Alle Jahre wieder…

Alle Jahre wieder...

Im Ernst, es ist jedes verflixte Jahr dasselbe: Menschen machen in Erwartung eines neuen Datums auf dem Briefkopf hochtrabende oder völlig legitime Pläne und hoffen (zu Recht oder Unrecht, wer kann das schon sagen?!) auf hochmotivierte Umsetzung. Ich stehe daneben, finde die Idee eher mäßig sinnvoll und hoffe, keiner*m fällt auf, dass ich als Einzige keine Joggingschuhe für den Schrank kaufe. Was ich stattdessen mache? Tjanun…

Ich hänge Jahr für Jahr in einer gedanklichen Schleife fest. Erst finde ich das meistens eher betrüblich, aber seit ich Kinder habe, kann ich der Sache viel Gutes abgewinnen. Denn es gibt Dinge, die passieren einfach in jedem Jahr. Egal, welches. Die lassen sich von guten Vorsätzen nicht aus der Ruhe bringen und sowohl die Problematischen als auch die Schönen geben mir ein bisschen die Sicherheit: Bei aller Selbstoptimierung und aller Verbesserung gibt es immer noch Dinge zwischen schmuddeliger Sofakante und spinnverwebter Schrankecke, die haste einfach nicht im Griff, Mädel.

Fatalismus?

Nur sehr bedingt. Aber ein paar Dinge sind eben, wie sie sind.

Alle Jahre wieder...
Tjanun. Hilft auch bei wiederkehrenden Schwieigkeiten. Aber eher im Hackfleischbereich…
  • Der nächste kindliche Wutanfall wird kommen. Mit Vorsatz oder ohne. Und dabei ist völlig irrelevant, ob Ihr vorher joggen wart oder nicht. Unsere Kinder sind manchmal sauer. Hin und wieder auch auf uns. Dabei gibt es Fälle, in denen sie völlig Recht haben. Und solche, bei denen sich mir nie erschließen wird, was genau hier Sache war. Aber das beste Elter der Welt kommt nicht um sie herum und wenn ich dann in der ellenlangen Postschlange stehe und mein wutschnaubendes Kind versuche zu besänftigen, dann bin ich darüber froh. dass ich nicht di*er einzige Vollpfosten bin, der*m sowas passiert.
  • Der nächste Mount Washmore wird über mir zusammen brechen. In genau dem Augenblick, in dem ich nicht aufpasse. das passiert mir quasi monatlich und kein guter Vorsatz und kein Putzplan der Welt hat das bisher aufhalten können. Nicht zuletzt, weil eine PutzHILFE kein Thema ist, habe ich beschlossen, das Auf und Ab des Wäscheberges wie Ebbe und Flut zu behandeln: Mit Gleichmut und Gummistiefeln ohne Socken. Und wenn ich anderswo durch Zufall in den Waschkeller komme und einen verwandten Washmore entdecke, lächle ich wissend und schließe die Tür- wie bei mir zu Hause auch.
  • Auf Regen folgt Sonnenschein. In allen denkbaren Interpretationen und auch andersrum. Manchmal finde ich das unzumutbar, an anderen Tage gibt es mir Mut. Alles fließt, manchmal die Scheiße bergauf und manchmal Tränen des Glücks, aber so isses halt. In schönen Momenten fällt es wir unglaublich schwer, den Moment wieder gehen zu lassen, aber in miesen Zeiten bin ich arg froh, dass die Würfel immer wieder rollen. Und rollen. Und rollen. So bleibt Raum für Experimente und langweilig wird es auch nicht. Bei allem Mist, der einer*m so passieren kann, rockt das Prinzip doch, oder?
Alle Jahre wieder...
Stille Wasser sind: Nass.
  • Ähnlich aber eine Kategorie für sich: Irgendwas ist immer. Oder irgendwer. Es gibt immer was zu meckern, das Glück ist nie perfekt und falls das doch drohen sollte, dann taucht mit Sicherheit eine Person auf, die irgendwas ganz unglaublich störend findet und alles wird neu gemischt. Also sagen wir es, wie es ist: Machen wir uns über Kleckerkram keine Sorgen, weil die hundert Prozent (wovon auch immer AUßER Liebe!) sind recht utopisch. Mir hilft das auch, Miesepeter und -petras gelasssen meckern zu lassen und mich nicht über mein mir eigenes (leider ziemlich hohes) Maß hinaus zu ärgern. Also manchmal. Manchmal raste ich auch völlig aus, aber das ist der nächste Punkt.
  • Denn nicht mal ich selbst könnte vorher sagen, was mich in diesem oder jenen Jahr zum Ausflippen bringt. Mal nehme ich die Dinge, wie sie kommen. Dann bin ich wieder eine Art HB-Weibchen in allen toxischen Lesarten. Mal tragen meine Bemühungen, mich zu bessern, Früchte. Dann ist wieder alles für den Eimer. Ein und dieselbe Situation bringt mich an nur einem Tag einmal zum Lachen und einmal zu Weinen. Ich bin mein eigenes kleines Mysterium. Quasi die Sphinx des Nordens. Da hilft kein Glaskugelraten und kein Kurvenberechnen. Ich bin sonderbar und wunderbar und mir selbst ein Rätsel. Seit 32 Jahren schon!
  • Jetzt aber nochmal zu den Kindern. Denn direkt am ersten dieses Jahres traf uns die Erkenntnis wieder: Das nächste Kind wird stürzen. Und -schwupps- sitzen wir im schlimmsten Fall in der Notaufnahme oder kühlen im besten die kolossalen Beulen zu Hause. Aber ohne Beulen und Kratzer wird bei uns leider keine*r groß. Es scheint, zwar, als hätte ich drei besonders wilde (oder tollpatschige?!) Exemplare erwischt, aber bei meiner eigenen blaue-Flecken-Rate wundert mich das kaum. Deswegen mache ich mir inzwischen auch nicht jedes mal mehr Vorwürfe, warum ich nur die einzige Mutter auf diesem Planeten bin, der die Kinder von abenteuerlichen Türmen und wilden Bäumen purzeln. Selbst wenn es so ist, dass ich die Einzige bin: That`s the way of the Vikings. Seht mich Schulterzucken und die Augen verdrehen.
Alle Jahre wieder...
Mrs. Raptor versus Mrs. Pflanzenfresser. Kennt Ihr, oder?!
  • Last but not least und nur, weil die Liste sonst zu lange würde an dieser Stelle schon: Haters gonna Hate. Egal, wie viel Mühe ich mir gebe. Egal, wie groß meine Fortschritte worin auch immer sind. Ich habe dankenswerter Weise wirklich IMMER irgendwen, di*er findet,dass das trotzdem scheiße ist. In Kürze berichte ich Euch mal von einer meiner hartnäckigsten Scheiße-Finderinnnen. Aber auch wenn ich mich jedes Mal darüber aufrege und mein Blutdruck durch die Decke schießt: Diese Menschen wird es immer geben. Jedes Jahr. Zu jedem Thema mindestens eine*n. Und sie halten es mit Wir Sind Helden: „Ist dieser Fleck erst in der Hose, ist er nicht mehr auszureiben- entschuldigung, wir sind gekommen, um zu bleiben.“

Was bleibt?

Lass Euch also nicht ärgern, Ihr Lieben, genießt die schönen Momente, die wiederkehren und gedenkt der Regelmäßigkeit mit der die miesen auftauchen UND VERSCHWINDEN. Nicht jedes Jahr muss alles neu sein. Aber wer findet, das neue Jahr ist ein guter Start für wasauchimmer, dem wünsche ich alle Motivation die dazu nötig ist. Denn gar nicht erst anzufangen, ist der einzige Fehler, den eins in Bezug auf neue Ufer machen kann, oder?!

Egal, in welchem Jahr, egal, wie alt die sind: Küsst die Kinder, wenn sie es zulassen und genießt es.

Eure Julia



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