Putzteufel links, Chaotenengel rechts

Ich weiß selber, dass es eigentlich ziemlich albern ist. Und ich weiß auch, dass mein Seelenheil nicht davon abhängen sollte. Aber eine Sache in unserem Alltag treibt mich regelmäßig an den Rand der Vorstellungskraft. Es geht nicht um Erziehung. Es geht nicht um Beziehung. Es geht um den verflixten Staub unter dem Sofa und den drei Kilo Spielzeug, die dazwischen liegen.

In den meisten Familien wird die Sache mit dem Aufräumen und Putzen früher oder später ein Thema. Meistens sogar ein ziemlich großes. Was an sich schade ist, denn wir sind uns doch einig, wenn ich sage:

Wir leben nicht, um zu putzen.

Caosengel links, Putzteufel rechts
Esszimmer. Normalzustand.

Aber putze ich denn, um zu leben? Tjanun. Sagen wir so: Gerne tue ich es nicht. Das ist einer der Fehlschlüsse, die schon viele Leute über mich gezogen haben. Ich wäre ordentlich. Ich würde gerne putzen. Pah! Und das schließen die Damen und Herren woraus genau? Ich verrate Euch ein Geheimnis: Wäre ich ordentlich, müsste ich nicht jeden Tag wieder und wieder diese Berge an Müll aufräumen. Und würde ich gerne putzen, würde ich mich nicht unentwegt darüber beschweren.

Warum ich den Teufelskreis dann dennoch Tag um Tag aufs Neue starte? So genau kann ich Euch das gar nicht sagen. Letztlich ist es so: Ich fühle mich erst ab einem gewissen Grad der Ordnung wirklich wohl. Und deswegen denke ich irgendwie erstens, das müsste anderen Leuten genauso gehen. Und zweitens suggeriert irgendetwas in meinem Inneren mir, ich müsste das ja auch für meine Familie tun. Weil.. äh…

Ja, warum eigentlich?

Chaosengel links, Putzteufel rechts
Esszimmer, wie ich es gerne hätte. Immer.

Ich spreche hier ja nicht von einer völlig verwahrlosten Wohnung. Selbst wenn es bei uns aussieht „wie Sau“ (was es immer tut, egal ob ich aufgeräumt habe oder nicht): Die Laufwege sind weitestgehend frei, die Kinder haben saubere Klamotten und obwohl die Flora und Fauna unter Betten und Sofas beachtlich ist- lebensbedrohlich ist sie nicht. Gleichwohl ich über die Massen an Kinderspielzeug stöhne und schimpfe: Wirklich viel ist es gar nicht. Es sind zwei Kinder und dafür haben wir sogar ziemlich wenige Spielzeug. Allerdings besonders nervenaufreibendes, wie ich finde: Lego. Also schon „Kleinlego“, nicht Duplo. Obwohl wir das selbstverständlich auch haben, für den Butterkeks. Und das kann einen schon mal den letzten Nerv kosten. Zumal das Großlego seinen Platz auf dem Hochbett im Esszimmer hat. Zum Schutze des Erstgeborenen vor seinem Buterkekszilla-Bruder. Lego ist der Großwikingers Leidenschaft und wir wollten ihm gerne einen Rückzugsort dafür schaffen. Der Butterkeks ist jetzt 18 Monate und zeigt uns regelmäßig, dass die Idee nett war. Dass der große Bruder aber keine Chance hat.

Zurück zum Putzen.

Chaosengel links, Putzteufel rechts
Küche. Tjanun.

Sei es, wie es will. Warum nur stresst mich diese Putzerei so? Ich könnte es ja auch einfach lassen. Eine ziemlich bekannte schwedische oder finnische Bloggerin hat dazu ziemlich kluge Dinge geschrieben. So klug, dass ich ihren Namen vergaß. Das Credo aber lautete: Warum so viel Zeit für so eine sinnlose Sache wie übermäßige Ordnung verschwenden? Warum nicht ehrlich sein, zum Chaos stehen, ab und zu eindämmen und die gewonnene Lebenszeit und Nervenkraft für tolle Dinge nutzen?

Schon klar, denken sich jetzt viele. Der Gedanke ist mir auch schon gekommen. Und dann hat sich Besuch angekündigt. Die Bloggerin hat es aber durchgezogen: Einige Zeitschriften und Magazine hatten sich bei ihr angemeldet. Sie alle durften sie zu Hause besuchen. Und die Bildbeweise waren mannigfaltig: Da sieht es aus, wie es in Familien eben manchmal aussieht. Wäsche liegt rum. Sauber und dreckig. Dreckig, weil die Katze die Gelegenheit genutzt hat, etwas Gras loszuwerden. Unter dem Sofa liegt das meiste Spielzeug, die Taschenlampe aber griffbereit auf dem Couchtisch daneben. Falls man mal was sucht. Das Krabbelbaby hat immer mal wieder einen lustigen Staubrand auf den Klamotten und Flusen am Mund kleben. Die großen Kinder bauen munter Burgen aus drei riesigen und schon ziemlich abgenudelten Kartons.

Sind das jetzt schlechtere Menschen?

Chaosengel links, Putzteufel rechts
Küche, wenn Besuch naht.

Weil Mama das mit dem Putzen einfach gelassen hat? Nee, oder? Warum zur Hölle drehe ich dann drei Tage am Rad und putze die gesamte Wohnung, wenn ich weiß, dass der größenwahnsinnige Hausmeister in die Wohnung muss? Statt mich zurückzulehnen, weil ich weiß, dass er so oder so wieder ein Haar in der Suppe findet („Die Fenster, Frau L., die habens aber echt auch mal wieder nötig, nech?!“)? Wieso räume ich bis zur Erschöpfung auf und schnauze dann die leicht irritierten Kinder an, sie dürften in diesen Räumen maximal noch atmen, nicht aber mehr den kleinsten finger rühren?

Chaosengel links, Putzteufel rechts
Wohnzimmer.

Ich schwöre, ich arbeite dran. Aber immer und immer wieder stecke ich in diesem Dilemma. Und weil es nunmal mein Dilemma ist, darf ich auch nicht wirklich Hilfe von Außen erwarten. Der Wikingergatte findet das nett, dass ich hier oft so aufräume und er hat im Laufe der Ehe auch ziemlich gut spitz bekommen, wann er staunen und „aaaah“ und „ooooh“ rufend durch die Hallen schreiten muss. um Ärger zu vermeiden. Aber: Eigentlich ist es ihm schnurz. Viel wichtiger ist ihm, dass wir alle abends auf dem Sofa nochmal kuscheln. Oder die Kinder irgendwie zu diesem typischen glucksenden Kinderlachen bringen. Solche Sachen eben. Wie es dabei aussieht? Was kümmert es ihn?

Und dennoch.

Chaosengel links, Putzteufel rechts
Wohn(!) Zimmer.

Immer und immer wieder. ich bin es leid. ich schreie und ich tobe. ich weiß, es ist Irrsinn. Und am Ende will die die Bude doch wenigstens ein bisschen sauber haben. Nur eines hat sich inzwischen geändert: Ich hoffe, dass meine Kinder genau DAS nicht übernehmen. Dieses latente Unwohlsein, wenn es mal unordentlich ist. Dass es ihnen, wie ihrem Vater einfach egal ist, solange man nicht drüber stolpert oder ewig Dinge suchen muss. Ich wünsche ihnen, dass sie alte Pizzaschachteln geistesabwesend zur Seite schieben können, um am Computer zu sitzen, ohne diesen Stich schlechten Gewissens zu spüren. Ich hoffe, sie finden noch die nächsten 50 Jahre immer wieder lange verloren geglaubte Schätze unter dem Sofa und freuen sich darüber, statt vorsorglich den Kopf einzuziehen ob dieser mangelhaften Haushaltsleistung.

Denn ordentlich sind die beiden bisher nicht. Von wem sollen sie es auch haben? Und undordentliche Menschen leben deutlich entspannter ohne Putzteufel auf der rechten Schulter. Glaubt mir. Glaubt mir!

Schwingt den Besen heute mal als Luftgitarre und  küsst die Kinder!

Eure Julia

 

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2 Kommentare

  1. Der Backofen sieht so oder so ziemlich froh aus:)
    Wir wohnen auf ca100[]m aufgeteilt in 4 Ebenen. Es gibt ungefähr 2549 Ecken und 157903 breite Dielenspalten, außerdem liebe ich es KRAM anzusammeln und die Anziesachen von meinen geliebten Menschen fallen in der Regel da zu Boden, wo sie entkleidet werden und außerdem habe ich ein Kind:)… Ich kenne deine Gedanken, aber ich übe mich im Loslassen und in der Oberflächlichkeit und küsse die geliebten Menschen.

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