(2) Kinderbetreuung oder Sisyphos reloaded

Kinderbetreuung oder Sisyphos

Ich habe die unendliche Geschichte unserer Fremdbetreuung begonnen und ich will nicht kleinlich sein: Ich schreibe sie weiter. Könnte gut sein, dass sie wirklich unendlich wird, aber irgendwann werden sie 18 sein und dann ändere ich die Überschrift in „Partnerbörse oder die perfekte Schwiegertochter“. Gut? Gut.

Kinderbetreuung oder Sisyphos reloaded
DA sollte er hin. Kindergarten Seht Ihr nicht? Eben.

Zurück zum Thema: Ich war trotz so-viel-wie-möglich-draußen-Tagespflege in der Innenstadt viel mit dem Knirps draußen und hatte trotzdem manchmal meine liebe Not, das Kind ins Bett zu bringen. Vor zwölf. Weil er, im Gegensatz zu mir, einfach ein einziges kleines Energiebündel ist. Und das tobt sich nicht auf 90 qm aus. Sonder nur draußen. Nurnurnur! Und je größer der Kerl wurde, desto deutlicher wurde das auch in der Tagespflege.

Normalerweise ersetzt die TaPfl meist den Zeitraum bis zum Eintritt in den KiGa. Und der Großwikinger sollte auch in einen ganz vortrefflichen KiGa gehen. Mit einem einzigen Haken: Wir bekamen keinen Platz. Ich könnte jetzt ausführen, dass ihn zwei Jahre vor Eintritt in den KiGa anzumelden ja vielleicht auch ein bisschen spät war. Oder die vierteljährlichen Mails mit Nachfrage nach Nachrückern etwas ungeschickt. Vielleicht sollte ich mich rechtfertigen indem ich betone, dass wir extra an zwei Schnuppertagen teilgenommen haben, je Jahr einer, um nicht in Vergessenheit zu geraten.

Ich sollte allerdings an dieser Stelle verschweigen, dass wir mit keiner Alternative zu diesem Kindergarten einverstanden waren. Und uns mittelbewusst und mittelunerstützt vom jeweiligen Kindergarten in die Gefahr begeben haben, nicht zu den Auserwählten zu gehören. Ich verschweige Euch jetzt schlichtweg, dass ich guter Dinge war, zwei Jahre Vorlaufzeit reichen, ansonsten springt ja auch immer mal eines der Kinder ab und überhaupt passte das alles wie Arsch auf Eimer- ich verschweige Euch:

Ich war zuversichtlich. War.

Kinderbetreuung oder Sisyphos reloaded
Gruppenbild mit Tagespflege-Hund Nala

Kurzversion: Kein Kindergartenplatz, keine Möglichkeit den Wirbelwind weiter in einer IndoorKiTaPfl zu betreuen, ohne das Kind oder Räumlichkeiten leiden. Jippie. (An dieser Stelle fügen Sie bitte majestätische Held-rettet-Heldin-Musik ein!) Dann kam: Der Immenkorb. Ich werde diese Betreuung an anderer Stelle nochmal gesondert vorstellen, aber glaubt mir, die Held-rettet-Heldin-Musik ist keine Übertreibung. Was fielen mir Steine vom Herzen. Aus der Menge Stein hätte ich eine Kita bauen können. Ernsthaft.

Die Draußen-Betreuung. DIE!

Denn hier ist der Großwikinger entweder im Wald, auf dem Ponyhof und maximal in der (umgebauten und kuschligen) Sattelkammer. Mehr drinnen gibt es da nicht. Bei fiesen Minusgraden entfällt manchmal die dort angebotene tiergestützte Pädagogik-Stunde. Weil die Ponys sich sonst die Gräten brechen. Aber das ist selten. So selten, dass der Sohn mit glühenden Ohren heim kommt und erzählt, dass er zu seiner Frau Nessa NACH HAUSE durfte. Also in die Wohnung REIN. Für den Vierjährigen ganz großes Kino. Und für mich die schönste Bestätigung: Wenn Drinnen-Sein so spannend ist, war er wohl genug draußen.

Ich würde jetzt lügen, wenn ich behaupte, ich müsse mit dem Großen nicht mehr raus, weil er ja schon den ganzen Tag da ist. Das ist Quark. Es hat sich nämlich etwas ganz sonderbares herausgestellt: Ich bekomme auch nen Lagerkoller, wenn ich zu lange nicht draußen war. Und so kommt es eben, dass der Wirbelwind an manchen Tagen kaum zwei Stunden unter einem Dach verbringt. Dann kommt er von der TaPfl, steigt aufs Rad, fährt mit in den Schrebergarten und kommt erst abends mit uns wieder nach Hause. Tag vorbei. Zack! Und sagt, was Ihr wollt, aber ich finde, das macht ihn ausgeglichen.

Garten für den Familienfrieden

Spielplatz Impressionen
Nicht, dass noch einer behauptet, ich habe nur Draußen-Bilder bei GUTEM Wetter…!

Er hat Phasen wie jedes andere Kind auch. Aber solange der Auslauf stimmt, ist das alles überschaubar. Er hat die Chance, sich auszupowern. Auch mal Frustration loszuwerden. Er kann kreativ werden oder es sein lassen und einfach an ein paar Grashalmen zupfen. Er quakt an manchen Tagen den gesamten Nachmittag, wie langweilig es in diesem doofen Schrebergarten ist, in dem man nichts darf und keiner da ist und weint dann, wenn es nach Hause geht. Und der Kleinwikinger und ich, wir können ihm ganz gelassen zuhören, der Kleine pirscht sich ohnehin früher oder später an eine Rübe oder einen Apfel und ist beschäftigt. Und der Große mault eben und ist irgendwie trotzdem zufrieden. Ich kann in so einer Situation viel entspannter sein. Das Kind kann. Wir alle können. Draußen ist ein bisschen wie Urlaub, auch wenn man es nicht immer sofort merkt.

Aber ein bisschen geschummelt habe ich doch: Derzeit ist der Großwikinger nur drei Tage die Woche in Betreuung. Und auch der Kleinwikinger soll, solange ich nicht wieder fest angestellt bin, nur in „Teilzeit“ betreut werden. Denn so sehr ich unsere spezielle Betreuungslösung liebe und schätze- ich will den Umstand nutzen, dass ich Zeit mit meinen Kindern verbringen kann. Ich will mit ihnen gemeinsam Dinge entdecken und erforschen und ich will dabei sein, wie sie jeden Tag großartiger werden. Am liebsten Draußen.

Wenn Ihr jetzt denkt, die Geschichte ist zu Ende und alle werden glücklich bis an ihr Lebensende, dann habt ihr vielleicht doch noch keine eigenen Kinder. Denn die Fortsetzung wird in Bälde verbloggt: Die Eingewöhnung des Kleinwikingers. Gerade um zwei Woche nach hinten verschoben. Weil. Und aus Gründen. Und überhaupt, hier läuft ja nie etwas wie geplant.

Ihr erinnert Euch, dass man sagt, jedes Kind sei anders? Tjanun. Der IST anders. Und ich bin gespannt, wie es läuft. Als Bonus kriege ich vielleicht ein paar tolle Bilder vom wunderschönen Dreiseithof. Bleibt gespannt. Teil 3 hier!

Küsst die Kinder, drinnen wie draußen und passt auf Mücken auf!

Eure Julia

 

 

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