Aller guten Dinge…

Aller guten Dinge...

Tjanun, bevor sie vorbei ist, diese Schwangerschaft und bevor sie unter Meckern und Motzen endet, muss ich auch Mal was Nettes dazu sagen. Macht man ja eh viel zu selten: Nette und gute Dinge auch ausführlich erwähnten… Darum also jetzt: Ich bin echt ein Hartei. Ein schwangeres Hartei mit zwei Kindern und bald einem dritten.

Wie, Ihr kennt „Hartei“ nicht? Okay, ich gebe zu, im Duden werdet Ihr das vll nicht finden. Aber gäbe es denn Eintrag, dann stünde da sowas wie:

Hart|ei, das; Gegenteil von „Weichei“, positiv. Beispiel: Mensch, der bereits zwei Kinder hat und mit dem dritten schwanger ist, ohne ununterbrochen darüber zu jammern. Und selbst wenn er jammert, ist er immer noch ein Hartei, denn er hat schon zwei Kinder. Zwei! Und er lebt noch! Und die Kinder auch! Und es macht gar nichts, wenn einer von ihnen ein bisschen schmuddelig aussieht oder der Mensch noch seinen Schlafanzug anhat. Oder beim Einkaufen Hausschuhe. Schließlich sind sie einkaufen!

 

Okay, so ausführlich ist der Duden nicht immer. Aber in dem Fall lohnt es sich. Schließlich sprechen wir hier von mir und vielen vielen anderen Menschen mit Kind auf diesem Planeten! Wie ich ausgerechnet jetzt darauf komme? Naja. Bewegen geht bei fortschreitender Schwangerschaft immer schlechter. Aber Denken geht noch ganz gut. Und erinnern.

Und ich erinnere mich…

Aller guten Dinge...
Kopf in den… äh- ins…?

…fast ein bisschen wehmütig an die zweite Schangerschaft. Obwohl die gar nicht „schön“ im klassischen Sinne war. Sondern geprägt von ziemlich vielen Selbstzweifeln und Angst. Zweifeln, ob ich das überhaupt schaffe, so ein zweites Kind, wo ich das erste doch kaum gebändigt bekomme. Angst, ob die Geburt wirklich jedes Mal so ein Desaster sein muss. Ob das wirklich so gehört. Oder ich am Ende einfach zu blöd zum Kinderkriegen bin. Unentwegt hatte ich das Gefühl nicht genug zu sein, nicht genug zu tun, nicht genug zu leisten. Und ich habe wirklich eine Menge geweint.

Weil ich aber ja ein Hartei bin, habe ich die Zeit irgendwie geschafft und das Ergebnis ist ein wunderbarer Butterkeks und die Erkenntnis, dass Geburt eine Sauarbeit ist, aber eine, die auch ich bewältigen kann. Tschakka! Und irgendwie wurden aus den Zweifeln, ob ich zwei Kinder überhaupt kann, Wünsche, dass ich drei davon gerne auch versuchen würde. Abgesehen davon also, dass am Ende doch irgendwie alles gut wurde- warum also die wehmütige Erinnerung an diese Schwangerschaft?

Ehrlich?

Ich wurde im achten Monat arbeitslos. Aber die Kinderbetreuung für den Großwikinger konnten wir zum großen Glück beibehalten. Die hat ihm und mir so oft den A*** gerettet! So war das Kind an drei bis vier Tagen die Woche ausgelastet, ohne, dass ich ein einziges Mal im Wald gewesen wäre. Es genügte, ihn abzuholen und vielleicht noch ein paar Stündchen auf dem Spielplatz zu sitzen. Oder einkaufen zu gehen. Dann waren wir beide durch. Morgens hat der Herr Wikingergatte das Kind in die Tagespflege gebracht und mich dann mit dem Auto wieder nach Hause. Und jetzt kommts: Ich habe dort Haushalt gemacht. Und dann? Konnte. Ich. Manchmal. Schlafen.Bis. Das. Kind. Abgeholt.Werden. Musste.

Ihr habt richtig gelesen. Ich konnte vormittags schlafen, um den Nachmittag zu schaffen! Wie geil war das denn?! Ooookay, ehrlich: Es war auch gar nicht anders möglich. Aber dennoch. Ich hatte Zeit. Ich hatte Schlaf. Und ich habe nicht die gesamte erste Hälfte meiner Schwangerschaft auch noch mit dem Stillen gerungen. Ein bisschen fair sollte ich bleiben, denn damals war ich ein Hartei anderer Sorte: Ich war schließlich berufstätig. Wohl „nur“ bis zum achten Monat und wohl „nur“ Teilzeit. Aber das war exakt so viel, wie ich mit ganz viel Kraft, Mut und Hilfe schaffen konnte und keinen Deut weniger.

Und heute?

Aller guten Dinge...
Hartei-Action

Heute ist da nicht mehr viel mit Vormittagsschläfchen. Zwar ist der Großkeks nach wie vor drei bis vier Tage betreut, wenn nicht gerade wieder irgendwelche Läuse auf irgendwelchen Köpfen krabbeln. Aber jetzt haben wir ja den großartigen Butterkeks. Und der ist zwar über die Maßen pflegeleicht und lieb, aber egal wie man es dreht: Mittagsschlaf macht er keinen mehr und in die Kühltruhe packe ich meine Kinder alle so ungern. Deswegen sind die täglichen Pausen ganz anders. Und auch ohne Arbeit ist mein Tag immer und immer wieder voll. Voll anstrengend zum Beispiel. Aber wir schaffen sie fast alle, unsere Tage und deswegen muss ich mich mitsamt Kindern und Mann mal wirklich loben.

Gut machen wir das. Wir sind lauter Harteier. Und ab und zu darf man da auch mal mutlos sein- Hartei bedeutet ja nicht, dass man nur so tut, als würde man es schaffen. Sondern dass man es zusammen schafft. Auch wenn es furchtbar anstrengend erscheint und man manchmal gar nicht mehr weiß wohin, vor Erschöpfung. Wenn der Butterkeks zum Beispiel wegrennt. Da stehe ich dann. Beziehungsweise wackle hinterher. Sehe gefährliche Straßen und Situationen und kann dennoch nicht schneller. Aber der Butterkeks, der gibt Gas. Manchmal möchte ich mich dann auf den Boden fallen lassen und weinen. Weil das aber nicht sonderlich zielführend ist, wackle ich weiter, bitte den Großkeks und notfalls fremde Leute um Hilfe. Denn:

Wat mutt, dat mutt.

Und dann? Dann bin ich ein bisschen stolz auf uns Harteier und küsse jedes einzelne davon. Ganz fest. Das kleinste Hartei eben gedanklich und den Harteierkerl, sobald er nach Hause kommt.

Macht das auch, egal was für ein Ei. Knutschen hilft nämlich immer!

Eure Julia

 

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1 Kommentar

  1. Danke dir, für diesen ehrlichen Bericht! Es ist schon Wahnsinn, wie wir Mütter mit unseren Herausforderungen wachsen können, oder? Und es ist so wichtig immer wieder inne zu halten, sich einzugestehen, dass man es gerade nicht einfach hat und sich auf die Schulter zu klopfen dafür, dass es dennoch irgendwie geht. Ich wünsche dir viel Kraft für dein nächstes Level der Herausforderungen – auch dies wird euch gelingen. Alles Gute!

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