Familie Flodder- Ein Rant. Teil 1.

Familie Flodder- Ein Rant

Ihr Lieben, ich war heute bei der Kinderärztin. Bei drei Kindern an sich eher der Normalzustand und nicht weiter erwähnenswert. Aber bei dieser Ist-nicht-unsere-Kinderärztin-sondern-nur-näher-dran-als-der-eigentliche-Kinderarzt-und-bei-letzerem-war-ständig-belegt-und-ich-war-eben-in-Sorge ist mir etwas passiert, das mich nachhaltig ärgert. So nachhaltig, dass ich statt zu kochen, während das kranke Baby schläft, schreibe. SO.

Aber von vorne, oder? Die Geschichte beginnt mit Triefaugen beim jüngsten Kind am Mittwoch Morgen, setzt sich fort über Fieber Mittwoch Nachmittag, lauter geschlossenen Arztpraxen am Mittwoch Nachmittag, einer harten Nacht und endet (vorläufig) am Donnerstag Morgen mit einem weiteren Matschaugen Kind. Dem Größten. Das war jetzt ein bisschen ungünstig, denn das Auto sollte just am Donnerstag um neun in der Werkstatt sein. Ihr kennt mich: Das war eh schon auf den letzten Drücker, Verschieben kam nicht in Frage. Also gut. Durchatmen, Auto mit drei Kindern zur Werkstatt, dank der Lübeck Oma luxuriöser Weise zurück gefahren werden und währenddessen die zwei in Frage kommenden Kinderärzt*innen abtelefonieren. Eine halbe Stunde lang habe ich keine*n der zwei an die Strippe bekommen. Aber ein fieberndes Baby und ein Großkind mit schmerzendem Auge hatte ich sehr wohl. Die Entscheidung fiel. Leider auf Ist-nicht-unsere-Kinderärztin-sondern-nur-näher-dran-als-der-eigentliche-Kinderarzt-und-bei-letzerem-war-ständig-belegt-und-ich-war-eben-in-Sorge. Aber gut, ich wollte zu medizinischem Fachpersonal das hatte ich also.

Dachte ich.

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Da war das Kind warm angezogen, immerhin.

Wir wurden quasi vor der Tür abgesetzt, darüber war ich arg froh, denn ans Tragetuch hatte ich zwar gedacht, nicht aber an eine Jacke fürs Baby. Stattdessen habe ich formschön eine Strickdecke auf dem Kind drapiert und stiefelte munter los. Also NOCH war ich munter. In der Praxis angekommen wurde aus dem „Kommen sie ruhig vorbei, die Frau Doktor ist da“ ganz schnell ein eher mittelfreundliches „Ja dann müssen Sie schon im Wartezimmer Platz nehmen und haben hoffentlich Zeit mitgebracht.“ Öhm, joah, logo. Ich bin`s von unserem Kinderarzt anders gewöhnt, aber ich habe durchaus gehört, dass Menschen, die ohne Termin in Praxen kommen, auch mal warten müssen. Das ist jetzt nur so semi ironisch, denn tatsächlich liebe ich „unseren“ Kinderarzt ja nicht ohne Grund so abgöttisch. Die Praxis ist richtig gut organisiert und auch mit akuten Problemen warten wir selten. Was aber auch daran liegt, dass ich immer vorher anrufe und notfalls noch ein paar Stunden bis zum Termin überbrücke. Dazu war ich heute eben nicht bereit.

Kleinlaut (Sehr schönes Wortspiel mit drei tobenden Kindern im Schlepptau) machte ich mich also auf ins Wartezimmer. Dank der spielfreudigen Kinder verging die Stunde Wartezeit dann auch fast wie im Flug. Die potenziell ansteckenden Kinder weiterhin in Schach haltend, wurden wir ins Behandlungszimmer kommandiert und ich war so langsam echt irritiert. Ich hatte telefonisch explizit gefragt, ob dafür um diese Uhrzeit Kapazitäten seien oder nicht. Unser Matschaugenproblem hatte ich ebenfalls angekündigt. Was zur Hölle ist da zwischen der freundlichen Aufforderung zu kommen und dem Moment, in dem die Arzthelferin bei unserem bloßen Anblick die Augenbraue hochzieht, passiert? Ernsthaft, ich habe keine Ahnung.

Aber es ging ja wirklich lustig weiter. Die Ärztin kam, untersuchte und… meckerte. „Kind anziehen, hey, ich bin noch nicht fertig, wieder ausziehen! Das Baby hat aber schmutzige Augen (Ihr erinnert Euch: Diagnose MATSCHAUGE) und was hat er denn da auf dem Body? Aha, auch dreckig, aha. Wann genau hat das denn angefangen? Also ganz genau? Aha. Und warum kommen Sie erst heute? Und wann hat das angefangen? Oh, das Kind hat aber auch schmutzige Ohren. Und eine Mittelohrentzündung hat es außerdem. Naja. Jetzt aber bitte mal wieder anziehen, das Baby.“ Ich war ein bisschen sprachlos und auch ein bisschen geknickt. Mit einer Mittelohrentzündung hatte ich nun nicht gerechnet. Und warum ich auf so sonderbare und nachdrückliche Art befragt wurde, habe ich einfach nicht geschnallt. Nach und nach wurde ich zunehmend patzig, weil ich schlicht und einfach nicht begriffen habe, was die gute Frau nur von mir will.

Hä?

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Auch eine Art, die Füße sauber zu bekommen

Besonders H

hilfreich fand ich, dass sie mir dann auch missbilligend noch vom Windelausschlag des Kindes berichtete und offensichtlich erwartete, Überraschung in meinem Gesicht zu sehen. Ja. Nö. Weiß ich eh. Habe ich auch eine Absprache mit „unserem“ Kinderarzt zu. Und die hätte ich ihr schon auch ganz gerne erzählt, sattdessen aber erzählte sie mir wiederum wann ich was aufs Kind zu schmieren habe und dass sie mir da jetzt mal „was aufschreiben lässt“, um dem „Herr zu werden“. Ich vermute mal, die Kinderpo-Details kann ich Euch ersparen. Und eins kann sich ja auch auf den Standpunkt stellen: Besser eine Creme zu viel als zu wenig. Dachte ich mir zumindest still, während Madame Ist-nicht-unsere-Kinderärztin-sondern-nur-näher-dran-als-der-eigentliche-Kinderarzt-und-bei-letzerem-war-ständig-belegt-und-ich-war-eben-in-Sorge die Bestandsaufnahme fortsetze: „Hamse noch Paracetamol?“ Hatte ich nicht, denn ich hatte bereits wortreich erklärt, dass das Baby die letzten zwei Stück gestern und heute morgen bekommen hatte. „Dann sind Sie also nur hier, weil die Paracetamol leer sind?“

Ich bin ein bisschen gesichtlich entgleist, vermute ich. Und machte auch deutlich „Janee, weil ich ein krankes und ein vermutlich angestecktes Kind zu Hause hatte. Dachte, Arztbesuch wäre da sinnvoll. Tadaa, hier bin ich.“ Fand sie nicht witzig und wollte wissen, warum ich nicht schon gestern…? Ich habs geduldig wiederholt. Habe meinen Großsohn vorgeführt, um die Prozedur abzukürzen. Hinweis mit erhobener Augenbraue: „Das Kind hat aber trockene Haut. Wissen Sie das?“ Herrschaftszeiten! Mir ist echt alles im Hals stecken geblieben. Und ich habs nicht verstanden. „Auch Bindehautentzündung, das passt ja.“ Ja, das passt. Denn mit dem Verdacht bin ich in die Praxis gekommen. Dann Inquisition des Mittelkindes, noch ohne Symptome: Was hat es da am Auge? Wissen Sie das? Weiss der Kinder-?“ JA! “ Und der Augen-?“ JA!!! „Und was sagt der Augenarzt?“

What se facko????

Das hat er natürlich nicht gesagt und ich auch nicht. Ich habe mühsam atmend erklärt, was ich mit dem Augen- und dem Kinderarzt absprach. Vor mehr als vier Wochen schon. Ich bekam ein zweifelndes Nicken, drei Rezepte, und irritierte Blicke, als ich den Abschied per Handschlag verweigerte. Warum? Weil ich, die ich ja keine Ahnung von meinen Kindern und Ihren Leiden habe, halt dem Böhnchen die Augen (Bindehautentzündung!) mit der Hand sauber gewischt hatte, damit Frau Doktor auch was sieht und kein Mensch mir ein Tuch zum Abwischen angeboten hat. Der Hinweis auf die Ansteckungsgefahr, den ich mir zuvor drölf mal anhören musste („Da ist die nächsten Tage nix mit Spielgruppe und so.“) habe ich wiederholt. Wurde wohl nicht verstanden. Bindehautentzündung wird vielleicht nur über Augen und Kinder übertragen und nicht über Frau Doktor. Was weiß denn ich. Die dachte halt offensichtlich einfach, ich bin nicht ganz dicht.

Ihr Lieben, der Rant wird lang. Deswegen mache ich mal ne Pause, atme durch und schreibe nächste Woche weiter. Ja? Ja.

Ach und ich küsse die Kinder, versteht sich von selbst, ne?!

Eure julia

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4 Kommentare

  1. Boaaah. Und noch mehr. Boaaaaaah.
    Keine Ahnung, was ich in so einer Situation gemacht hätte. Am liebsten würde man ja aufstehen und gehen, wenn man nicht etwas bräuchte in dem Moment. Aber mit der Bindehaut ist halt nicht zu spaßen.
    Ich bewundere deine starken Nerven.
    Liebe Grüße,
    Franziska

  2. Orrrrrrrr…. ich habe das gar nicht mitbekommen. Bin ja nicht mehr bei Twitter. Vielleicht doch ein Grund wieder zu kommen?! Man wird sehen.

    Aber jetzt wieder zu dieser Frau: ALTER!!!
    Ich habe das auch schon so oft erlebt: da denkt man, man erleichtert sich etwas und es wird umso schlimmer. Ich gehe nicht mehr zu Ärzten , die ich nicht kenne. Aus guten Gründen.

    Jetzt lese ich gleich mal Teil 2. Muss wahrscheinlich dann gleich noch mal kommentieren 😉 …

    Und Kinder dürfen selbstverständlich dreckig sein. Es zeugt davon, dass sie draußen spielen, anstatt vor dem Fernseher geparkt werden <3

    Liebe Grüße
    Andrea

    1. Ach, Du. Aber genau so ist das. Da werde ich in Zukunft lieber in die Innenstadt radeln, auch wenn es unbequem ist oder mal länger dauert. Denn das hat sich bewährt. „unser“ Arzt hat die ganze Sache nämlich nochmal vorgeführt bekommen, weil die Bindehautentzündung nach anderthalb Wochen zurück war. Trotz Antibiotikum. Statt aber einzelne Symptome zu behandeln, hat er mir die Ursache des ganzen Dramas erklärt und wie das Eine zum Anderen führt. Ein einziges Medikament statt dreier und -Zauberei- dem Kind gehts besser. Also… was soll ich da noch sagen?!

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