Kleine Dinge, große Tränen

Ground control to Major Tom- jetzt sind sie in der Überzahl.

Ihr Lieben, mir ist ein Licht aufgegangen. Nicht, dass das sonst NIE passiert, aber in diesem Fall muss ich Euch, ähnlich wie bei der Wunschkind-Buch-Sache, teilhaben lassen. Es handelt sich um eine völlig unbedeutende Mini-Kleinigkeit. Und ich musste echt fast weinen, als ich es geschnallt habe. Weil diese Kinder unglaublich sind und wir Erwachsenen manchmal unglaublich doof. Ernsthaft.

Ich soll zum Punkt kommen? Okay, okay. Ihr habt ja Recht. Aber von Anfang an:

Der Butterkeks ist zunehmend traurig, seit wir unsere Speckbohne haben. Die Speckbohne ist ihres Zeichens eigentlich ein wunderbar unkompliziertes Kind. Die möchte ein paar Grundbedürfnisse erfüllt haben, aber wenn das klar ist, ist sie meistens ziemlich entspannt. Sofern nicht gerade Blitzwochen sind. Dessen ungeachtet ist es dennoch ein Baby und vor allem ein Kind mehr, als der Butterkeks so kennt. Also in dieser Familienkonstellation.

New Kid in Town

Kleine Dinge, große Tränen
Drama Baby, Drama!

Ich versuche natürlich, das jetzt schon zum Running Gag gewordene „graurich“ meines Mittelkindes aufzufangen. Aber es gelingt mir mäßig. Teil meiner Nemesis ist, dass dieses Kind eher von der theatralischen Sorte ist. Nicht, dass es weint, obwohl nichts ist. Das tut es nie. Aber die Dinge schmerzen meinen Butterkeks einfach intensiver, als sie viele andere Kinder schmerzen würden. Dabei spreche ich nicht unbedingt von körperlichem Schmerz. Der ist schon auch lauter als beim großen Geschwisterkind, aber letzteres ist ein fast schon beängstigendes Hartei und der Butterkeks eben nicht. Wirklich laut und dramatisch wird es aber eben, wenn es um Gefühle geht.

Unglücklicher Weise kann ich das oft nur schwer verstehen und brauche immer einen Moment, um mich zu sammeln. Ich bin jetzt kein emotionsloser Klotz oder so. Aber El Butterkeks ist diesbezüglich wirklich speziell. Wie gesagt- ich versuche es, so gut ich kann und auch wenn ich den Auslöser oft nicht verstehe: Wer „graurich“ ist, wird getröstet. In letzter Zeit scheine ich darin aber zunehmend nachgelassen zu haben, denn das Mittelkind wird gegenüber dem Baby mehr und mehr verletzend. Ich meine leider nicht, dass es, in Anlehnung an mich „bleeder Mama“, „Bleeder Baby!“ schreit. Ich meine damit, dass es dem kleinen Geschwisterkind die Gummistiefel ist Gesicht pfeffert. Mehrfach.

Bäm!

So geht das nicht. Und dann gibt es erstmal Ärger, wo eine Umarmung vermutlich besser gewesen wäre. Damit sich das nicht steigert, zermartere ich mir den Kopf, was ich tun kann und woran es nur liegt. Wir waren doch schon so gut! Währenddessen klettert das Mittelkind auf meinen Schoß, ich schnaube, bin ein bisschen genervt, schiebe das Baby auf das andere Bein und erstarre mitten in der Bewegung, als der Butterkeks sagt: „Ich auch tuscheln!“ Also kuscheln meint er, wisst Ihr eh. Aber was mir in dem Moment wie Schuppen von den Augen fiel:

Das Mittelkind sieht jedes Mal, wenn ich das Baby auf dem Schoß habe, dass ich damit KUSCHLE. HALTEN hält es für KUSCHELN! Ihr dürft jetzt gerne erstmal herzlich lachen und dann reden wir weiter.

Denn das bedeutet ja: Mein Butterkeks kuckt mir seit gut fünf Monaten den ganzen Tag dabei zu, wie ich das kleine Geschwisterkind kuschle und herze und IHN NICHT. Ich möchte weinen, weil mir das so unfassbar leid tut! Könnt Ihr euch erinnern, wie viel Babies auf dem Arm sind? Wie jeder sie ständig auf den Schoß nimmt? Sogar beim Essen. Kochen. Gehen. Spielen. Immer!

Ich habe eine Specknohne getragen

Kleine Dinge, große Tränen
Von stillen Wassern und großen Wellen

Wir haben Glück im Unglück: Die Speckbohne ist nur so semi-kuschelig und ist auch das erste Kind im Hause Wikinger, dass sich ganz gerne mal alleine auf dem Boden beschäftigt. Dass das Böhnchen zudem noch gerne Kinderwagen fährt und Tuch eher so mittel findet, ist ein Wink des Schicksals. Denn der Butterkeks ist ein Kuschler sondergleichen, es gab Zeiten, da konnte er außerhalb meines Armes nicht mal ansatzweise schlafen und weil das Kind auch eine sehr natürliche Autorität besitzt, wäre keine*r auf die Idee gekommen, das anzuzweifeln. Dann kam allerdings das Böhnchen und das musste naturgemäß gefüttert werden. Tag und Nacht. In meinem Arm.

Ihr könnt Euch die Tränen auf allen Seiten des Bettes vorstellen? Das Mittelkind hat gelernt, an meinen Rücken gekuschelt einzuschlafen. Es streichelt mir dabei den Rücken, bis ihm die Augen zufallen. Und ich stille weinend mein Baby, weil ich mich nicht zweiteilen kann. Inzwischen schmerzt es nicht mehr jedes Mal so furchtbar. Kinder wachsen an ihren Aufgaben und der Butterkeks kuschelt jetzt auch ab und zu des nächtens mit dem Herrn Wikingerpapa. Aber dieser Gedanke, dass das Kind zusätzlich auch noch glaubt, ich würde dieses Baby jedes Mal kuscheln, wenn ich es anfasse… Puh. Macht vieles verständlicher und ich frage mich inzwischen: Was für eine Engelsgeduld und was für ein großes Herz muss der Butterkeks haben, dass er erst jetzt hin und wieder Bohnen-Attacken startet?!

Missverständnis. Großes Missverständnis.

Kleine Dinge, große Tränen
Happy Feet statt „graurich“

Ich versuche jetzt, den Butterkeks ganz bewusst öfter auf den Schoß zu nehmen. Ich habe ihm erklärt, dass das auf-dem-Schoß für Babies nicht das ist, wofür er es hält. Ich bin ein bisschen verzückt, dass der Butterkeks Berührung insgesamt so positiv findet, dass er quasi alles für kuschelig hält, was damit zu tun hat. Und dann bin ich wieder echt innerlich zerrissen, welches Kind ich jetzt zuerst auf den Arm nehme, damit keiner „graurich“ ist.

Ein kleiner Satz vom Butterkeks. Der für mich eine große Perspektive eröffnet hat. Und eine riesige Verantwortlichkeit, von der ich noch nicht weiß, wie ich sie nur irgendwie in den Griff bekommen soll. Ich arbeite dran. Ich küsse die Kinder. Jedes genau so oft, wie es das gerade braucht. Und den Butterkeks gerade doppelt.

Eure Julia

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5 Kommentare

  1. ganz genau so ging es mir neulich, als kind 1, fast 6, mir sturzbachheulend berichtete beim einschlafen, dass es grade immer so traurig ist, wenn wir eltern kind 2 (3,5 jahre) und kind 3 (4 monate) immer so viel kuscheln und im arm haben. Ich zermartere mir das hirn, wann wir die viel kuscheln und komme nicht drauf weil ich eigentlich der meinung war, die kuschelbedürfnisse der einzelnen kinder recht gut zu stillen. ich komme nicht drauf, also frage ich nach. kind 1 dann so: naja, immer zieht ihr 2 und 3 an und aus und morgends und abends und wenn ihr die tragt… und auch mir fällt es wie schuppen von den augen: tragen und beim an- und ausziehen helfen (vor allem das) ist für kind 1 körperkontakt, den es von uns nicht bekommt, weil sie das schon selber kann, laufen und an- und ausziehen. und ich bin nicht drauf gekommen, dass sie sich beim abendlichen und morgendlichen an- und ausziehen, das wir alle immer gemeinsam machen, alleine fühlt. dumme mutter! aber jetzt ist es wenigstens raus und ich kann auch dem großen kind helfen, und es ist einigermaßen happy damit. verrückte welt – dumme erwachsene manchmal!

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