Überheblichkeit kommt vor dem Knall

Überheblichkeit kommt vor dem Knall

Ich treibe mich ja (nicht nur Blogbedingt) durchaus in diesen ominösen sozialen Medien herum. Und dort scheint gerade etwas Mode zu sein, was mich wirklich zur Weißglut treibt- es ist nicht neu und nicht spektakuläre aber wirkungsvoll: Sobald eine Person ihren sicheren Wissens- und Themenkreis verlässt und erste Schritte in neue Richtungen wagt, kann es passieren, dass ihr anderer Leute Arroganz und Überheblichkeit plötzlich den Boden unter den Füßen wegzieht. Denn statt Motivation und Unterstützung spielt inzwischen Spott und Hohn viel zu oft die Hintergrundmusik in solchen Fällen.

Kann mir das mal jemand erklären? Also, so, dass ich es verstehe? Denn wahrscheinlich bin ich besonders begriffsstutzig. Ich denke ja nach wie vor, dass man auch Anfänge und erste Schritte immer mal wieder würdigen sollte. Auch wenn sie nicht perfekt sind. Oder der Weg lang. Denn von Hohn wird der Weg zu neuen Erkenntnissen oder Einsichten ja echt nicht kürzer.

Jedem Anfang wohnt…wat?

Überheblichkeit kommt vor dem Knall
Sieht groß aus. Aber nur von unten.

Dasselbe gilt für die Fälle, in denen Leute -etwas unbedarft vielleicht- Fragen in die Runde stellen. Und ich meine jetzt nicht, ab wie viel Liter Cola die einjährige Schantalle mehr als eine Windel pro Tag anziehen soll. Sondern persönliche Fragen, die Verletzlichkeit und Unwissen preisgeben aber signalisieren, dass jemand bereit ist, sich mit der Thematik auseinander zu setzen. Wie viel Nutzen zieht der Fragesteller wohl aus Kommentaren, die nahelegen, er solle besser keine Kinder haben, wenn es sowas nicht wisse?! Und ich wiederhole: Es geht hier wirklich nicht um Banalitäten. Aber eben auch nicht um Dinge, mit denen man jetzt sofort zum nächsten Arzt oder Apotheker rennt. Oder kenne nur ich solche Momente? Die, in denen ich mich frage, ob das alles so richtig ist und einfach mal ganz blöd meine soziale Filterblase frage? Habt Ihr die nie? Oder haben diese Klugscheißer und Besserwisser die nie? Sind die sich immer total sicher? Seit sie Ihrer Mutter Brust verlassen haben? Also, ich weiß ja nicht.

Zurück zum Ausgangspunkt: Wenn jemand sich in neue Gefilde wagt und versucht, alte Strukturen aufzuzwirbeln- ist das denn nicht total gut? Zumindest einen Versuch wert? Vielleicht ein unterstützendenes Wort? Weil es ja wirklich ganz schön schwer ist, seinen eigenen blinden Flecken auf die Spur zu kommen. Und manchmal verrent man sich schon in dem Moment, in dem man nicht mehr von den vertrauten Denkstrukturen umgeben ist, weil das einfach irre verwirrend ist. Wir haben ja unsere Gründe, warum wir uns in den immer gleichen Bahnen und Kreisen bewegen, innerlich wie äußerlich. Wie viel Aufmerksamkeit die Navigation bei mir in fremden Städten erfordert- oft vergesse ich darüber sogar das Reden und verstumme mitten im Satz, ohne es zu merken. Ist es bei neuen Gedankenmetropolen denn so viel anders?

Wo geh ich hin? Folg ich dem Winde?

Überheblichkeit kommt vor dem Knall
Neues Ufer?

Und wenn wir bemerken, dass da jemand aus seinem Schneckenhaus raus ist, aber echt noch nicht ganz die Richtung getroffen hat: Hilft es ihm, wenn wir ihm „Falsch!“  entgegenbrüllen? Kommt er davon weiter aus seinem Haus? Dreht er davon wie durch Zauberhand in die richtige Richtung? Oder isser davon schneller weg, als wir kucken können?

Also ich. Reden wir von mir. Denn vielen anderen Leuten in meiner Umgebung scheinen solche Gedanken ja nicht zu kommen. Oder besser: Es scheint ihnen auf jeden Fall sinniger, zu brüllen, weil das wiederum Bedeutet, dass SIE ja irgendwie richtig sind. Wer meckert, weiß bescheid oder so. Ist das so? Ich meckere den lieben langen Tag. Hauptsächlich weil ich keine Ahnung habe. Keine Ahnung, was um mich herum passiert und warum. Keine Ahnung was in meinen Mitmenschen passiert und warum. Wenn wenn es mir dann zu bunt wird, dann brülle ich ein bisschen „Falsch!“ und dann geht es mir auch schon besser. Ähm. Nicht. Dann brülle ich „Falsch!“ und dann merke ich, was für ein Murks das jetzt wieder ist und muss mich bei irre vielen Leuten entschuldigen. Hm. Also. bei mir funktioniert das so nicht.

Was tun also, wenn Strömungen welcher Art auch immer sozial vernetzt und real brüllen? Was tun, wenn ausgerechnet Attachment Parenting oder Feminismus dir entgegenbrüllen „Du genügst nicht!“? Ich habe keine Lösung und ich finde es wirklich furchtbar. Aber ich habe mich entschlossen, dann immer ganz leise zu flüstern. Auch für andere. Auch wenn sie es nicht hören.

„Doch.“

Küsst die Kinder, von mir aus auch Attachment Parenting und den Feminismus und lasst Euch nicht vom Weg zu neuen Ufern abbringen.

Eure Julia

 

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5 Kommentare

  1. Joa, ich kann mich deinen Gedanken nur anschließen und das ist genau der Grund, weshalb ich mich aus den sozialen Medien mittlerweile fast komplett raus halte.
    Selbst das Bloggen habe ich eingeschränkt, weil mich vieles nur noch nervt.

    Nicht, dass ich nicht mit Kritik umgehen könnte, aber wenn immer und ständig einem suggeriert wird, man macht alles falsch oder übertreibt oder lebt einen komischen Lebensstil, dann hat man irgendwann keine Lust mehr.

    Dabei geht es aber nicht mal nur um mich. Man bekommt ja auch immer und immer wieder dieselben Diskussionen bei anderen mit.
    Ich schaue durch meine Timeline, da schreiben welche von Zuckerfrei, ZACK, BASHING!
    Andere schreiben über ihren Unmut bezüglich Erziehung/Unerzogen/Whatever, ZACK, BASHING!
    Du hast doofe Windeln.
    Du hast doofe Ernährung.
    Du hast doofe Schlafgewohnheiten.
    Du hast doofe Ohren.

    Bla bla bla.
    Es nervt mich einfach nur noch.

    Deshalb gilt für mich mittlerweile, weniger soziale Medien und mehr Natur. Da nervt keiner. Außer die Amseln die bald am Küchenfenster schlüpfen. ;p

    Sonnige Grüße.

  2. :). Wunderbar. Ich finde den Umgangston in der attachment parenting/unerzogen Welt, ob in Foren, aber auch bei einigen Bloggern zum Teil interessant… Das man Bedürfnis orientiert erziehen mag, aber gleichzeitig so wenig wertschätzend oder aber herablassend, erziehend seinem Gegenüber gegenüber tritt, schneidet sich für mich ziemlich, denn Kinder lernen am Modell. Hmm. Nun läster ich auch gerne manchmal und ist es natürlich riesig, sich mal besser, als die Nase hinterm Bildschirm zu fühlen, da sie natürlich, im Gegensatz zu mir, echten bullshit macht, aber…. Ach komm. 🙂
    Ich halts da wie Sonnenshyn und halt mich größtenteils aus dem ganzen Mist raus.
    Make love,…❤

  3. Ich kann es nur aus meiner Sicht sagen: Egal ob soziale Medien oder Realität und egal, was du fragst oder nicht fragst, du wirst immer angegangen. In den sozialen Medien ist der Ton aber rauer.

    Das Schlimme ist nur, dass so etwas nur für noch mehr Unsicherheit sorgt. Irgrndwann fragt man nicht mehr. Und wenn es dumm läuft und alles quer läuft, fällt das Kind dann in den Brunnen. Und dann hörst „Hab ich doch gleich gesagt, das Kind wird nix.“

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