„Kinder brauchen“… my Ass.

"Kinder brauchen"... my Ass!

Kita/KiGa/Betreuung. Das ist SO ein Wespennest. Aber ich kann nicht anders. Ich muss ein bisschen motzen. Und ich werde nicht nett sein. Deswegen erstmal zur Sicherheit: Dieser Text motzt nicht mit Dir, wenn Du zwischen null und drölf Kinder hast, sie betreuen lässt oder nicht, darüber berichtest oder nicht, dich dafür interessierst oder nicht, solange Du folgenden Satz NICHT im Repertoire hast: „Kinder brauchen das.“

War noch nicht deutlich genug? Genau den Satz habt Ihr jetzt nirgends aber so ein bisschen im übertragenen Sinne? Kinder brauchen schließlich das Eine oder Andere? Mmmmh. Nee Freunde. Gar nicht. BESTIMMTE Kinder brauchen BESTIMMTE Dinge. Aber nienieniemals ALLE Kinder EINE Sache. Nicht mal bei Nähe und Berührung macht es Sinn: Denn für jedes Dutzend Kinder, für das Nähe und Berührung essentiell ist, gibt es eines oder zwei, die das Angefasst werden schlicht und einfach nicht ertragen. Sie sind sensibel und empfinden Berührung wie einen Überfall. Also, brauchen Kinder wirklich alle ganz pauschal irgendwas?

Logo, irgendwas ist immer.

"Kinder brauchen"... my Ass!
Braucht der was? Schuhe vielleicht? Nö.

Aber nicht alle Kinder brauchen zB den einen Kindergarten. Echt nicht. Und nicht alle wollen zu Hause bleiben. Überhaupt, was Kinder im Allgemeinen so brauchen, da könnte man Bücher drüber schreiben. Wartet… das ist bereits geschehen! Und so viele Bücher, wie es über Kinder gibt- keines wird ihnen allen gerecht.

Also wie in drei Teufels Namen kommen immer wieder Leute darauf, schreiben zu müssen: „Ich bin für/gegen/hinter/über/durch Kinderbetreuung. Weil: Kinder brauchen das.“ ??? Es gibt super Beiträge zu dem Thema. Die handeln von ganz bestimmten Kindern mit ganz speziellen Bedürfnissen und den individuellen Lösungen dazu. Damit gewinnt man als Blogger meinetwegen keinen Blumentopf, aber: Es ist erstens ehrlich und zweitens inhaltlich korrekt. Wer hat denn umgekehrt bitte Interesse daran, eine gewisse Meinung bei Leuten zu etablieren, die diese dann auf ihre Kinder übertragen, ohne sich zu vergewissern, dass diese Lösung passt? Da hat doch keiner was davon. Im schlimmsten Fall leiden die Kinder an dieser Unreflektiertheit. Aber genau das geschieht bei „Kinder brauchen“.

Kinder sind kein Statement.

"Kinder brauchen"... my Ass!
Und die zwei? Nen Scherenschnitt? Auch nicht.

Kinder sind kleine lebendige Wesen, die es zu schützen gilt. Und das tut keiner von uns, wenn er versucht eine Pauschallösung anzubieten. Oder für/wider eine Betreuungsform zu wettern, indem man lustige Argumente in den Raum wirft wie „Kinder brauchen die anderen Kinder im Kindergarten.“ Ja. Äh. Nee?! Ich meine- wie viele von uns Erwachsenen zieht es in Großraumbüros mit mehr als 20 Mitarbeitern? Was, es schreien nicht alle „Hier!“? Tja, dann wird es mit Kindern doch ähnlich sein, oder? Was, es gibt doch einige, die Gesellschaft im Büro super finden? Bingo, ich wette, die wären als Kind im Kindergarten ziemlich glücklich. Huch, da sind noch welche, die beim Wort „Büro“ das große Kotzen bekommen? Macht nix, die sind vermutlich eh als Wildhüter in einem Park unterwegs oder Postbote. Die finden schnell nen Busch zu Kotzen und waren als Kind hoffentlich im Waldkindergarten. Und die, die gar nix sagen? Die wir gar nicht hören, weil sie am liebsten unsichtbar wären, bei solchen Massenbefragungen? Die sind vermutlich zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung und mit ausgewählten Personen um sie herum völlig zufrieden. Ratet. Man könnte, wenn die Umstände es zulassen, so ein Kind vielleicht zu Hause aufwachsen lassen.

Klingt kompliziert?

"Kinder brauchen"... my Ass!
Schöne Träume, die können wir alle gebrauchen, oder?

Ist es. Millionen von Eltern verzweifeln am Versuch herauszufinden, was genau es ist, das ihr eines spezielles besonderes und geliebtes Kind braucht. Denn so logisch sich das ja anhört: Als perfektes Elter kommt leider keiner von uns auf die Welt. Und was zunächst aussieht die DAS Waldkindergartenkind stellt sich oft als kleiner Bastellöwe zu Hause bei Mama heraus. Oder noch schlimmer: An manchen Tagen muss es Jurassic Park sein, an anderen die einsame Insel. Das alles aber zusätzlich zu den Ansprüchen, die so eine Gesellschaft an Eltern stellt, zu den Notwendigkeiten des Geldverdienens und vielem vielem mehr. Glaubt mir, es geht nicht darum, irgendeine Lösung zu verteufeln. Es geht noch weniger darum, NOTlösungen zu enttarnen und so zu tun, als hätte NOTlösung nicht ganz essentiell mit einer NOTLAGE zu tun. Das erlebe ich oft. Aber das meine ich hier nicht. Ich meine hier: Wer öffentlich über Betreuungsfragen referiert, hat eine gewisse Verantwortung. Und die besteht NICHT darin, die eigene Meinung besonders populär zu vertreten. Sondern darin, den Lesern klar zu machen, dass sie SELBST herausfinden müssen, welche Lösung für ihre Familie passt und dabei EINEN möglichen Weg aufzuzeigen.

Klar, reich wird man damit vielleicht nicht.

Aber es gibt Leute, die schaffen das: Sie vertreten eine ganz klare Meinung. Aber die beinhaltet viele Wege der Umsetzung. Und bevor jetzt einer mit MIR schimpft: Ich weiß schon, reich sind die vielleicht auch nicht alle. Aber sie erreichen viele Menschen. Und einige davon zahlen sogar für das, was sie von diesen (und vielen vielen anderen!) Autoren lesen. Also: Auch ohne die „Kinder brauchen“-Keule kann man schreiben. Und leben. Am besten kann man ohne dieses Ding aber vor allem Eines: Kinder haben.

 

Küsst die Kinder, lasst Euch nicht ärgern und hört auch mal auf das, was Ihr braucht!

Eure Julia

PS.: Getroffene Hunde mögen in sich gehen- ich wäre ja keinen Deut besser als die „Kinder-brauchen“-Fraktion, wenn ich Euch EINE Lösung für das Dilemma hätte. Ich weiß, wie schwer es ist, den eigenen Weg zu finden und zu rechtfertigen. Deswegen: Wer sich so viele Gedanken macht, wie der, der sich kurz getroffen fühlte, ist in der Regel gar nicht gemeint. Bleibt bei Euch und lasst Euch nicht irritieren.

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