Those were the days- Die Flauschphase

Those were the days- Die Flauschphase

Ich schreibe oft, wenn mich etwas nervt. Ich tippe mich in Rage, wenn ich mich über etwas beschweren muss. Und ich bringe zu Papier, wenn mich etwas umtreibt oder Sorgen macht. Aber gerade kann ich damit gar nicht dienen. Gerade haben wir das, was man getrost eine Flauschphase nennen kann.

Wir beginnen am Ende. Genauer gesagt mit dem akuten Moment. Dem Moment, in dem ich Euch just schreibe. Jetzt. Es ist ein Moment in den ich beide Hände frei habe. Beide! Beeeiiideeee! Und das, obwohl es erst elf ist. Und ich liege auch nicht im Bett beim Einschlafstillen. Sondern auf dem Sofa. Das Großkind kuckt Tablet. Und der Butterkeks *fanfarentusch* ist beim Wikingergatten im Arm eingeschlafen.

Einfach so. Im Arm!

Those were the days- Die Flauschphase
Kleiner Fluff.

Ihr müsst mich jetzt gar nicht belächeln, es stört mich eigentlich gar nicht so sehr, dass ich jeden Abend neben dem stillenden Butterkeks verbringe und maximal twittern kann. Aber oft genug bin ich wirklich frustriert, dass meine Anwesenheit so unabdingbar erscheint, dass ich nicht Mal alleine auf Klo kann. Und wenn mir dann unverhofft so ein freies Paar Hände geschenkt wird- dann bin ich einfach doppelt glücklich. Denn ich kann das weder zuverlässig reproduzieren noch überhaupt erwarten. Aber im Flauschphasen wie dieser passiert sowas einfach.

Allein ein paar Minuten freie Hände machen aber noch keine Phase, das weiß ich wohl. Gehen wir also zurück… Zu… Sagen wir: gestern Abend. Gestern Abend war ich geplant allein mit den Kindern. Nach einem langen und anstrengenden Tag geht das nicht immer gut mit uns. Gestern aber hatten wir nen Flow. Nicht nur, dass wir bei Eiseskälte noch gemeinsam und ohne Drama einkaufen waren. Nein, dann wurde auch noch mein Essensvorschlag angenommen und vor allem wurde er gemeinsam (!) völlig entspannt (!) und nur mit mittel viel Chaos (!) umgesetzt. Klartext: ich habe alleine mit zwei Kindern Pfannkuchen mit Marmelade und Spinat (Getrennt. Nicht zusammen. Echt nicht.) Gemacht. Und gegessen. Und es gab null Stress.

Null!!!

Those were the days- Die Flauschphase
Die Pfannkuchen-Mafia. Sind sie nicht süß?!

Der Butterkeks war selig, dass er Wasser in den Teig gießen durfte. Der Großwikinger gönnte den kleinen Bruder die Freude und wartete geduldig auf seinen Einsatz. Der Kleinwikinger ließ sich willig beim Teig-in-Pfanne-gießen lenken. Der große Keks überraschte mich mit viel Feinmotorik: Pfannkuchen wenden? Kein Problem! Und ich? Ich habe mich auch überrascht. Weil ich die Nerven hatte, die Kinder noch „spülen“ zu lassen, nicht ständig hinter ihnen her gemeckert habe und genussvoll Essen konnte, während auch die Kekse ihr Werk verspeist haben.

Bevor jetzt wieder einer nörgelt, in diesen Hochglanzblogs wird Eltern ein unrealistisches Bild vom Alltag mit Kindern vermittelt: Die geschilderte Situation ist nicht die Regel. Und sie beinhaltet bei allem Flausch noch sehr viel Arbeit, Geschirr und dreckige Wäsche. Aber wo wir bei dreckiger Wäsche sind…

Schmutzwäsche in aller Öffentlichkeit

…muss ich Euch leider auch noch vom Abend VOR gestern erzählen. Weil da auch schon so irre viel Flausch war.Was das mit dreckiger Wäsche zu tun hat? Naja, entfernt. Zum Zeitpunkt des Erzählens war die Wäsche bereits sauber. Und eine weitere Ladung war sogar bereits trocken. Wo da Flausch herkommen soll? Pah! Die Kinder haben beide (!) zusammen und ohne Streit (!) freiwillig (!) mit mir erst die trockene Wäsche zusammengelegt und (!!!!) aufgeräumt. Und dann haben wir allen Ernstes noch die saubere Wäsche in den Trockner bugsiert und der Butterkeks hat vor Freude gegluckst, als er denselben anschalten durfte. Ich habe auch gegluckst, da kann ich Euch sagen. Und voller Übermut abends um zehn noch eine Runde Eis geschmissen.

Those were the days- Die Flauschphase
Eis für Alle!!!

Da könnt Ihr jetzt schon ein bisschen mit mir schimpfen. Auf die humorvolle Beschreibung, wie der Zuckerschock anschließend das Wohnzimmer in Schutt und Asche gelegt hat, müsst ihr aber verzichten. Verrückter Weise haben sie nicht mal ihren Schokoschnabel am Sofa abgewischt, sondern sind allen Ernstes zu zweit einträchtig im Bad verschwunden. zum Hände- und Gesichtwaschen. Da wusste ich dann auch gar nicht mehr, was mir in diesem Leben noch aufregenderes passieren sollte.

Und jetzt sitze ich hier, habe zwei freie Hände, das Herz zum bersten voll mit Liebe und muss gestehen: Könnte schlimmer sein. Oder?

Küsst die Kinder. Mache ich auch gleich.

Eure Julia

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4 Kommentare

  1. Oaaaahhh…diese Momente (nicht Phasen, wie du selbst so schön schreibst) sind selig…und heilig. Meist ist man dann mit dieser Situation selbst so überfordert, weil man sein Glück über die „Freizeit“ gar nicht fassen kann. „Was mache ich zuerst, Buch lesen, schreiben, Netflix…“ – *lautes Brüllgeräusch* und die Frage hat sich gerade von selbst beantwortet…😫

    1. Ich muss je gestehen: Ein halber Abend geht schon als „Phase“ durch 😉 Aber Du hast schon recht: Es ist nicht sehr klug auf eine Flauschphase zu warten und die vielen kleinen Momente dabei zu übersehen. Irgendwie ist das insgesamt die Herausforderung: Auch die kleinen Dinge sehen und genießen!

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