Monday Morning Babyplüsch

Monday Morning

Moin Ihr Lieben (und ich meine wirklich „Moin“, denn es ist der 6.11. um halb fünf Uhr morgens und irgendwie ist hier nix mit Schlaf). Die letzten Wochen in dieser verrückten Familie waren -passend zur Familie- turbulent. Wenn nicht gerade Bienen umziehen mussten, wurden Läuse gekämmt. Wenn ich nicht gerade den Wikingergatten mit dem Motorrad bei Wind und Wetter zur Arbeit geschickt habe, habe ich Einkäufe in Fahrradanhängern nach Hause gewuchtet. Wenn ich nicht gerade selber krank war, war es eines der Kinder. Die letzten fünf Tage hatte der Butterkeks mit fiesem Fieber zu kämpfen, während der Großwikinger immer wieder Magenschmerzen hatte. Trotzdem habe ich gestern Abend (sicher ist sicher) noch kurz mal zwei laternenartige Gebilde fabriziert, falls es den Kindern heute gut genug für ein Lichterfest mit Laternelaufen in der weltbesten Tagespflege geht. Ich bin müde. Ich bin erschöpft. Und ich vermute ganz stark, dass heute Nacht gegen 2.30 Uhr meine Fruchtblase geplatzt ist.

Dass irgendwas komisch ist, zeigt allein die Tatsache, dass ich mir eben allen Ernstes völlig unsinniger Weise eine Kerze neben den Computer gestellt habe. Weil… äh… naja, ist eben so. Dabei bin ich definitiv kein Typ für so ein Zeugs. Aber wenn es hilft, nech?!

Warum ich überhaupt aufgestanden bin? Der Butterkeks. Er war ja ziemlich krank die letzten Tage. Und ich hatte und habe ernsthaft Sorge, dass man dieses Kind demnächst operativ von mir entfernen muss. Denn freiwillig verlässt er mich (und das ist durchaus körperlich gemeint) keinen Millimeter. Da passte die letzten Tage einfach mal kein verdammtes Blatt Papier zwischen uns. Schlafen? Ausschließlich und nur, wenn er auf meinem einen Arm, in meinem anderen Arm und am besten noch mit dem Gesicht in meinem Ausschnitt liegt. Während er mir unentwegt den Arm streichelt. Die ganze. Nacht. Wirklich. Ohne eine Sekunde Ausnahme.

Gerade passt das nicht so ganz. Und er schläft furchtbar unruhig. Wacht auf, sucht mich, weint, wühlt, nestelt. Das ist mit sporadischen und zugegeben noch völlig schmerzfreien Wehen irgendwie… so, dass ich aufgestanden bin. Vielleicht lege ich mich nachher noch etwas zu ihm. Aber gerade scheint mir, getrennt haben wir mehr Ruhe. Beide. Und ein bisschen Ruhe kann nach den letzten Wochen wirklich nicht schaden. Ich gebe zu: Schlaf wäre mir lieber. Aber ein bisschen aufgeregt bin ich eben doch auch. Ob ich heute 3.0 sehen werde? Puuuh. Okay, vielleicht bin ich etwas mehr als aufgeregt. Obwohl die Geburt des Butterkekses ja ziemlich entspannt war. Und ich guter Dinge bin, dass 3.0 das auch entspannt regeln wird. Regle ich das wohl entspannt? Wie weit reicht meine Schmerztoleranz diesmal? Und: Welches Krankenhaus wird es wohl?

Komische Frage? Ja, Luxus-Frage. Hier in Lübeck und Umgebung ist die Versorgung der Schwangeren noch so gut, dass ich mich bei zwei Kliniken anmelden konnte, die beide potentiell Platz für mich haben. Und je später es wird, desto eher kommt die in Frage, die 1. weiter weg ist und 2. auf dem Weg zu den Schwiegereltern liegt. Die sollen nämlich die Kleinwikinger betreuen, während ich für Nachschub sorge. Auch das ist übrigens geradezu unverschämter Luxus. Während ich bei der zweiten Entbindung noch beim bloßen Gedanken an die Betreuung vom Großwikinger völlig aufgelöst war, weiß ich inzwischen: Das läuft. Die können das super ohne mich. Die Großeltern und Freunde sind für mich und die Kinder da. SO einen Luxus wünsche ich jedem schwangeren Menschen. Das macht den Gedanken an Geburtsarbeit viel viel viel einfacher. Den Kopf frei. Und den Körper bereit.

Wo wir gerade beim Körper sind… das Aas, nech?Ausgerechnet nach fünf verflixten Tagen Krankenstand im Hause Wikinger?! Eine Nacht Schlaf wäre nicht noch drin gewesen? Banause! Als würde ich nach der Entbindung so viel Schlaf abbekommen! Pah! Aber er wird schon wissen, was er da macht. Wusste er beim letzten Mal ja auch. Ich bleibe gespannt. Packe jetzt noch ein paar Kleinigkeiten. Füttere nochmal die Katze. Und dann frage ich mich, ab wann man einer Hebamme nachts SMS schreiben darf, ohne gesteinigt zu werden. Könnte ja immerhin sein, dass es falscher Alarm ist. Könnte.

So oder so: Wie schön diese zwanzig Minuten geschrieben zu haben. Sie vielleicht sogar mit Euch zu teilen, wenn 3.0 da ist. Verrückt. Schön. Und das alles mit Kerze neben dem PC. Also, wenn ich nach der Geburt beginne, das Wort „achtsam“ inflationär zu gebrauchen, seid so lieb, informiert einen Priester. Dann stimmt da was wirklich nicht!

Bis dahin: Küsst die Kinder. Schlaft. Sammelt Kraft. Mache ich jetzt hoffentlich auch noch ein bisschen, ehe es wild wird.

Eure Julia

Edit: Montag Vormittag vor einer Woche haben der Wikingergatte und ich zwei Kinder bei Oma abgegeben. Montag Abend vor einer Woche hatten wir ein drittes. Und Montag Nacht vor einer Woche hat das Wikingerbaby seine erste Nacht zu Hause verbracht. In der Zwischenzeit? Haben wir ganz ganz ganz viel gekuschelt und geknutscht. Sehr zu empfehlen!

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6 Kommentare

  1. Ich bekomme es jetzt erst mit. :]
    Meine aller herzlichsten Glückwünsche für den dritten Wikinger im Bunde! Wie ich mich freue. So schön!

    Alles Glück der Welt für euch Lieben. ❤

    Sonnige Grüße.

  2. So eine schöne Geschichte <3
    Und 2:30 Uhr war nun schon 3 Mal meine "Startzeit". Scheint beliebt zu sein … 😉

    Im neuen Jahr muss ich dem Schildnöck dann dringend mal das Wikingerbaby vorstellen 😉 – fasse das mal als freche Selbsteinladung auf <3

    Liebe Grüße
    Andrea

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