Schwanger Stillen. Oder: Die Büchse der Pandorra

Schwanger Stillen

Vorweg: Stillende Schwangere oder solche, die nach fundierter Information zu diesem Thema suchen: Bitte lest nicht meinen Artikel zuerst. Fragt Ökohippierabenmuetter oder andere Stillberater/innen Eures Vertrauens. Eure Hebamme ist auch ein super Ansprechpartner, wenn Ihr ihr vertraut. Aber bittebitte: Haltet mein kleines Stilltagebuch nicht für exemplarisch. Ich bin KEIN Experte. Und ich habe auch keinen um Unterstützung gebeten. Wenn Ihr unsicher seid: Tut genau das. Fragt jemanden, der sich auskennt!

Dieser Text hier schlummerte lange Zeit im Entwürfe-Ordner. Zum Einen, weil ich ursprünglich möglichst lange „heimlich“ schwanger sein wollte. Zum anderen aber, um so eine kleine Art Tagebuch des Stillens während der Schwangerschaft zu ermöglichen. So ganz habe ich das mit der Heimlichkeit dann doch nicht durchgehalten, deswegen ist das „Tagebuch“ auch unvollständig. Oder eben auch nicht, wie man es nimmt. Hach, alles so schwangerschaftshormonell kompliziert! Aber lest selbst kurz rein, wenn Ihr mögt.

Von meiner dritten Schwangerschaft weiß ich seit der ersten Woche über dem normalen Zyklus- also ziemlich von Anfang an. Auch der Körper hat sich schnell wieder in den Schwangerschaftsmodus gefunden. Die ersten Zipperlein haben sich bald angekündigt aber das war mir alles irgendwie noch sehr vertraut. Neu ist diesmal, dass ich nach wie vor Stille und auch nicht vorhabe, ohne Zutun des Butterkeks etwas daran zu ändern. Selbstverständlich behalte ich mir vor, abzustillen, wenn es für mich an der Zeit ist. Mit ein bisschen Glück und Durchhaltevermögen hoffe ich jedoch, diese Entscheidung dem Kleinwikinger überlassen zu können. Für mich eine spannende Sache. Falls Ihr auch interessiert seid, bitte:

SSW 7: Gerade eben erst schwanger. Quasi. Aber die Brüste wissen schon bescheid- ich bin deutlich berührungsempfindlicher. Stillen klappt aber noch, vielleicht, weil der Butterkeks einfach auch keine Gefangenen macht. Er dockt an und trinkt wie immer. Allerdings erhöht er die Trinkmenge im Vergleich zu den letzten Wochen wieder. Schmeckt wieder besser?

SSW 8: Inzwischen muss ich ab und zu schon Mal um ein bisschen Nachsicht in Sachen Stillen bitten, die Brüste fühlen sich an wie ein einziger großer blauer Fleck. Stellt Euch vor, da saugt jemand hingebungsvoll an einem fiesen Hämatom. Tjanun. Aber geht noch. Und: Das Brustgewebe ist irre weich. Ähm. Besonders Praktisch finde ich persönlich das ja nicht. Aber der Butterkeks hat seinen Spaß.

SSW 10: Das Gefühl riesiger Hämatome statt Brüste hat nachgelassen, immerhin. Tagsüber klappt Stillen wieder weitestgehend problemlos. Nachts habe ich immer mal wieder Schwierigkeiten- wenn ich nicht darauf gefasst bin oder der kleine Kerl nicht vernünftig trinkt, bekomme ich wirklich Zustände. Es tut nicht wirklich weh, aber es ist super unangenehm und kostet viel Disziplin, das Stillen dann nicht zu verweigern. Wobei- gibt ja ohnehin keine Alternative…

Huch, die Zeit rennt: SSW 15: Bis hierher hatte ich ein paar ruhige Wochen. Der Kleinwikinger trinkt unverdrossen weiter und es ging auch eine Weile wirklich gut. Inzwischen hat sich aber das „Blaue-Flecken-Syndrom“ wieder eingeschlichen, das nervt sehr. Witziger Weise tut die weniger getrunkene Seite auch mehr weh, deswegen werde ich verstärkt wieder darauf achten, die Intervalle für beide Seite gleich zu halten.

Die ersten komischen Kommentare gab es jetzt übrigens auch schon. Offensichtlich scheint es für den ein oder anderen selbstverständlich, dass jetzt dann bald Schluss sei, mit der Stillerei. Bin ja mal gespannt, was der Kleinwikinger sagt. Sowas wie… „pffft!“ oder „..äh…nö!“ scheint mir sehr wahrscheinlich…

Edit: Das „Blaue-Flecken-Sydrom“ ist gar kein Syndrom, wie der Wikingergatte etwas erschreckt feststellte. In der Tat sehen die Brustwarzen aktuell leicht blau aus. Das kann zweierlei Gründe haben: Im Laufe der Schwangerschaft dunkelt so einiges in diversen Bereichen nach. Kann nachdunkeln. In den letzten beiden Schwangerschaften habe ich das gar nicht so sehr wahr genommen- aber wer kuckt auch ohne Grund so genau nach? Oder aber die verstärkte Durchblutung fordert ihren Tribut und es sind wirklich Mini-Ergüsse. Je nach Tageszeit schwanke ich, was ich glauben will. So oder so: drückt die Daumen, dass es bald vorbei ist…

SSW 18: So langsam drehe ich hier durch. Seit einigen Tagen haben wir eine ungute Mischung. Meine Brüste sind derart empfindlich, dass schon das Shirt auf der Haut mich echt stört. Der Butterkeks hingegen ist so empfindsam, dass er nur mit Brust im Mund schlafen zu können scheint. Ich bin ein bisschen verzweifelt. Weil mich gerade das nicht-mehr-Trinken-aber-noch-nicht-Aufhören mich zur Weißglut treibt. Da ausgerechnet Aggression mir aber beim anderthalbjährigen auch nicht viel weiterhilft, lag ich heulend im Bett. Ziemlich hilflos. Die gesamten letzten drei Stillmahlzeiten. Was heisst: Mittagsschlaf fiel aus. Stattdessen hat der Butterkeks mich getröstet und in den Arm genommen. Was wirklich süß ist. Schlafen wäre auch gut gewesen.

Es ist aber auch echt ein Teufelskreis: Weil ich so ungeduldig bin, versuche ich ständig, abzudocken und wecke ihn damit aus dem Halbschlaf. Damit ihm das nicht wieder passiert, nuckelt er fleißig weiter und ich drehe weiter am Rad. Waaaaah! Ob wir das alle überleben?!

So Ihr Lieben. 20.SSW: Ähm. Ich bin noch nicht sicher, ob das endgültig ist. Aber ich fürchte… naja, was heißt fürchten? Aber der Reihe nach. Stillen wurde nicht besser. Ich habe durchgehalten. Aber bei jeder Gelegenheit versucht, entweder das Stillen zu vermeiden (also nur noch zum Einschlafen und als Weltuntergangstrost) oder schnellstmöglich zu beenden. Ich habe viel geweint. Vor allem nachts. Und ich dachte ehrlich gesagt, dass dem Keks das alles egal wäre. Ist es aber nicht. Das schreit alles in Allem nach einem längeren Blogpost und der wird folgen. Aber die Kurzfassung lautet: Mein Kind hat sich in Einklang mit mir angestillt. Ohne Weinen. Ohne festen Plan. Einfach so.

Das muss ich erstmal selber verarbeiten. Damit hatte ich nicht wirklich gerechnet. Ich hatte mir ganz im Gegenteil, fest vorgenommen, durchzuhalten. Und dann das… Es kommt eine schwierige Zeit auf mich und den Keks zu. Denn so ganz ohne meine geheime Superkraft müssen wir uns beide umstellen. Aber er macht das alles so kompetent und eigenständig, dass ich wirklich hoffe, diesmal wird es nicht so herzschmerzhaft wie beim Großwikinger.

Tja Ihr Lieben, so war das nicht geplant. Aber so scheint es erstmal zu sein. Es ist noch nichts in Stein gemeißelt und wer weiß, wie es weitergeht, aber an dieser Stelle breche ich mal ab. Hilft ja alles nichts.  Aber wisst Ihr was? Heute, in SSW 24 feiern meine Brüste diesen klugen, großartigen, feinfühligen Butterkeks gerade übelst. Meine Brüste und ich, wir sind erleichtert. Und darum:

Küsst die Kinder, drückt sie fest und passt auf Euren Körper auf!

Eure Julia

 

 

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