So langsam müsstets Du doch aber…

Du müsstest Doch langsam Mal...

Was ich müsste? Ich sitze hier, an einem Dienstag Morgen und denke mir: „Du dusslige alte Kuh, jetzt hast Du drei Kinder, Du hast zwei davon zum Teil schon mehrfach irgendwo eingewöhnt und Du hast den besten Tagespflegemenschen der Welt an der Angel. JETZT ENTSPANN DICH DOCH MAL VERDAMMT!!!“

Wer errät, wie entspannt ich bin, bekommt nen Blumentopf. Frei Haus. (Hört mein Schnauben und stellt Euch infernalisches Augenrollen vor). Okay, ich helfe Euch: Ich bin äh… naja. Ich blogge, statt aufzuräumen. Und ich blogge statt in der Wohnung auf und ab zu tigern und mir Sorgen zu machen. Das ist die gute Nachricht. Diese Bloggerei ist also doch für einiges gut. Dass ich blogge, weil ich mir sonst WIRKLICH Gedanken machen würde, ob meine Speckbohne die erste Stunde Betreuung ohne mich überhaupt überlebt und ob ich sie dannach je wieder aus den Händen legen kann oder sie für immer und ewig an mich rangetackert sein wird und… uff.

Pausetaste.

Du müsstest Doch langsam Mal...
Grade waren sie alle doch noch Babies?!

Zurück in die Realität: Ich bin Mutter dreier Kinder. Zwei davon gehen (zumindest Stundenweise) in den Kindergarten. Ich hatte schon bestimmt fünf Eingewöhnungen, wenn nicht mehr. Ich habe die beste Kinderbetreuung, die ich mir wünschen kann. Und ich habe auch eine Person, die allen (!) Kindern bereits bekannt und so ein klitzekleines bisschen sogar vertraut ist. Ich weiß, die Speckbohne wird überhaupt gar kein Problem haben, solange sie ihre Geschwister bei sich hat. Und ich weiß, dass alle drei Kinder heute mit der Betreuungsperson heute einfach ihre tägliche Routine ablaufen (Großkind in den Kindergarten bringen, Mittelkind in die Spielgruppe bringen, auf dem Heimweg ein bisschen trödeln, zurück zu Mama). Das wird ihnen allen Sicherheit geben. Das wird die Speckbohne angemessen beschäftigen, um nicht allzu großen Trennungsschmerz zu erfahren.

Überhaupt sind die heute vermutlich gerade eine Stunde unterwegs, weil meine Betreuungsperson weiß, dass wir erst morgen so richtig durchstarten müssen. Deswegen vertraue ich diesem Menschen so sehr: Di*er bringt mir das Kind halt auch einfach wieder, wenn es nicht so gut läuft, weil keiner uns zwingt und das kein Wettbewerb ist. Wenn es muss, dann muss es. Und bis dahin machen die zwei, Speckbohne und Betreuungsmensch, sich eine schöne (!) Zeit. Logisch, das Böhnchen ist eher skeptisch. Aber das muss es auch. Solange es sich in Sachen Geldverdienen und Arbeiten nicht grundlegend auskennt, wird es vermutlich nicht nachvollziehen können, warum zur Hölle ich weg muss/will und das Böhnchen nicht dabei sein kann.

Baby Business

Du müsstest Doch langsam Mal...
Works hard for the money

Aber wenn es erst soweit ist, dass die Speckbohne sich auskennt, dann wird sie, so wie ich erkennen: Es ist ein unglaubliches Privileg, dass wir die Chance haben zu testen, ob ein Minijob an zwei Wochentagen und Samstags genug Geld in die Kassen spült, um noch ein paar Monate zu überbrücken. Damit proben wir den Ernstfall, ohne alle Kinder von jetzt auf gleich fünf Tage die Woche sechs Stunden betreuen zu lassen. Selbst wenn das Böhnchen skeptisch bleibt: Es sind zwei Tage die Woche. Zwei! Welch Luxus! Welch himmlische Fügung! Kein Witz.

Berufstätige Eltern werden den Kopf schütteln über den Aufstand, den ich hier mache. Aber sie wissen auch, was für ein Kraftakt Arbeiten und Kinder zugleich ist. Und vor diesem Kraftakt habe ich höchsten Respekt. Deswegen bin ich so dankbar für den soften Start. Ich weiß, dass Kinder, die fünf Tage die Woche gut betreut sind, wunderbar glücklich sind. Und auch meine werden das, wenn es soweit ist, meistern. Aber ich weiß auch: Für uns ist das ungewohnt. Wir müssen uns erst eingrooven.

Go with the flow

Du müsstest Doch langsam Mal...
Go withe the… Herrje ist das hoch und gefährlich und…!

Ihr findet, das klingt so, als müsste ich mich selbst überzeugen? Ihr habt ja Recht. Obwohl ich weiß, dass es stimmt- ich habe ein bisschen Abschiedsschmerz, ich habe eine ganze Menge Trennungsangst und ich alter Dackel schaffe es auch beim dritten Kind nur mäßig gut, loszulassen. OBWOHL DIE UMSTÄNDE NAHEZU PERFEKT SIND.

Und damit auch dieses alberne Gefühl zu etwas Gutem wird, sitze ich hier, schreibe Euch und sage allen Eltern, die Kinder und sich selbst eingewöhnen: Kopf hoch. Es geht uns allen gleich. Der*Dem einen fällt das Ganze leichter, der*dem anderen fällt es schwerer. Es kommt nicht auf die Zahl der Kinder an und es ist völlig egal, um wie viele Stunden pro Woche es sich handelt. Kinder in andere Hände zu geben ist für manche Eltern wirklich harte Arbeit. Arbeit an uns selbst, Arbeit an unserem Wunsch, die Welt für unsere Kinder perfekt zuzuschneiden.

Work hard.

Du müsstest Doch langsam Mal...
Weil eigentlich immer alles gut wird am Ende. Oder es nicht das Ende ist.

Für mich ist es Arbeit, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass die Speckbohne bei einem anderen Menschen weinen wird, und ich sie nicht trösten kann. Es ist Arbeit, darin zu vertrauen, dass mein Betreuungsmensch das Böhnchen bald wird trösten können, sodass es echten Trost empfindet. Ich muss mich zurückhalten und ich muss loslassen, damit die Kinder eben losLAUFEN können. Mal ne Runde weg von Mutti, ey. Kann nämlich auch ganz geil sein. Vor allem mit einem Menschen wie dem, den ich den Kindern da mitgebe. Oder umgekehrt. Wie eins es nimmt.

So Freunde, jetzt hab ich es geschafft dreißig Minuetn lang nicht auf mein Handy zu kucken. Das ist doch der Zeitpunkt, an dem das entspannte Elter von heute panisch die Polizei anruft und eine Vermisstenanzeige aufgibt, oder? ODER???

Orrr. Küsst die Kinder. Ich werde das heute ganz unfassbar intensiv tun. Und lasst Euch nix erzählen: Eingewöhnung kann für Eltern echt eine Achterbahn sein. Aber das ist erstens okay und geht zweitens vorüber. Versprochen!

Eure Julia

Ps.: Das Titelbild ist knapp zwei Jahre alt. Und da kuschelt der Butterkeks, in denselben Sachen, die die Speckbohne heute trägt (kein Witz!) den Betreuungsmenschen das erste Mal so ein bisschen an. Es war schon März damals, glaube ich. Aber… ach… hab ich nicht ein riesiges Glück?!

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