Adieu Welt

Adieu Welt

In einer fiesen Minute hat ein Mensch einst zu mir gesagt: „Die echte Welt besteht halt nicht nur aus Honig und Kindermachen, Julia!“ Für die letzten drei Jahre kann ich mit Fug und Recht behaupten: Doch! Meine schon. Und so anstrengend das ist, so schön war es auch. Aber Dinge ändern sich und Eltern beenden ihre Elternzeit und kehren in ihre Erwerbsarbeit zurück. So da denn schon eine ist. Things change!

Ihr ahnt es schon: Ich bin auf Jobsuche. Nicht direkt, weil ich Bienen und Kinder jetzt durchgespielt hätte und schnurzlangweilig fände. Auch nicht, weil ich bereits eine Stelle habe und händeringend zurückerwartet werde. Naja, dass ich nicht plane reich zu werden, dürfte inzwischen auch klar sein. ABER: Ich suche. Denn der Zeitpunkt, der mich finanziell ganz deutlich Richtung Erwerbsarbeit schiebt, rückt unerbittlich näher. Spürt Ihr meinen Enthusiasmus?

Hell Yeah!

Adieu Welt
Sind noch nicht langweilig, ganz im Gegenteil!

Nur: Finden muss ich diese Stelle jetzt noch. Mich gut genug verkaufen. Mich durchsetzen. Hart genug verhandeln. Vorurteile aus dem Weg räumen. Vielleicht umziehen. Alle Kinder in eine entsprechende Betreuungseinrichtung geben. Die auch bezahlen können. Einen Vertrag unterschreiben. Was sag ich, gefühlt hunderte (Kita!), TAUSENDE (Miete, Auto, Schule, Hort!)!!!!!!!!!!

Wir wollen aber fair bleiben: Ich hätte große Lust auf eine ausfüllende Stelle außerhalb meiner Familie. Ich habe zwar deutlich zu wenige Zertifikate und Zeugnisse für das, was ich gut kann, aber ich könnte für das eine oder andere Unternehmen eine echte Bereicherung sein. Überhaupt bin ich jemensch, die sich immer und bei allem echt Mühe gibt. Sogar beim Mühe geben- da wird doch was zu finden sein! Und einige der Richtungen, in die ich mich wünsche, hätten einen Doppel-Effekt: Es wäre mir geholfen UND dabei würde ich zusätzlich anderen helfen. Holla die Waldfee!

Kann ja nicht so schwer sein, oder?! Haben viele vor mir geschafft, müsste ich auch schaffen können. Und ehrlich: Ich habe an dieser Stelle noch keine Lust, mich über die Unmöglichkeit von Vereinbarkeit von Kindern und Beruf zu ärgern. So weit bin ich noch nicht. Denn wie Ihr an meinem unbändigen Tatendrang (hört Ihr das Sofa im Hintergrund rufen?) hört, bin ich noch nicht ganz so weit. Ich bin noch ganz woanders.

Wo?

Adieu Welt
Wohin des Wegs? Öhm. Wissenwa noch nicht. Erstmal losgehen, denke ich.

Da, wo ich Abschied nehmen und Trauerarbeit leisten muss. Abschied vom Alltag der letzten drei Jahre. Und das ohne Groll oder Vorwürfe. Aber dem Einsehen, dass Änderung bevorsteht, folgt eben manchmal die Trauer um das, was war. Das bedeutet nicht, dass ich nicht arbeiten will. Es bedeutet auch erstmal nicht, dass ich unglücklich bin. Es ist nur eben ein großer Schritt. Einer, der quasi die Hälfte meines Lebens einnehmen wird.

Weil ich aber liebe, was ich gerade tue (Kinder beim Großwerden begleiten) bin ich einfach traurig, dass dieser Abschnitt meines Lebens sich verändern wird. Ich weine, weil ich keine Ahnung habe, wie ich eine Erwerbsarbeit in unseren Alltag integrieren soll, ohne dass es Qualitätseinbußen an anderer Stelle gibt. Und ich weine, weil ich weiß, dass es diese Einbußen eben doch massiv geben wird, das gehört dazu. Ich wälze Möglichkeiten und Optionen hin und her. Und weine am Ende des Tages, weil alles noch zu offen und unentschieden ist. Noch hat sich nichts verändert, aber ich ändere mich.

Ich leiste Trauerarbeit

Bevor ich also Erwerbsarbeit leiste, traure ich erstmal ordentlich. Um das, was war, was ist, was sein wird. Und Ihr könnt schon fies sein und lachen, aber vielleicht seid Ihr auch schonmal nach langer Pause zurück ins Berufsleben und wisst, wovon ich spreche. Zu diesem Schritt braucht eins Motivation, Mut, Lust auf Neues. Aber auch Trauer, Wut und Abschied gehören dazu. Und ich bin eben noch nicht so recht in der Motivationsphase.

Obschon ich weiß: Alles wird gut werden. Weiß ich auch: Es wird seinen Preis haben. Die Kinder werden den genauso bezahlen wie wir Erwachsene und ich wünschte manchmal einfach, ich könnte diesen Teil unseres Lebens streichen. Ich will nicht, dass die Kinder betreut werden MÜSSEN. Und ich will nicht arbeiten MÜSSEN. Aber ich will arbeiten. Und auf heute-hab-ich-mal-Bock-Basis findet eins noch schwerer was, als auf Teilzeit-Basis, nech?!

Was also tun?

Adieu Welt
Kuschelig ist das, auf bekannten Pfaden.

Naja. was eins eben so tut, wenn es ums Abschiednehmen geht: In aller erster Linie drücke ich mich mal vor dem Gedanken des Abschieds. Dann beißt derselbe weggeschobene Gedanke mich in den Hintern (das wäre dann die Phase jetzt so) und ich beschwere mich bitterlich darüber (auch eher so jetzt). Aber DANN zeige ich der Veränderung Finger, die ein guterzogenes Menschlein nicht zeigen sollte (oder doch?!) und finde eine Lösung.

Und das beginnt damit, dass ich mir eingestehe, dass ich unseren Alltag vermissen werde. Aber nur so lange, bis wir einen neuen Alltag haben. Denn an dem werde ich so lange schrauben und drehen, bis auch auch den liebe. Und meine Kinder auch. Mein Kerl sowieso. Der zweite Schritt ist, übergangsweise Hilfe anzunehmen. Das kann ich nicht besonders gut, aber diese Hilfe gibt mir eine Mobilität, die alle weiteren Schritte wieder einfacher macht.

Also: Alles auf START!

Auf zu neuen Ufern!

Das klingt doch, als wolle es ganz bestimmt und ohne Vertun weiter bergauf gehen, dieses Leben, oder? Ganz steil, mit neuen Herausforderungen für uns alle. Dieses Jahr wird mein erstgeborenes Kind zur Schule kommen- und es wird um des Kindes Willen ein Fest! Mein Mittelkind wird von „ein bisschen Betreuung“ zu „Betreuung“ wachsen und die Speckbohne wird ebenfalls an der Aufgabe knobeln, einen neuen Menschen tagtäglich in ihr Leben zu lassen.

Wir werden alle quasi ein neues Leben bekommen und wir werden Stühle rücken. Nur dass diesmal die Aufgaben Zuwachs bekommen und nicht wir. Wir werden neue Orte suchen, alte Gewohnheiten pflegen und liebgewonnenen Menschen zuwinken, obwohl wir unfassbar beschäftigt sind. Times are changing und wir hoppeln knapp hinterher, immer nur so knapp, dass wir den Anschluss nicht verlieren. Hossa, auf zu neuen Taten!

Adieu, altes Leben.

Adieu, Welt. Eins wird aber immer bleiben (und das rate ich Euch uneingeschränkt zu kopieren!): Ich küsse die Kinder. In manchen langen schlaflosen Nächten besonders oft. Und die Lösungen werden zu uns kommen. Oder wir holen sie uns. Kinder küssen und Lösungen finden. Der Plan für die nächsten Monate. Und wie sieht das bei Euch aus?

Eure Julia

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.