Flüssige Liebe

Flüssige Liebe

Warning: Contains Brüste. Nicht die von Models und nicht von Profis abgelichtet. Sondern in bestimmungsgemäßem Gebrauch. Wer das nicht sehen mag: Lieber wegklicken!

Moin Ihr Lieben! Ihr habt es unlängst gelesen: Nicht immer geht alles ganz glatt mit mir und der Stillerei. Obwohl ich mich wirklich nicht beschweren kann. Denn im Großen und Ganzen klappt es eben doch recht reibungslos. Darüber bin ich sehr froh und mir ist durchaus bewusst, dass diese drei ziemlich glücklichen Stillbeziehungen leider ein ziemliches Privileg sind. Eben weil das so ist, habe ich Euch vermutlich nie erzählt, was für mich der alleraller schönste Teil dieser Sache ist. Denn ich will niemanden vor den Kopf stoßen, di*er nicht stillt. Ich gehe immer davon aus, dass es egal ist, wie die Milch ins Kind kommt- per Brust oder nicht. Allerdings ist mir dann siedend heiß eingefallen: Ich habe von Fläschen und Co keine Ahnung. Aber ich gehe jetzt ganz dreist mal davon aus, dass das da einfach ganz genau so ist, wie beim Stillen auch. Ich Schnellmerker. Mund auf. Milch rein. Kind kuscheln.

Flüssige Liebe
Das Ziel: Schlafendes, zufriedenes Baby. Liebe pus.

Bevor ich jetzt von den herrlichsten Momenten des Stillens posaune: Erst nochmal zurück zu der Fläschchen-Geschichte, bitte. Denn der Punkt ist arg wichtig: Ich habe es bei drei Kindern bislang nicht auf die Reihe bekommen, sie mit der Flasche zu füttern. Das hört sich jetzt ein bisschen verquer an, aber es wäre ja auch für ein stillendes Elter doch eine Erleichterung zu wissen: Auch ohne mich wird das Kind nicht verhungern. Es wäre auch durchaus schick gewesen, wenn ich die eine oder andere Nachtschicht hätte an den Mann mit dem Alternativprogramm abgeben können. Und meine Brüste wären eh manchmal froh, sie hätten eine Vertretung. Hat aber schlicht und einfach nicht geklappt. Ich habe dazu viele kluge Ratschläge gehört. Viele tolle Lösungsansätze dargelegt bekommen.

Und trotzdem isses jetzt halt so. Das ist nicht weiter tragisch, denn das Stillen klappt ja, Schlaf wird eh überbewertet und für die wenigen Ausnahmen, bei denen es nicht anders ging, fanden wir immer eine Lösung. Das einzige, was mir halt jetzt wirklich fehlt, ist Erfahrung mit dem Füttern auf diese Art. Deswegen will ich vorsichtig sein mit meinen Zuschreibungen und niemanden verletzen. Wenn ich also falsche Annahmen voraussetze: Lasst mich lernen und erzählt mir, wie es wirklich ist– ich habe hier einen bemerkenswerten Informationsmangel was praktische Erfahrungswerte anbelangt. Schreibt mir auf julia@mama-juja.de von Euren liebsten „Fläschchen Momenten“ und wir machen einen extra Beitrag draus? Ich fänd das ja cool…!

Bis ich schlauer bin bleiben wir dabei: Wie auch immer Fütterkuscheln und Kuschelfuttern, Trostmilch oder Milchtrost, kurz- wie immer die flüssige Liebe ins Kind kommt, es gibt ein paar Dinge dabei, die meinen Hormonhaushalt sofort übersprudeln lassen.

Welche denn nu?

Flüssige Liebe
Gut festhalten! Fluchtgefahr!

Zu Beginn halten wir mal fest: So ein Kind zu füttern ist grundsätzlich irgendwie ein bisschen krass. Dieser Gedanke, dass hier ein Lebenwesen liegt, für dessen Wachsen und Gedeihen ich zuständig bin, ist heftig. Die Erkenntnis, dass nicht nur Essen ins Kind fließt, sondern auch Trost, Zuwendung und Liebe, schießt die ganze Baby-Nahrungs-Geschichte in hormonell kosmische Höhen. Und ICH BIN DAFÜR ZUSTÄNDIG! Ich schaffe es nicht mal, meine Blumen regelmäßig zu gießen. Aber ein Baby grossziehen, dass soll plötzlich drin sein. Huiui. Zugegeben: Pflanzen können sich akkustisch nicht so schön bemerkbar machen. Aber Ihr wisst, was ich meine, ne?! Also: Einer der schönsten Momente für mich war diese Erkenntnis in Zusammenhang mit er Ahnung, dass ich das tatsächlich schaffen werde.

Ein Kind ernähren. Holla die Waldfee. Ich sag Euch, dieser Gedanke ist beim dritten Kind nicht minder überwältigend als beim ersten. Und er trägt mich auch über viele Schmerzen und Probleme beim Stillen hinweg. Trägt mich über Kinder, die ihre Nahrungsquelle nur anschreien und wegstoßen, obwohl sie offensichtlich hungrig, müde und sehr sehr trostbedürftig sind. Lässt mich die Hupen auch in fremder Umgebung Mal um Mal auspacken und anbieten, obwohl die Menschen sicher schon glauben, ich belästige dieses Kind. Weil ich weiß, wie groß die Aufgabe ist und weil ich spüre, dass ich uns da viel Freiheit lassen muss. Ich muss mein Kind ernähren, mit Milch und Liebe, da kann ich auf die Befindlichkeiten fremder Hanseln wirklich keine Rücksicht nehmen!

Patschhände Deluxe

Flüssige Liebe
Genau so. Äh. Ähnlich. naja… Ihr wisst!
Quelle: Pixabay

Je länger ich aber Liebe in flüssiger Form ins Kind fülle, desto interaktiver wird der Spaß. Nicht mehr nur ich fülle, das Baby sucht, bittet, protestiert und trinkt höchst eigenmächtig mit. Und das tut es mitunter mittels dieser wunderbaren, kleinen, speckigen Hände. Ich zerfließe regelmäßig vor Liebe, wenn diese kleinen Patschhände meine (zugegeben leider arg großen) Befüllbehältnisse ganz zart halten, fast so, als könnten sie oder die darin befindliche Milch zerbrechen. Ganz zärtlich, als wären sie das kuscheligste und flauschigste, was es auf dieser Welt gibt. Voller Staunen und Genuss, dass das Baby und ich hier so liegen dürfen. Das Kind trinkt sich satt und kuckt ganz tiefgründig. Ich werde niemals satt diesem Kind und seinen Händen zuzusehen. Das ist einfach… hach! Ganz still sind solche Momente und ganz innig. Sie gehören nur mir und dem Baby und manchmal scheint es wirklich, als wüssten diese kleinen klugen Augen das. Als wüssten sie, welches Geschenk dieser Moment für uns beide ist.

Kurzer Reality Check: Ich muss dabei immer an diese süßen Otter denken, wenn sie etwas festhalten… nicht, dass das hier zu salbungsvoll wird!

Und wir wollen bei den Wahrheit bleiben, wenn wir schon in der Realität angekommen sind: Je älter die Kinder werden, desto lustiger wird es auch. Denn nicht selten sind es diese Momente, die sich binnen Sekunden in schallendes Gelächter auflösen, wenn das Baby vom zarten und liebevollen Halten nix mehr hält. Und stattdessen – BÄM! – mit der flachen Hand auf die Brüste patscht. Und nochmal. Und… dabei grinst, ohne das Trinken zu unterbrechen. Schelmisch den Restträger des Still BH wegzieht und volle Kalotte schnalzen lässt. Rumms! Tjanun. So bewahrt die Bohne mich oft vor zu viel Flausch und Schmalz, ein Glück! Im Ernst: Wenig ist so schön, wie mit dem trinkenden und kuschelnden Baby ein bisschen zu blödeln und dabei  zu entdecken, dass es schon jetzt seinen eigenen Humor hat. Sich Schelmereien ausdenkt und sich freut wie ein Schneekind, wenn das zugehörige Elter auch lachen muss. Das ist innig auf eine ganz andere Art und Weise. Das Vertrauen, mit dem dieses Baby lebenswichtige Tätigkeiten wie das Trinken mit herzenswichtigen wie dem Lachen verbindet, halte ich für überaus klug. Ihr auch?

Fummelpummel

Flüssige Liebe
Fummelpummelliebe!

Kennt Ihr das, wenn die Kinder besonders müde sind, quasi schon die Augen zufallen und dennoch schon die kleinsten Babies sich am Ohr fummeln? Ich habe keine Ahnung, wie die Kinder das in einem Alter schaffen, in dem sie noch nicht mal wirklich in die Richtung KUCKEN können, in die sie wollen. Aber meine Kinder haben es von klein auf geschafft, ihr Ohr beim Stillen zu finden und hingebungsvoll daran zu fummeln. Ganz konzentriert wird das Ohr zart gerupft und leicht gezogen, genküllt, gestreichelt, gehalten. Und immer wieder findet die kleine Hand das Ohr, egal, wo sie vorher war. So lange, bis sie völlig entspannt herunter sinkt. Ich habe keinen blassen Schimmer, was es mit dieser Ohrenfummelei auf sich hat, aber ich las einst, dass Kinder so sogar Schmerz regulieren können. Ohrenfummelei entspannt und schüttet Unmengen Glückhormone aus, anders kann es nicht sein. Und ich schaudere vor Bewunderung über diese hoch kompetenten Mechanismen, derer sich diese scheinbar so schutzlosen Babies bedienen, die ja „noch nichts können“. Und was die können! Die haben einen eingebauten Entspannungsschalter. Ist das nicht…? Das ist!

Und es ist einfach unglaublich niedlich. Halbunkoordiniert, völlig verpennt, trinkend und fummelnd liegen sie dann da und ich möchte sie wirklich fressen vor Liebe. Ich muss an mich halten, dieses Baby nicht zu wecken, weil ich es herzen und kuscheln muss. Uff, diese Liebe für diese Kinder!

<3

Flüssige Liebe
Gefunden.

Und mein liebster Moment? Ganz zum Schluss. Mein liebster Moment ist, wenn die Babies schon schlafen und quasi noch im Schlafe nach der Nahrungs- und Liebesquelle suchen. Mit welcher Ausdauer sie den kleinen Schnabel aufreissen und an allen möglichen Körperteilen und Gegenständen saugen. Wie sie minutenlang voller Vertrauen sind, dass die heißersehnte Flüssigliebe gleich fließen wird! Das können die doch gar nicht wissen?! Und dennoch liegen sie da, wühlen sich durch die Kissen, versuchen sich an Papas Nase, testen auch mal des Geschwisterkindes Zeh und haben keinen Zweifel: Nahrung und Liebe sind nicht weit. Dieses vertrauensvolle Suchen rührt mich echt. Die Kinder wissen nicht, ob sie Nahrung und ein Elter finden werden. Aber sie vertauen mit ihrem ganzen Sein darauf, dass es so ist.

Ich bekomme regelmäßig eine Gänsehaut, wenn ich merke, das Baby wühlt schon eine Weile, ehe ich aufgewacht bin und es stille. Dieser Moment des Andockens, in dem das Baby ganz selbstverständlich gefunden hat, was es sucht, ohne wissen zu können, dass es da ist. Ich kann es gar nicht richtig erklären- wisst Ihr, was ich meine? Ich bin fix und fertig, wenn ich versuche zu verstehen, wie riesig der Vertrauensvorschuss ist, den die Babies uns in dieser Hinsicht gewähren. Und ich bin ziemlich sicher: Dieser Vorschuss beschränkt sich nicht auf Flüssigliebe. Dieses vertauen in uns. In mich. DAS ist der wirklich wunderbarste Moment, was Fütterkuscheln betrifft. Und er ist ganz eng gekoppelt an den ersten Moment der Erkenntis: Ich nähre dieses Kind. Und es vertraut mir dabei blind.

Krasse Liebe, oder? Ich küsse alle Kinder, die sich in Reichweite befinden und würde mich wirklich über Eure Geschichten freuen!

Eure Julia

 

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4 Kommentare

  1. Ich weiß, dass meine Brust das kuscheligste und flauschigste auf der Welt ist – das hat mir meine Dreieinhalbjährige nämlich im letzten halben Jahr, seit ich die vor sechs Monaten abgestillt habe, immer wieder versichert. Die Brustbegeisterung hat in der Zeit nämlich nochmal neue Höhen erreicht und es wurde reichlich mit „Brusti gekuschelt“. „Mama, deine Brust ist sooo weich! Ich LIEBE deine Brust!“

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