Der Kita-(K)Eingewöhnungs Blues I

Der Kita-(K)Eingewöhnungs Blues I

Ihr Lieben, die letzten Wochen war meine virtuelle Umgebung voll von Eltern, die ihr Kind eingewöhnt haben. In die Schule, in die Kita, in den Kindergarten. Mit Tränen. Ohne Tränen. Und vor allem: Alle in dem Wunsch, das Kind möge eine schöne Zeit haben. Wo auch immer es Zeit ohne die engsten Bezugspersonen verbringt, möge es sich dennoch geborgen und frei zugleich fühlen. Gar nicht so einfach. Ehrlich.

Unsere Situation ist ja mal wieder eine ziemlich privilegierte. Denn zwar musste die beste Tagespflege der Welt ihre Tore schließen und mein komplettes Konzept für die Betreuung meiner drei Kinder damit über den Haufen werfen. Dennoch hat sich aber ein Lichtstreif am Horizont gezeigt. Kurzfristige Kita-Plätze gibt es bei uns schon. Aber halt zum Teil (!) in Einrichtungen, in denen ich nicht mal meine tote Oma gut aufgehoben sähe. Da hatte ich dann einfach mal wieder unverschämtes Glück und habe einen vollen Platz fürs Großkind und einen Spielgruppen Platz fürs Mittelkind in einer wirklich tollen Umgebung gefunden. Einfach so. Weit nach der offiziellen Bewerbungszeit.

Bäääm.

Der Kita-(K)Eingewöhnungs Blues I
Bild mit Seltenheitswert: Der Wikingergatte. In sehr sehr mini. <3

Hab ich erwähnt, dass mein Mann schon in diesen Kindergarten ging? Die heutige Leiterin des Kindergartens hat schon damals dort gearbeitet und konnte sich tatsächlich auch noch an den Wikingergatten erinnern. Krass, oder? Unser Fußweg zum Kindergarten sind etwa zehn Minuten und obschon die Kinder nicht mehr den ganzen Tag draußen sein können- der

Garten in dieser Betreuung ist eines Kinder-Gartens wirklich würdig.

Da fragt Ihr  Euch jetzt mit Recht, wie ich auf Eingewöhnungs-Blues komme, nech? Wie ich unverschämter Glückspilz es überhaupt wage, zuzugeben, dass ich trotz so viel Fügung immer noch ein Grummeln im Bauch hatte, als der Tag der Tage näher rückte? Tjanun. Sagen wir so: Perfekt ist es ja nirgends. Eigentlich muss es  per Definitionem schon Punkte geben, in denen eins nicht mit dem Kindergarten übereinstimmt, denn sonst wäre eins ja selbst der Kindergarten. Also… irgendwas ist immer. Und: So großartig die Ausgangssituation ist- wie die Kinder das finden, steht auf einem völlig anderen Blatt.

Welchem?

Der Kita-(K)Eingewöhnungs Blues I
Waren in der besten Tagespflege der Welt immer mit dabei: Hund und Pony.

Das Großkind zum Beispiel kommt aus einer Betreuungssituation, die zu 95% im Freien statt fand. Es ist ein Wildfang, dieses Kind, ein kuschliger, tapsiger Herbstwirbelwind. Und auch nach sechs Stunden Draußen war dieses Kind oft noch nicht ausgelastet. Da war ich schon im Zweifel, wie jemals überhaupt etwas anderes möglich sein würde, als die beste Tagespflege der Welt. Zu allem Überfluss habe ich, zugegeben etwas drastisch ausgedrückt, ein kleines Eingewöhnungstrauma mit dem Großkind. Die erste  (und nicht die beste Tagespflege der Welt, obwohl auch die ganz wunderbar war) Tagespflege hat das Kind mit einem guten Jahr besucht. Die Menschen dort waren lieb und liebevoll. Aber mein Kind war gerade eins und nicht glücklich. Binnen kürzester Zeit musste sich das Knirpskind damals zurecht finden und hatte schlicht und einfach keine Wahl.

Wir haben beide viel geweint in dieser Zeit und auf keinem der Fotos des ersten halben Jahres sieht das Kind wirklich glücklich aus. Da hilft es mir nicht, mich zu erinnern, wie ich so oft als nur möglich früher von der Arbeit kam. Es nutzt auch nichts, sich immer und immer wieder zu sagen, dass es in dieser Situation eben nicht anders ging. Das war einfach ganz ganz großer Murks und ich wünsche mir von Herzen, dass ich soetwas nienienie wieder mit ansehen muss. Ich möchte kein weinendes Kind zurücklassen. Ich möchte kein weinendes Kind abholen. Ich möchte, dass mein Kind ein bisschen das Gefühl hat, einfach ein paar Stunden des  Tages in seiner „anderen Familie“ zuzubringen.

Tschüss

Der Kita-(K)Eingewöhnungs Blues I
Ab durch die Mitte- Symbolbild.

Um es kurz zu machen: Beim Großkind war ich exakt zwei Stunden in der Eingewöhnungsphase. Danach habe ich mich und die kleineren Krümel aus dem Verkehr gezogen. Seitdem geht das Großkind gerne Tag für Tag alleine in seine Sternengruppe. Es hat dort auch schon seinen Geburtstag gefeiert und ich bin gelinde gesagt überrascht, wie ruhig und entspannt dieses Kind trotz deutlich weniger Bewegung ist. Logisch, nach zwei Wochen ist noch alles offen und die Eingewöhnung kostet Kinder viel Kraft, das macht auch müde. Aber die Tendenz ist für mich großartig. Trotz aller Zweifel und Unsicherheiten, scheint das Kind angekommen. Denn die Zweifel waren ja meine und nicht seine.

Funfact: Alle Erzieherinnen der Kinder (insgesamt drei) haben uns vor dem Kindergartenstart zu Hause besucht. Ich war gelinde gesagt entsetzt und nicht eben entspannt. Ich war kurz vor dem Meltdown, um genau zu sein. Aber irgendwie waren die total nett, die Besuche entspannt und die Erklärung gar nicht so an den Haaren herbei gezogen: Kinder, die ihre neuen Bezugspersonen bei sich zu Hause kennen lernen durften, haben in der neuen Kindergartensituation in diesen Personen einen Anker. Durch den Besuch zu Hause wird den Kindern vermittelt, dass die Eltern den Erzieher*innen vertrauen. Dass die schon okay sind. Und so einen Menschen braucht das Kind gerade in der Eingewöhnungszeit dringend.

Okay, oder?!

Der Kita-(K)Eingewöhnungs Blues I
Während-der-Eingewöhnung-Warte-Strauß

Püh, die Einrichtung werden die Damen natürlich trotzdem mit einem Seitenblick gecheckt haben. Und die eine Erzieherin hat mich beinahe ohnmächtig werden lassen mit der Frage: „Ach, habe Sie es also geschafft, sich mit Putzen keinen Stress zu machen?“ (Großes Gelächter einfügen) . Aber der Grundgedanke- der ist nett. Und offensichtlich nicht ganz verkehrt. Dafür lohnt sich der Putzmarathon rückbilckend. Auch wenn ich den Stress kein zweites Mal machen würde, denn er ist unnötig und offensichtlich auch wirkungslos.  Ergo: für Kind 1 scheint dieses Einegwöhnungs-Ding zu laufen, oder? Wir machen es uns aber auch nicht unnötig schwer: Solange ich noch zu Hause bin und das Mittelkind in die Spielgruppe nebenan geht, muss das Großkind nicht sehr lange im Kindergarten sein. Die Zeit im Kindergarten wird dem Kind so kostbar und nicht lang- hoffe ich zumindest. Und bisher bin ich guter Dinge, dass das klappen könnte.

Der Kindergarten im Jahr vor der Schule ist monetär gesehen ein Luxus, den wir uns leisten, obwohl ich noch nicht arbeite. Entsprechend sind auch meine Ansprüche: Ich möchte, dass die Zeit im Kindergarten für die Krümel ein Gewinn ist. Das ist nicht einfach zu leisten, wie ich finde, und umso glücklicher macht mich, dass es zu laufen scheint. Obwohl die wirklich harte Nuss ja erst noch eingewöhnt wird: Das Mittelkind.

Darüber erzähle ich aber nicht dieses Mal, sonst wird das hier ein Roman. Stattdessen mache ich mich an meine zweite Butterkeks-Eingewöhnungs-Woche und berichte Euch danach wie es läuft. Nicht, dass ich zu vorschnell in Jubel ausbreche, nech?!

Egal wo sie sind und egal, wo sie betreut werden: Küsst die Kinder. Reichlich.

Eure Julia

 

 

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