Gefahrenfreier Bereich oder der Wolpertinger

Gefahrenfreier Bereich oder der Wolpertinger

Neulich gestand ich der Twittergemeinde: Um in Ruhe mal zwei Minuten auf Klo zu können, erlaube ich dem Einjährigen am Tablet zu Tüdeln. Echt jetzt. Ein Shitstorm blieb aus. Trotz Waldorf-Öko-Attachmet-Filter-Bubble. Stattdessen: Ein Hinweis vom Herrn Papa mit Hut. Unter anderem. Dem Hinweis will ich nachgehen. Für Sie, Herr mit Hut (und für Euch, wenn Ihr mögt):

Damit Ihr im Bilde seid: Ich so- Kind am Tablet. Er so- Tür abschließen? Ich so-

Tjanun. Das hat mich nachdenklich gemacht. Gefahrenfreier Bereich. Das überdenken wir jetzt mal kurz. Und beginnen im Bad selbst, das wäre die Variante,in der ich uns beide einschließe. Ich säße dann so auf dem Klo rum. Da ist man ja nicht so mobil. Zumindest nicht so mobil, dass ich verhindern könnte, wie das Kind auf einen Hocker steigt und wahlweise von dort aus in ein Badregal oder (todesgefährlich) auf den Badewannenrand. Zumeist landet er erfahrungsgemäß IN der Wanne, das ist nicht so schlimm. Aber wenn er halt einmal daneben landet… und: In der Wanne angekommen, wird das Wasser aufgedreht. Mittelwitzig. Hocker verschieben, sagt Ihr? Tja, dann kommt der Herr ans Katzenklo. Katzenklo muss ganz eng verwand mit Sandkasten sein und Katzenkot ganz eng mit Knete. Essbarer… ach, lassen wir das.

Ihr habt mich verstanden, oder?

Gefahrenfreier Bereich oder der WolpertingerOkay, dann nicht dieses Zimmer. Welches dann? Kinderzimmer? Haben wir nicht. Ein Tageszimmer eher. Hauptaufenthaltszimmer für alle. Aber: Da steht eine Bank, ein Tisch, die Hochstühle, Stühle, die deckenhohe Sprossenwand und das Hochbett. Jetzt ratet, wer keine Angst vor großen Höhen hat aber auch keine Ahnung, wie gefährlich das ist. Kein Scherz. Ich schließe das Zimmer inzwischen ab, wenn ich nicht drin bin. Denn auch das Abmontieren einzelner Stufen der Leiter vom Hochbett zB hat null Wirkung. Oder besser: Null positive Wirkung. Denn wenn er nicht so ran kommt, versucht er es mit halsbrecherischen Alternativen. Indem er von der unteren Ebene des Hochbettes durch die dritte und vierte Sprosse der Leiter hindurch sich auf selbige hinauf manövriert, einen doppelten Rückwärtsrittberger macht und dann -ich scherze nicht- triumphierend auf 1,70 Höhe direkt an der Kante zum Abrund steht. Solchermaßen adrenalingestärkt sucht er sich einen möglichst gefährlichen Platz an der Brüstung, lehnt sich hinüber und grunzt. Ja. Grunzt. Manchmal macht er auch so ähnlich wie Tarzan. In ähnlicher Absicht. So meine Vermutung. Davon ab: In diesem Zimmer kann er also auch nicht bleiben.

Wo dann? Wohnzimmer?

Gefahrenfreier Bereich oder der WolpertingerKlingt erstmal gut. Sofas sind weich. Die Stühle stehen inzwischen alle in der Mitte des Raumes, damit der Klettermax nicht immer auf den für den zwei-Meter-Kerl eingestellten Schreibtisch klettern kann und Teppich liegt auch. Und dann… kommt der Pimpf halt eben leider vom Sofa auf den Couchtisch (auch übertrieben ausgerückt) und von dort aus mal aufs erste Fensterbrett. Tjanun, muss Mama sich halt beeilen, der wird schon nicht sofort vom Fensterbrett fallen? Nee, tut er nicht, da mache ich mir keine Sorgen. Sorgen mache ich mir, wenn er dann vom ersten Fenstebrett auf die Heizung, darüber zum zweiten Fensterbrett und von dort aus AUF den Fernseher kraxelt. Auf dem Fernseher ist es lustig und man kann sich auch hier supergut vornüber lehnen. DAS ist der Moment, der mir Unbehagen bereitet. Rolle vorwärts vom Fernseher.

Ich höre Euch. Couchtisch weg? Sofa verschieben? Macht ma. Junior holt sich dann entweder seinen Waschhocker oder seine Fagus Zirkusanhänger. Von dort aus geht es auf die Heizung und den Rest kennt Ihr. Manchmal versucht er es auch aus purem Übermut vom Fernseher auf den Schreibtisch. Mit Zwischenstopp auf dem PC. Das ist dann besonders lustig, wenn ich währenddessen grade schreibe und er auf den Aus-Knopf tritt. Mit diesen niedlichen, kleinen Knubbelzehen. Denen es pupsegal ist, ob ich noch abspeichern konnte. Diese niedlichen, kleinen… Lassen wir es. Also auch nicht Wohnzimmer.

Dann aber Schlafzimmer. Schlafzimmer geht!

Gefahrenfreier Bereich oder der Wolpertinger
Findet das Kind. Kuckt genau…

Ja, die Voraussetzungen sind gut. 2,70m Bett sind weich. Das Babybay sollte Nachttisch sein, dient aber auch als (ungefährlicher!) Sprungturm. Mein Nachttisch ist auch nur insofern interessant, als dass sich die Ladekabel dort alle sammeln und der Herr die so gerne ableckt. Aber für die Dauer eines Toilettenganges müsste das doch soweit machbar sein? Ihr ahnt es. Wieder ein Fenster. Mit Fensterbrett. Und einem Lowboard. Davor. Ich führe es nicht aus. Ihr wisst es.

DIE GESAMTE BUDE IST EIN POTENTIELLES GRAB!

Und ich? Ich warte, bis er zwei ist. Hast ja Recht, Nico. Klo wird überbewertet.

Küsst die Kinder, wer weiß wann sie wieder fallen.

Eure Julia

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