#momofthree

#Momofthree

Ihr Lieben, ich gestehe es freimütig: Gerade bei so Dingern wie Instagram bin ich ein kleines bisschen dreist und posaune per Häschtägg hinaus: Ich bin eine #momofthree. Nicht, dass das irgendwas über meine erzieherischen Qualitäten aussagt, aber gerade bei Insta ist das ja so: Man sieht einen perfekt gedeckten, weißen Tisch, der mit drei sauberen und possierlichen blonden Kindlein dekoriert ist, die wiederum in Grautönen gekleidet, manierlich ein wenig Obst speisen. Und so kam ich zu dem Schluss, das wäre dieses #momofthree. Und wenn ich das jetzt auch schreibe, dann werden meine Tische weiß und der Naschkram gesund. Oder so.

Ihr ahnt es. Die Realität sieht echt anders aus. Und jedes Mal, wenn ich jetzt #momofthree häschtägge, dann denke ich daran, wie dieses Medium Intstagram es allen ernstes geschafft hat, dass ein erwachsener Mensch Mitte dreißig sich so hat verarschen lassen. Ohne Witz. Manchmal bin ich einfach eine Doofnuss. Hin und wieder sogar täglich.

Aber zurück zu diesen vielen anderen #momofthree. Es beginnt ja damit, dass es die Anzahl der Kinder ist, die über das Maß an Perfektion entscheidet. Wer drei Kinder und einen weißen Tisch hat, der muss Gott sein. Mindestens. Oder?

Ähm.

#Momofthree
Schmutz und Matsch? Bei uns doch nicht!

Janee. So leid es mir tut, das zu sagen, aber: Nie war ich mehr überfordert und am Arsch als mit „nur“ einem Kind. Also wäre das Überstehen dieser ersten Zeit ja die eigentliche Leistung, oder? Und ohne die bleierne Müdigkeit einer Babymama herunterspielen zu wollen: Nie habe ich sie stoischer ertragen können als beim dritten Kind. Weder gerne noch gut, aber so läuft das eben mit Kind. Also wenn wir es mal genau nehmen wäre doch #mom völlig ohne Kinderzusatz schon ein Verdienstkreuz wert, oder? Logisch, den Eindruck gewinnt man nicht unbedingt, wenn man „nur“ zwei Kinder hat und immer diese großartigen, kompetenten und patenten DreiKinderMuttis sieht (und ich gebe zu, meine Wahrnehmung ist bisweilen sehr selektiv). Und das ist nicht das erste Mal, dass mir sowas passiert: Während ich mit einem Kind noch in Windeln bereits nach dem Status einer erfahrenen „Wir gehen jetzt aufs Töpfchen Mutter“ schielte, wurde mir auch erst sehr spät bewusst, dass diese stolz präsentierte Attitüde nicht über die Berge vollgepieschter Hosen und Bettwäsche hinweg täuscht. Überhaupt, eine hoch erhobene Nase hilft gut gegen den leichten Uringeruch, der sich bisweilen ausbreitet, oder? Kam mir alles sehr spät in den Sinn. Eigentlich erst als ich hätte häschtäggen können: #mamajujasuchtdastöpfchenundkommtwieimmerzuspät. Da hatte ich aber halt einfach noch kein Instagram- hole ich jetzt eben alles nach.

Hätte ich draus lernen können.

 

#Momofthree
Nur eins? Ja quasi im Schlaf!

Hab ich aber selbstverständlich nicht. Ich war schon immer auf eine etwas unglückliche Weise hartnäckig- ich glaube einfach sehr sehr hartnäckig gerne, dass der schöne Schein doch nicht trügt. Und dass das dann eben totaaaal super ist, wenn man auf dem Spielplatz nicht mehr vollgekackte Windeln wechseln muss. Dass man sich dann bei dem Versuch, einem Jungen das Pinkeln im Stehen beizubringen vollends zum Horst macht, das häschtäggt natürlich erstmal keiner. Ich gebe zu: Dank Twitter relativiert sich das alles wieder, dann in diesem Medium wiederum gewinnt nicht der mit den weißesten Wänden. Sondern die Person, die am prägnantesten das tägliche Chaos mit und ohne Kinder pointiert. Als Germanistin ist mir das Schreib-Medium schon lieber, als das Bild-Medium. Und lustiger ist es außerdem. Aber auch da gilt: Mit bewundernswerten Scheuklappen lese ich hier immer und immer wieder wie LUSTIG chaotisch dieses Familiending ist. Wie UNTERHALTSAM Hausaufgaben mit Kindern sein können. Wie WITZIG es ist, wenn man angepinkelt wird und wie SPAßIG Ärger mit der Familie in Dialogen dargestellt werden kann.

Jetzt mal ein Memo an mich:

#Momofthree
Selbstverständlich immer sauber bei uns. Immer!

Logo! Für eine realistische Beschreibung des zermürbenden Kinderalltags reichen die Zeichen einfach nicht. Immer noch nicht. Auch Schlafmangel lässt sich so nur mittelmäßig gut transportieren, zumal ja auch nur die Tweets gerne gelesen werden, die wenigstens auch noch ein bisschen komisch sind. Willste deine Follower auch nicht total volljammern, nech?! Schon gar nicht durch Kopf-schnarchend-auf-Tatsatur-Tweets wie „t6gfbvnmjkuizh!“. Versteht doch gar keiner.

Zurück zu #momofthree. Denn seit ich eine bin, bin ich schwer dafür, diesen dämlichen, arroganten und eigentlich völlig überflüssigen Hashtag bei Instagram mit mehr Realität zu füllen. Mit Bildern von Augenringen und Kinderspucke auf dem Hemd. Am Besten noch ein bisschen das Biotop unterm Sofa oder -für ganz Mutige- unter dem Esstisch. Gerne auch per Twitter zugeben, dass das mit dem Hühnerwunsch nach Kinderwunsch gar nicht so spaßig gemeint ist, wie es klingt. Genug zu Essen haben wir eh: IM Sofa, UNTER dem Tisch, NEBEN dem Bett. Nur besonders frisch ist es nicht mehr *hust* Und wenn wir schon dabei sind: #lebenmitkindern und #geschwisterplüsch sind auch so Dinger. Da möchte ich manchmal… Arghs!

Aber siehe da!

#Momofthree
Nämlich.

Es gibt sie! Wer Augen hat, der sehe, wer lesen kann, der lese. Diese realistischen Mütter. Diese echten Bilder und echten Geschichten. Und auch die sind bei Instagram. Und Twitter. Und Facebook. Ich muss nur einfach meine müden Äuglein mal vernünftig aufmachen. Dann sehe ich sie. Und kann kommentieren, wie sehr ich sie liebe, wie sehr sie mir den Tag gerettet haben und wie unglaublich es mich erleichtert zu sehen: You are not alone! Jedes verdammte Kind ist das personifizierte Chaos. Ab dem allerallerersten. Egal wie viele. Und wir sind alle kleine Superheld*innen, die wir diese Elterngeschichte tagtäglich schaffen. Wir müssen die Fotos davon nicht filtern oder schönen. Wir dürfen zugeben, dass wir sind, wie wir sind. Weil: So isses eben. Und Buntstift an der Wand macht uns nicht mal auf Instgram zu Verlierern. Wer noch nie eine Wand bemalt hat, werfe den ersten Spitzer!

Und am Ende zählt eh nur das Eine: Küsst die Kinder. Ganz fest und ohne Weichzeichner.

Eure Julia

Ps.: Ein paar dieser  wunderbaren sind (ohne Anspruch auf Vollständigkeit!)

Nooborn

ÖkoHippieRabenmütter

MotherBirth

2Kindchaos

Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten

Berlin Mitte Mom

Die gute Kinderstube

Lottes Motterleben

Liniert-Kariert

Terror-Püppi

Große Köpfe

Urnaturaen

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9 Kommentare

  1. Was musste ich schmunzeln beim Lesen und was habe ich mich gefreut in dieser illustren Runde genannt zu werden.

    Ach Perfektion ist Out. Setzt nur alles und jeden unter Druck – und ganz ehrlich: Es ist einfach langweilig!

    Also weiter immer schön unperfekt du #momofthree!

    Liebe Grüße
    Jessi

    1. unperfekt kann ich, ein Glück 🙂 Und solange ich so viel Inspration und Imperfektionismus um mich herum drapiere, macht es auch noch Spaß. Eiderdaus!

  2. Ick könnt dir knutschen. Aber da du ausm Norden bist und ich halb Hamburgerin, reicht auch ein wohlgemeintes und anerkennendes Nicken. Genug Gefűhlsduselei, das wird hier sonst romantisch.. Liebsten Dank werte Julia 💜

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