworden? Alle bekloppt geworden. Eigentlich wollte ich über Mütter, Körper und Kinder schreiben. Dass Mütter sich mögen sollten. Weil Kinder da ziemlich genau hinkucken. Und abgesehen davon, dass Ihr das schon hundert Mal gelesen habt, gingen mir dann blitzartig die ganzen gut gemeinten Kommentare zu so einem Beitrag durch den Kopf. Jetzt schreib ich lieber mal dazu was. Scheint mir wichtig.

Wie genau das mit den Walen zusammenhängt? Okay, ein Teil von Mütter-sollten-sich-und-ihren-Körper-mögen kommt dann halt doch: Dieses Sich-Mögen fällt manchen ja schwerer als anderen. Und einigen gelingt es vielleicht nie so richtig. Aber völlig unabhängig vom eigenen Empfinden gibt es noch eine Pseudoinstanz Gesellschaft, die einem recht gut umreißt, ab wann man mit sich zufrieden sein kann:

Du darfst…

…ein paar Speckpölsterchen haben. Je 100 g an Po, Beinen, Bauch und Oberarmen.

…Dehnungsstreifen sind okay, solange sie halbwegs kleidsam sind. Dann kannst Du sie Tigerstripes nennen und irgendetwas vom Kampf, in dem Du sie erworben hast erzählen.

…einige Zeit lang auch dünnes Haar haben, den postpartalen Haarausfall kennen wir jetzt alle. Aber bitte nicht Jammern. DAS darf Keine.

…sogar hin und wieder Pickel haben und dich echauffieren, dass deine Haut gerade im Teenageralter ist. Aber bitte keine Nahaufnahmen davon und bitte nur ungeschminkt sichtbar. Gibt schließlich Makeup für sowas.

…weiterhin darfst Du auch wieder schlank sein nach so einer Geburt, aber bitte nicht ZU schlank. Also, ne?!

…Rückbildungskurs und Yoga. Bodybuilding oder sowas geht gar nicht.

…bis Kleidergröße 42 „dick“ sagen und bis 36 „schlank“. Alles darüber und darunter fällt aus und ist nicht in Ordnung, nicht gesund, nicht schön, nichtnichtnicht.

Wisst Ihr Bescheid, ne?

Wale sind auch gute Mütter
Da habt Ihr es: Auch ne gute Mutter. Ne? NEEE?

Und wenn doch?

Was passiert, wenn Ihr doch eines der verbotenen Dinge seid? Ganz klar. Erstmal solltet Ihr das für Euch behalten. Wenn das nicht geht, dann passiert folgendes: Bei mäßiger Überschreitung gesellschaftlicher Idiotengrenzen kommen lustige Kommentare wie „Du bist ja trotzdem hübsch.“ oder „Du hast aber einen tollen Charakter“ oder, mein persönlicher Favorit des humorvollen Mobbings: „Wale sind ja auch gute Mütter.“ Tja. Da ist mir meine Wal-Kinnlade aber gehörig runtergeklappt. Denn ich verrate Euch ein Geheimnis: Mein Hintern hat nicht bei der gesellschaftlich akzeptieren 42 aufgehört breiter zu werden. Die Möpse hatten auch keine Lust auf B bis C Niveau zu bleiben. Und im selben Stockwerk wohnen sie auch nicht mehr. Und wenn ich das zugebe, dann bin ich trotzdem noch okay?

Hakt das????

Statt Euch allen also zu sagen, Ihr sollt Euch mögen und die Veränderungen durch Schwangerschaft und Geburt zu feiern oder einfach die Klappe zu halten sagt derjenige mit so einem Kommentar: „Du bist nicht okay. Nur durch die Erlaubnis der Gesellschaft trotzdem dabei zu sein, darfst Du weiter mitspielen.“ Also, Freunde, ich explodiere. Ich brauche keine Erlaubnis, um ich zu sein. Ab-ge-lehnt.

Und so gesehen brauche ich auch keine Erlaubnis, mich und meinen Hintern manchmal blöder und manchmal wunderschön zu finden. Meinen Kindern ist im Grunde schnuppe, wie ich aussehe. Aber sie merken sehr wohl, ob ich mich untertänigst trotz gesprengter Konventionen vor die Tür wage, oder ob ich diese kleine Aussehensgeschichte einzig und allein mit mir kläre. Denn ich bin schließlich auch die Einzige, die nachhaltig was am Status Quo ändern kann. Wenn sie denn will. Wenn. Und nicht: Weil ihr das einer sagt.

Also bitte keine nett gemeinten Trostworte, die bei genauer Betrachtung so nach hinten losgehen. Frauen fühlen sich manchmal furchtbar und manchmal wie Dornröschen. Manche bitten um Hilfe, wenn sie eine echte Veränderung wollen. Aber keine Mutter bittet darum, so dämlich bemitleidsmobbt zu werden. Echt nicht.

So. Jetzt Sahnetorte, oder was?!

Küsst die Kinder, esst nen Keks.

Eure Julia

Ps.: Inspiriert ist dieser Beitrag von Frieda. Der schönen Frieda! Beitrag: Nicht nur Mutter sein, sondern Frau bleiben?

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