(1) Ferdifluff der Mopsdrache

Ferdifluff gelesen von Zesyra

 

Es war einmal, in einem ganz anderen Land, zu einer ganz anderen Zeit. Was da war? Ja, also, Ferdifluff natürlich. Ferdifluff der Mopsdrache. MOPSDRACHE, ja. Hört Ihr schlecht? Oh, Ihr wisst nicht, was ein Mopsdrache ist? Auwei. Nagut. Ich erzähle es Euch:

Keine Zeit zu lesen? Schlechtes Licht? Zesyra von @nooborn liest Dir vor!

 

In diesem anderen Land zu einer völlig anderen Zeit gab es eine Menge Drachen ganz unterschiedlicher Natur. Es gab die kräftigen und gefährlichen Kampfdrachen mit ihren Stahlschuppen und dem feurig heißen Atem. Es gab die Feendrachen mit ihrem schillernden Kleid und den hauchfeinen Flügeln, die im Flug eine wunderbare Melodie zu singen schienen. Es gab die zwar etwas plumpen aber riesenhaften Arbeitsdrachen, deren Kraft alles überstieg, was Du Dir vorstellen kannst. Es gab winzige Spähdrachen, emsige Ordnungsdrachen, gemütliche Kochdrachen und viele viele mehr. Und es gab den Mopsdrachen. Der Mopsdrache war dicklich mit kurzen Beinen und von kompaktem Wuchs. Seine Schuppen waren ob seiner rundlichen Leibesfülle etwas abgespreizt, sodass es immer ein wenig aussah, als plustere er sich auf wie ein Hahn. Allerdings war er kaum größer als ein Hahn, sodass man sich unweigerlich bei seinem Anblickt fragte, warum er sich so plustern möge. Sein Gemüt war freundlich, zumindest hielt er es für freundlich und sein Bewegungsdrang war überschaubar. Vor allem aber war er der einzige Mopsdrache, den er und alle, die er bisher gefragt hatte, kannte.

An einem typischen Mopsdrachentag passierte in diesem anderen Land zur anderen Zeit nicht viel. Ferdifluff wachte in seinem kuscheligen Höhlennest auf, rieb sich die Augen und begrüßte den Tag zumeist mit einem kräftigen Frühstück. Schon zu dieser ganz anderen Zeit gab es alte Omadrachen, die jedem erzählten, dass das Frühstück ja die wichtigste Mahlzeit des Tages sei. Auch Ferdifluff kannte solche Omadrachen und nahm ihren Rat sehr ernst. An seine eigene Drachenoma konnte er sich nicht erinnern. Überhaupt, er konnte sich gar nicht an eine Familie erinnern. Seit er denken konnte, lebte er im Höhlennest. Und das auch sehr gerne.

Nach dem Frühstück widmete sich der Mopsdrache normaler Weise der Frage: Was soll es zu Mittag geben? Ferdifluff war kein Gourmet, aber gut schmecken sollte es dann doch. Oft fiel seine Wahl auf Pudding. Schokopudding. Vanillepudding. Pudding mit Nüssen. Pudding mit Rosinen. Backbrot mit Pudding. Karamellpudding. Erdbeeren mit Pudding. Pudding mit Eischnee und Schokoraspel. Okay, genau genommen, aß er jeden mittag Pudding. Und auch das tat er sehr gerne. Überhaupt, Ferdifluff mochte seine Tage, wie sie waren gerne. Er aß gerne Pudding, er mochte es zu frühstücken und er liebte sein Nickerchen nach dem Mittagspudding. Wenn er sich ausgeruht hatte und der Pudding sich schon ein wenig im Drachenmagen gesetzt hatte, machte Ferdifluff für Gewöhnlich einen Spaziergang. Er grüßte alle Nachbarn, die er auf dem Weg traf und sah überall kurz nach dem rechten. Mal konnte er hier mit einer kleinen Flamme helfen, das Kochfeuer neu zu entfachen. Mal konnte er dort einen Finger auf den Knoten halten, wenn ein Geschenk mit einer Schleife verpackt werden sollte. Meistens gab es in Ferdifluffs Nachbarschaft  keine ernsthaften Probleme und so war immer genug Zeit, ein kurzes Schwätzchen mit einem der Nachbarn zu halten. Oder kurz für eine Bekannte die Drachenkinder zu hüten. Oder mit einem Omadrachen über das Wetter von 150 Jahren zu sinnieren.

Meistens kehrte Ferdifluff erst wieder in seine Höhle zurück, wenn die Dämmerung einsetzte. Das war ihm die liebste Zeit des Tages, denn dann sammelte er ein wenig Holz aus dem benachbarten Wäldchen und stapelte es in seinen Höhlenkamin. Ein kleiner Funke genügte und das Feuer begann wohlig im Kamin zu knacken. Der Mopsdrache ließ sich zumeist etwas ungelenk in seinen Lieblingssessel plumpsen und ließ seinen Tag Revue passieren. Manchmal machte er sich innerlich Notizen, wenn er etwas vergessen hatte, oder eine wichtige Aufgabe für den nächsten Tag anstand. Meistens aber seufzte er nur zufrieden und fand, dass er einen sehr schönen Tag gehabt hatte. Er hatte nette Bekannte getroffen, er hatte gut gegessen und- Moment! Da fehlte ja noch was. Genau! Abendessen. Bei diesem Gedanken sprang Ferdifluff für gewöhnlich leicht erschrocken aus seinem Sessel und fürchtete kurz, er müsse verhungern, weil er nicht ans Abendessen gedacht hatte. Beim Blick in die Speisekammer aber beruhigte er sich zumeist. Denn auf seinem Spaziergang wusste Ferdifluff ja schon, dass er abends drachenhungrig sein würde. Und so hatte er natürlich für ein leckeres Abendessen gesorgt. Mal war es Brot, mal Haferbrei. Mal aß er den Brei warm, mal kalt. Manchmal gab es auch nur Obst oder Gemüse mit Drachenrauchsalz. Meistens war irgendwo im Essen ein gehöriges Stück Butter versteckt, denn Ferdifluff war der festen Überzeugung: Ein gutes Stück Butter lässt jeden Drachen besser schlafen! Aber was auf gar keinen Fall fehlen durfte war eine gewitterwolkengroße Zuckerwatte zum Nachtisch. Denn Ferdifluff liebte Zuckerwatte mindestens so sehr wie Pudding.

So saß der Mopsdrache den Abend über vor seinem Kamin, zupfte immer wieder eine kleine Wolke Zuckerwatte heraus und ließ sie sich genüßlich auf der Zunge zergehen. Die Zuckerwatte knisterte im Mund, wie das Feuer im Kamin und Ferdifluff war mit sich und seinem Leben mehr als zufrieden.

Wie es weiterging? Ob Ferdifluff je etwas anderes tat als das? Das ist eine andere Geschichte und die erzähle ich Euch ein andermal!

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Beitagsbild: @GywerMelanie

 

 

 

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4 Kommentare

  1. Oh, mal eine ganz andere Morgenlektüre für mich. Toll geschrieben, ich bin gespannt wie es weitergeht. Ist das allein deiner Feder entsprungen oder war K1, der jüngste Drachen- und Saurier Experte den ich kenne, der Ideengeber?

    Liebe Grüße

    1. Danke Dir! Ausnahmsweise MEINE Drachengeschichte. Aber der Großwikinger hat tatsächlich der gesamten Geschichte ohne Hibbeln oder Weglaufen gelauscht. So hab ich auch den Mut gefunden, mal sowas zu veröffentlichen 😉

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