Gedanken zum Schuleintritt

Seit gut vier Jahren scheint mir der Gedanke einer Verbindung zwischen meinen Kindern und Schule völlig fremd, fern und absurd. Etwa so, wie die Frage, ob sie später Mal auf dem Mond leben werden oder so. Vor einigen Wochen ist mir (völlig zufällig) bewusst geworden: In mehr oder minder genau einem Jahr ist Mondlandung angesagt. Also, äh, Schule meine ich. Hilfe, Aliens!!! Schlimmer: Schuleintritt!

Ist eigentlich irgendwer über die Formulierung „völlig zufällig“ gestolpert, ja?! In meiner Umgebung nämlich fast alle. „Und das überrascht Dich jetzt? Das weißt Du doch quasi seit Jahren!“ Ja. Nein. Jein. Ein rationaler Teil von mir ganz bestimmt, auch wenn ich nie ein Ass in Mathe war. Aber der Rest? Der findet, dass es noch kein einziges Anzeichen dafür gibt, dass dieses Kind in die Schule müsste. Überhaupt, in welche denn? Regelschule gruselt mich (die ich seit Jahren in keiner einzigen mehr war) und Home Schooling ist in Deutschland immer noch nicht legal. Also nicht unter unseren Umständen. Warum zur Hölle sollte also Schule schon ein Thema sein? Ich habe über dieses Zeug ja auch noch gar nicht fertig recherchiert und bin doch gerade eben erst froh, die perfekte Tagesbetreuung fürs Kind gefunden zu haben.

Ich bin noch nicht schulreif!

Gedanken zum Schuleintritt
Gestern war er doch noch ein Baby!!!

Ich schwöre Euch, ich halte mich für eine relativ entspannte Mutter und im Grunde meines Herzens weiß ich auch: Helikoptermutter wird aus mir keine mehr. Der Gedanke an Schule aber macht mich dennoch ein bisschen schwermütig. Und nach der ersten Sichtung unserer Möglichkeiten auch ein wenig wütend: Seit dieses wunderbare Kind auf der Welt ist, interessiert es zB den Staat herzlich wenig, wie und zu welcher Qualität ich es betreuen lasse, wenn ich denn unbedingt arbeiten gehen will. Es interessiert auch nicht, dass ich, um wenigstens die Nachmittage mit dem Kind verbringen zu können, quasi nur für die Betreuungskosten arbeiten ging. Okay, klar, mein Kind, mein Problem. Kein Hahn kräht danach, wie wir eine sichere Bindung zu den jeweiligen Betreuungspersonen garantieren. Keiner danach, wie ich die Bewegungsfreiheit des Kindes weiter sichere und ob das zB einfach auch zusätzlich Geld kostet. Ist ja irgedwie alles Luxus und wir sind wieder bei:

Euer Kind, Euer Problem.

Aber jetzt, nach gut fünf Jahren, die Eltern selber sehen konnten, wie sie diesen ganzen Kram bewerkstelligen und das auch noch maximal effektiv für Arbeitgeber und minimal invasive fürs Kind- JETZT ist Zeit für Schule und den Eltern wird gefühlt JEDE Kontrolle und jedes Mitbestimmungsrecht entzogen. Denn: Schule ist Schule. Da gibt es keine großen Wahlmöglichkeiten. Es gibt Einzugsgebiete. Da gibt es gesetzliche (!) Vorgaben, wann ein Kind in die Schule muss (!) oder aber noch nicht darf (!). Da gibt es Amtsärzte, die das Kind nach knapp sechs Jahren, die es auf der Welt ist, das erste Mal sehen und dennoch eine ärztliche Empfehlung aussprechen dürfen, ob das mit der Schule jetzt eine gute Idee ist.

Freilich, es gibt auch die tollen Betreuungspersonen, mit denen Eltern sowas beratschlagen können. Die ebenfalls die Möglichkeit haben, Empfehlungen auszusprechen und tatsächlich sogar die Pflicht, eine kurze Einschätzung zum jeweiligen Kind abzugeben. Es gibt tolle Kinderärzte. Und es gibt ja bekanntlich immer eine Wahl:

Wie wäre es mit einer Privatschule?

Gedanken zum Schuleintritt
40 Minuten zur Schule? So kein Problem!

Also, wenn man sich so gruselt wie ich und das kund tut, dann sollte man das wohl in Betracht zieht, nech?! Und was sind schon 40 Minuten Autofahrt täglich, wenn es ums Kind geht. Oder? Oder?? Überhaupt, dann müssen die Eltern jetzt eben ganz schnell ganz Waldorf werden und die ganze Einrichtung umstellen. Denn es geht das Gerücht, die bei uns ansässige Waldorf Schule macht Hausbesuche, wenn man die ersten Hürden gemeistert hat. Alles freilich VOR einer Zusage. Und vermutlich auch erst nach einer Bonitätsprüfung. Denn egal wie ich es drehe und wende: Selbst die Wunschschule würde uns neben anderen lustigen Dingen (Bankbürgschaft! Lebenslang!) um und bei dreihundert Euro im Monat kosten. Ohne Busfahrkarte, ohne Ausflüge. Und ohne Nachmittagsbetreuung (die man im übrigen auch in der Regelschule nur bekommt, wenn man berufstätig ist. Sollte man es bei Schuleintritt nicht sein, wird man es vll nie, da beißt sich nämlich die Katze in den Schwanz: Ohne Betreuung kein Job. Ihr merkt das, ne?!). Plus Betreuungskosten für (in unserem Fall) zwei bis drei weitere U3 Kinder. Wir sprechen hier von rund vier bis fünfhundert weiteren Euro. Damit ich arbeiten „darf“, nachdem ich 13 Semester studiert habe. Hachz. Immer diese Mütter, die sich selbst verwirklichen müssen… (*Ironie aus*)

Du wolltest es ja so!

Ich höre Euch denken. Logo. Ich wollte drei Kinder. Und ich gebe auch keins ab, da braucht Ihr gar keine Hoffnung zu hegen. Aber ich wollte auch, dass die Welt, in der ich diese Kinder begleite eine bessere ist. Eine faire. Eine, in der sie sich entfalten können, statt ins System gequetscht zu werden. Und zum zweiten Mal im Leben meines ersten Kindes stoße ich hart an Grenzen. Meine. Der Welt. Der Schule.

Allein  die Tatsache, wie wir die Betreuungsfrage für die Zeit vor der Schule letztlich so großartig lösen konnten, gibt mir Hoffnung. Etwas in dieser Art muss ich jetzt eben auch in Sachen Schule schaffen. Wir. Denn dass das Kind die Schule schafft, daran habe ich zu keiner Sekunde Zweifel. Wirklich nicht. Egal welche Schule. Egal welche Schwierigkeiten. Das Kind ist schön, stark und klug- und zusammen sind wir unbesiegbar. Ohne scheiß. Bloß was genau wir jetzt tun- DAS steht in den Sternen. Recherche. Tolle Beträge zur Schulreife verschlingen. Mails schreiben. Ärzte und Betreuungspersonen nerven. Und am Ende: Hoffentlich ein glückliches Schulkind haben.

Küsst die Kinder, ob Schule oder Kindergarten!

Euer Julia

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