(8) Pummelpieps kommt an

Ferdifluff und Pummelpieps

Ferdifluff war nun also frei und hatte zumindest ein kleines bisschen essen können. Eigentlich wäre damit alles schon ein ganzes Stück besser gewesen als zuvor, hätte er nicht den kleinen Mauspummel erbärmlich schluchzen gehört. Und obwohl R.R.J. Pummelpieps es hinter einer gehörigen Portion Ärger zu verbergen versuchte, sah Ferdifluff deutlich, was dieser Mauspummel brauchte…

…ja, was glaubt Ihr, was er brauchte? Selbstverständlich!

„Üff!“ Machte R.R.J. Pummelpieps überrascht, als Ferdifluff ihn so fest drückte und umarmte, dass ihm fast die Luft weg blieb. Er wollte dringend bemängeln, dass dies keine angemessene Art sei, mit Kritik umzugehen und zudem leicht verärgert anmerken, dass Ferdifluff nach wie vor nicht karamellfrei und daher ziemlich klebrig war. Er wollte das kleine Mauspummelnäschen rümpfen, denn auch den Geruch, den Ferdifluff verströmte, würde man alles andere als vornehm bezeichnen- Gewaschen hatte er sich ja noch immer nicht! Pummelpieps wollte ihm sagen, dass eine plumpe Umarmung überhaupt KEIN Ersatz für die Umgangsformen der Höflichkeit sei und dass dieses Haus in Sachen Gästebewirtung noch viel zu lernen hätte.

Aber er sagte nur „Üff!“. Mehr Luft blieb ihm gar nicht. Und eigentlich war das auch alles gar nicht wahr. Anfangs hatte Pummelpieps sich noch zappelnd gewunden und versucht der warmen und klebrigen Umarmung Ferdifluffs zu entkommen. Dann gab er es aber seufzend auf. Und einen kleinen Moment später… eigentlich war es gar keine Absicht aber die Umarmung schien ihn zu benebeln… einen Moment später kuschelte er sich fest in Ferdifluffs Arme und schluchzte und weinte ganz bitterlich. Bislang hatte er es sich nicht gestattet, aber all seine Furcht, seine Einsamkeit und Angst, all das kullerte jetzt in Tränenform aus den kleinen Mauspummelaugen. Er musste unentwegt schniefen und schnäutzen und wollte sich schon mehrfach bei Ferdifluff für die Sauerei entschuldigen, aber der drückte ihn nur noch ein bisschen fester und strich im zart über das flauschige Rückenfell.

Pummelpieps hatte mit Ferdifluff noch kein Wort über den Grund seines Auftauchens gesprochen und die letzten Tage und Wochen als „Reise“ bezeichnet. Ganz so, als wäre er ein x-beliebiger Handlungsreisender auf der Suche nach solventen Kunden. Ganz so, als wüsste er, wo er war, wo er hin musste oder wie er den Grund für eine „Reise“ finden sollte. Er hatte so getan, als wüsste er, wie es morgen, übermorgen -ach! auch nur in der nächsten halben Stunde weitergehen sollte. Dabei war das völliger Quatsch. R.R.J. Pummelpieps war klug, er war wirklich Statiker und er war ausgesucht höflich obendrein. Aber er war auch heillos verloren in einer Welt voller Drachen, von der er keinen Schimmer hatte, wie sie funktionierte oder wie er DA wieder rauskommen sollte.

Er hatte unter Büschen und Sträuchern geschlafen, sich unter Wurzeln versteckt. Er hatte gefroren und gehungert. Er hatte fremde Drachen und andere Tiere angesprochen, er hatte sie angefleht, doch keiner von Ihnen konnte oder wollte ihm helfen. Pummelpieps hatte auf dieser „Reise“ so viel geweint, wie in seinem ganzen vorherigen Mauspummelleben nicht. Und trotzdem saß er jetzt hier, im Arm eines übelriechenden Mopsdrachen, schluchzte, weinte und wusste nicht weiter. Er hatte die Speisekammer seines Gastgebers verwüstet, er hatte ihm Futter geklaut und zu allem Überfluss hatte er ihn unentwegt für alles verantwortlich gemacht, was passiert war. Pummelpieps fühlte sich elend. Mäuseelend! Er wollte sich bei Ferdifluff entschuldigen und ihm alles erklären, er setzte an, verhaspelte sich, schluchzte erneut und begann von vorne.

Ferdifluff machte aber nur ganz leise: „Pssst, werter Pummelpieps, sagt jetzt nichts. Ich spüre es ja. Und bevor wir uns unterhalten können, braucht Ihr eine gehörige Portion Drachenumarmung und vielleicht eine Mütze Schlaf. Pssst!“

Pummelpieps wollte widersprechen. Aber er überlegte es sich anders. Nein, eigentlich überlegte er nicht mehr. Er kuschelte sich ganz ganz fest an den warmen, großen Drachen. Er vergrub die Mauspummelnase zwischen zwei weichen Bauchschuppen und weinte seine ganze Angst und Verzweiflung heraus. Nach und nach ebbten die Tränen und Schluchzer ab und Ferdifluff begann wieder, dem Mauspummel ganz zart den Rücken zu kraulen. Obwohl er sich ein bisschen albern vorkam, spürte Pummelpieps deutlich, wie er sich zum Duft von Karamell und ungeputzten Drachenzähnen entspannte. Er wollte gerade denken, dass das ja schon ein bisschen peinlich sei, da war er mitten im Satz eingeschlafen. Erschöpft schnarchte der kleine Mauspummel leise vor sich hin und Ferdifluff wiegte ihn noch einige Minuten sacht in seinen Drachenarmen.

„Puh, das war aber nötig!“, dachte Ferdifluff, während er in seinem Nest nach einem kuschligen Platz für den kleinen Mauspummel suchte. Er legte ihn vorsichtig ab, fand auf dem Sofa ein unbenutztes Taschentuch, das eine vorzügliche Decke für Pummelpieps abgab und machte sich daran, ein wohlig warmes Feuerchen zu entzünden.

 

Wie es weiter ging? Ob Pummelpieps lange schlief? DAS erzähle ich Euch das nächste Mal!

 

Dauert Euch zu lange? Verstehe ich zu gut. Deswegen hier eine Alternative: Klick!

Titelbild: @GywerMelanie

 

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