Pandemie!

Pandemie

Vorsicht: Dieser Text enthält Unappettitlichkeiten und Körperflüssigkeiten.

Ihr Lieben, ich jammere nicht wirklich gerne. Und wenn mich jemensch fragt, dann würde ich immer und jeder Zeit aus vollstem Herzen behaupten: Kinder haben ist schon eine geile Sache! Aber bitte- fragt mich das nicht ausgerechnet heute. Und auch an keinem anderen Tag, an dem ich mit kranken Kindern zu tun habe. Auch an keinem, an dem ich die Nacht davor kranke Kinder hatte. Die Antwort könnte von meiner üblichen Antwort abweichen.

Ernsthaft, Zeiten, in denen ein oder mehrere Kinder krank sind KÖNNEN NICHT EXEMPLARISCH für das Leben mit Kindern sein. Sie dürfen es keinesfalls. Denn sie sind die verdammte Pest inklusive Cholera und allem, was Euch noch an Scheußlichkeiten einfällt. Wie ich zu einem so harten Urteil komme und warum überall im Text lächerliche Rechtschreibfehler, absurde Logiksprünge und nicht zuletzt Kaffeflecken sind?

Püh!

Pandemie
Einfach Mal die Kresse, äh.. Ihr wisst schon.

Weil ich verdammt noch eins jetzt seit Oktober keine zwei Wochen am Stück drei gesunde Kinder hatte. Seit Oktober. OKTOBER!!!!!! Und ich will hier keine Kommentare hören, die mir erzählen, dass ich das ja wohl selbst so gewollt hätte. Habe ich nicht, Ihr Lauchzwiebelgewächse. Mir wurden gute Zeiten und schlechte Zeiten angekündigt. Wenig Schlaf und viel Stress. Aber nicht die verdammte Hölle auf Erden in drei Etappen und einem Teppich aus Rotze.

Es beginnt halt echt harmlos. Das erste Kind hat ein bisschen Schnupfen. Ist ärgerlich, macht die Nächte kurz, weil es sich um ein Stillkind handelt, das echt genervt ist, wenn die nächtliche Nahrungsaufnahme durch eine verstopfte Nase behindert ist. Aber erstmal dachte ich mir: „Naja, wat willste auch, hast jetzt drei Kinder, da ist immer eines krank.“ WIE recht ich da hatte weiß ich fünf Monate später genau, aber im Oktober… ach, lassen wir das. Ich war tapfer. Ich schlief wenig, tröstetet viel und überhaupt habe ich das echt noch gut gemacht.

Why?

Weil ich nach wie vor geduldig sein konnte, die gesunden Kinder jenseits des Fernseher beschäftigt habe und tapfer jeden Tag alle nicht ansteckenden Kinder in den Kindergarten gebracht habe. Ich habe allen die nötige Portion zusätzliche Frischluft verschafft, gesund und teilweise wirklich gut gekocht und quasi nebenbei die Bude in Schuss gehalten. War anstrengend, logo. Aber als dann das zweite Kind plötzlich den ersten Fieberschub hatte, war ich froh, dass ich mir die Arbeit nicht auch noch durch aufgelaufene Wäscheberge erschwert hatte.

Besonders froh übrigens, als das Stillbaby dann damit anfing, größere Mengen Schleim zu erbrechen. Ganz kurz war ich starr vor Schreck, weil ich schon einen Megen-Darm-Virus vermutete. Aber zu dem Zeitpunkt war Magen-Darm noch nicht dran. War nur die zunehmende Menge Rotz in einer Kleinkindlunge, die raus musste. Fünf mal am Tag. Vornehmlich auf Teppiche, im Familienbett und auf mich.

And so it begins…

Pandemie
Vitamie. Ganz bestimmt.

Erste Risse zeigen sich im Haushaltsgefüge. Ich komme nicht mit der Rotzkotzwäsche hinterher, ich komme nicht zum Schlafen, das zweite Fieberkind bekommt nicht genug Pflege. Das Mittelkind kommt nicht mehr so häufig in den Kindergarten, wir alle wöchentlich zum Arzt und an erholsamen Schlaf denkt keine*r von uns mehr allzu oft. Weil Denken Kraft braucht. Die müssen wir aber weise einteilen.

Erster Höhepunkt: Drei fiebernde Kinder mit Husten. Nächte aus der Vorhölle, eine Geräuschkulisse wie auf dem Stachhus und lauter gute Ratschläge von außen („Kannst Du mit dem kleinsten Kind nicht woanders schlafen?“ Logo, und wer tröstet das Mittelkind dann, das krank einfach keinerlei Trost neben mir zulässt? „Dann nimm die zwei Kleinsten?“ Die sich gegenseitig dann wecken? Da kann ich auch bequem im großem Bett bleiben. „Kannst Du nicht nachts die Flasche geben?“ Logo, aber auch da muss das Kind zusätzlich atmen. „Aber Nasentropfen machen abhängig, das weißt Du schon?“). Aber tjanaun, wir haben es ja so gewollt, nech?

*Hust*

Besuchen können wir übrigens niemandem mehr, weil alle Angst vor Ansteckung haben. Und Besuch empfangen selbstverständlich auch nicht. Da ist es gar nicht mehr so schlimm, dass die Bude aussieht, als hätte ein Komet sie verwüstet. Schränkt nur leider die Hilfestellungen von außen auch massiv ein. Tjanun. Kannste nix machen, wa?!

Der gute Geist der Kinderkrankheiten hat aber ein Einsehen mit uns, es folgen fast anderthalb Wochen annähernd gesunder Kinder. So nach und nach. Beinahe hätte ich mich entspannt. Und wurde direkt übermütig.Sonst wäre es aber auch langweilig geworden. Nach der einen oder anderen Nacht mit mehr als drei Stunden Schlaf entscheide ich: Mama geht wieder arbeiten. Ein paar Tage in der Woche. Und was passiert?

Guess what?

Jawoll. Das FINALE! Hohes Fieber bei der Speckbohne, Kortisonzäpfchen („Ihr wisst aber schon, dass das Gift für die Niere ist?“ Joah, ohne hätte die Niere kein Gift mehr gebraucht, denn nur im atmenden Kind kann eine Niere funktionieren, wa?!) und das erste Mal seit Langem wirklich große Sorge ums Kind. Die größeren Geschwister ziehen in abgeschwächter Form nach. Wir sprechen nicht über Schlaf, schweigen darüber, wo die Kinder sind, wenn der Gatte wegen wichtiger Termine nicht zu Hause sein kann und ich es auch nicht kann, weil sonst der Folgemonat geldfrei bleibt.

Ganz laut schweigen wir darüber, dass die Kinder im Kindergarten drei Wochen lang nichts zu suchen hatten und in diesen drei Wochen nur durch ein kleines Wunder aka Tagespflegemensch die Welt nicht untergegangen ist. Wir schweigen umso lauter, je mehr es in Richtung die Frage nach ausreichend Schlaf, Körperpflege, sauberes Geschirr, gesunde Mahlzeiten, Fernsehen oder gewaschen Wäsche geht. Darüber, dass ich das erste mal in meinem Leben auf Klo sitzend angekotzt wurde und Schleimrotze IN meiner Unterhose hatte.

ÖRKS.

Pandemie
Vita-fucking-miiiinneeeeee!!!!!

Achwas, wir schweigen vielleicht insgesamt einfach besser ein bisschen, denn nach etwa einer Woche Ruhe nach dem Sturm eroberte sich eine klangvolle Folge-Bronchitis ihren Raum. Das Inhaliergerät und wir, wir sind ganz dicke und die Speckbohne hält Salbutamol für ein gesundes und ausgewogenes frühstück. Die Kinder besuchen den Kindergarten nicht nur wegen der Ansteckungsgefahr sporadisch sondern auch, weil ich manchmal einfach zu müde für diesen Kampf bin. Manchmal fehlt mir einfach die Kraft, drei übermüdete Kinder zu wecken, anzuziehen und im Anschluss in den Kindergarten zu schieben, um am Ende des Tages den Hinweis auf ein schlappes (ach?) , müdes (ACH?) Kind mit vermutet leichter Temperatur (AHAAAACCHHH????) zu bekommen.

Kurz: Ich mach sie wieder gesund, schiebe sie eine Woche in eine Einrichtung und bekomme sie krank wieder. Ich habe plötzlich ein sehr tiefes Verständnis für Sisyphos. Kein Witz. Seien wir ehrlich, der Kindergarten kann wirklich nichts dafür. Aber meine Motivation zwei von drei Kindern in die Keimhölle zu geben, um sie dann wieder drei Wochen zu Hause zu behalten, damit die Keimhölle nicht noch übler wird.. also puuuh…

Warum ich das ausgerechnet heute alles schreibe?

Pandemie
Wie ist die Aussicht da oben? Siehst Du gesündere Zeiten? Bitte! Biiitteeee!

Ihr werdet vielleicht lachen, aber: Weil ich müde bin. Warum das schon wieder? Thihi. Die Speckbohne hat weder Magen-Darm noch Fieber. Aber einen krass invasiven Ausschlag, den das Großkind schon in schwacher Form hatte (Danke Du Vertretungsarzt für NICHTS!!!!) und der bei der Bohne völlig ausflippt. das Kind schläft nicht, sondern kratzt sich und weint. Die Haut sieht aus, als würde sie eine Rebellion anzetteln wollen und überhaupt, wie hat der Satz angefangen?

DARUM schreibe ich das. Vielleicht einfach, um nicht völlig die Bodenhaftung zu verlieren. Oder um nicht einzuschlafen. Warum aber auch immer, ich kann Euch raten: Tragt Mundschutz beim Küssen kranker Kinder, aber tut es unbedingt trotzdem.

Warum? Habe ich vergessen. Aber ich bin mir ganz sicher.

Eure Julia

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2 Kommentare

  1. Herrlich! Ich habe sehr gelacht (aber nicht dich aus…was ich betonen möchte ) und ich möchte dir zurufen: du bist nicht allein! Auch wenn es sich so anfühlt und man manchmal denkt in der Vorhölle zu wohnen.
    Aber-leider- es wird erstmal nicht (viel) besser….
    Hier turnt mittlerweile ein Schulkind rum, der alles mitbringt , was uns im Kindergarten verschont hatte…zb das böse,böse Läusegetier (urgs) und ein grippaler Infekt nach dem nächsten. Dazu holt der Kindergarten bei Kind 2 auf,was Krankheiten betrifft.
    Was es bei Schule noch schlimmer macht? Das du dir dreimal überlegst, ob du das Kind Zuhause lassen darfst…insbesondere freitags und montags….wo du einen Krankenschein brauchst und was verpasst das Kind .. und wie um Gottes Willen bekomme ich zusätzlich zu allem noch die nachzumachenden Hausaufgaben in das schlecht gelaunte Kind?
    Genau deshalb werden dann Kinder oft zu früh wieder geschickt und dein Karussell mit dem gerade gesunden Kind dreht dich weiter…
    Kopf hoch , bald ist Sommer…alles wird gut.
    LG Kerstin

  2. Oh man! Eine Ladung Verständnis und Trost für dich!!
    Kann dich so gut verstehen. Wir haben auch den schlimmsten ‚einer liegt immer flach Winter‘ seit Kinder Entstehung hinter uns. Zurück bleiben zwei völlig erschöpfte und ausgelaugt Eltern,die schon im März höllische Angst vor dem nächsten Winter haben und wenn sie nicht zu müde oder zu launisch sind, sich in Auswandern Träumereien flüchten. Unser Highlight war, als wir, nach überstandener Lungenentzündung der Großen, dachten, jetzt wäre aber wirklich mal gut und uns dann eine echte Grippe, einer nach dem anderen von den Füßen holte, zwei Wochen alle so richtig krank und im Anschluss noch mal eine Runde Magen Darm für Mama und Baby. Ich kriege schon beim zurück denken Panik. Das ganze ist anderthalb Wochen her und ich wage nicht mehr zu hoffen, dass der Frühling endlich Abhilfe schafft…😴😷💩

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