Mama Juja goes nerdy: Gastbeitrag zum Thema „Geschäftsmodell Userdaten“

Mama Juja goes nerdy: Gastbeitrag zum Thema "Geschäftsmodell Userdaten"

Er ist zurück! Unser (zugegeben, ich habe wirklich eine Schwäche für kluge Menschen) Update-Superheld. Ich freu mich über die Maßen, dass Thomas sich nochmal Zeit für mich und Euch genommen hat. Diesmal zum Thema Benutzerdaten im Internet- unseren Benutzerdaten nämlich. Dass diese Daten harte Währungen im WordlWideWeb ist, dafür muss ich mich immer und immer wieder sensibilisieren. Denn  „Ach, was soll`s“ in Bezug auf personliche Daten, Adressen etc. ist einfach furchtbar bequem. Wenn aber mal jemand genau für uns drüber nachdenkt… ist das alles gar nicht mehr so einfach. Und manchmal nur noch halb so lustig: Aber: Es ist eben wichtig. Also: Augen auf, beim Datenverkauf!

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Geschäftsmodell Userdaten – Womit bezahle ich eigentlich im World Wide Web?

Nicht nur in diesem Blog ging es schon mal um Thema Geld.  Es ist ein täglich wiederkehrendes Thema. In der analogen Welt, egal ob beim Bäcker, im Zeitungsladen, beim Online-Shopping oder in öffentlichen Verkehrsmitteln, bekommen wir einen Service oder ein Produkt geboten und bezahlen dafür.

Aber in der digitalen Welt, dem Internet, scheint das anders. Klar bezahlen wir für Produkte beim Online-Einkauf. Nur für Dienste scheinbar nicht, denn es gibt so viele kostenlose Dienste, die alle auf ihre Art und Weise das Internet zu einem tollen Platz machen wollen. Und gleichzeitig wird das Austauschen von Daten, Nachrichten, Fotos, Mails und Anderem total einfach. Zugegeben in letzter Zeit gibt es Ausnahmen. Aber eigentlich auch nur im Bereich Musik (Apple Music, Spotify, Amazon Music Unlimited, Tidal u.a.) und im Bereich Film/Serien (Netflix, Amazon etc.). Dort zahlt man dann einen monatlichen Obulus und kann – so fern es die Zeit (und bei manchen die Kinder) zulässt – den Vorzügen des Online-Streamings von Medieninhalten fröhnen.

Ab und an fragt sich dann di*er ein oder andere wie sich das eigentlich finanzieren soll. Aber die Gedanken wischt man schnell bei Seite. Denn früher war ja auch der Internetzugang sooooo teuer, dass man nur selten oder wenig im Internet unterwegs war. Auch weil man in der Zeit (außer man hatte schon ISDN) nicht parallel telefonieren konnte. Und das Internet war einfach Neuland, gespickt mit ein paar Unternehmen, die damals niemand kannte oder die heute schon wieder verschwunden sind.

Und heute?

Mama Juja goes nerdy: Gastbeitrag zum Thema "Geschäftsmodell Userdaten"Internet gibt es quasi fast überall (ja ich weiß etwas überzogen) und kosten tut es – verglichen mit früher – wirklich fast nichts mehr, denn sonst hätten wir wohl kaum annähernd alles am beziehungsweise im Netz was nur irgendwie möglich wäre. Computer, Drucker, Smartphones, Bestell-Devices (Alexa oder Dash Buttons) und alles wird smart. Dass dabei smart – nach dem Chief Research Officer (CRO) von F-Secure nicht anderes als verwundbar heißt interessiert die meisten jedoch nicht, denn der Kühlschrank kann jetzt Updates und Nährwerttabellen aus dem Internet ziehen. Meist ist die einzige Frage: Kostet dieses Feature extra? In aller Regel schon. Aber nur beim Kauf. Dass durch solche Features, die ständig laufende Server benötigen, zusätzliche Kosten für den Verkäufer bzw. vielmehr den Hersteller entstehen wird erst mal nicht klar. Außer wenn beispielsweise Logitech Server für die Harmony Fernbedienung abschaltet.

Überlegen wir doch mal kurz welche Dienste wir durchschnittlich in Anspruch nehmen. Twitter, Facebook, Google und Gmail (oder vergleichbar) sind da oft dabei. Und die bieten ihre Dienste kostenlos an. Jetzt stellt sich aber die Frage, ob das wirklich kostenlos sein kann. Mikko Hypponen, oben genannter CRO bei F-Secure, hat auf der re:publica 2015 einen interessanten Vortrag gehalten, in dem er thematisiert wie solche Firmen im Internet Geld verdienen. Aber wie konnte es überhaupt soweit kommen, dass wir keine Wahlfreiheit haben wie wir bezahlen? Im Kern haben wir da zwei Probleme. Das eine Problem beschreibt auch Hypponen in dem Talk. Das Problem kommt schlichtweg aus der Ecke, dass es in den Anfangszeiten des Web keine Möglichkeit gab (und auch keine geschaffen wurde) dies zu realisieren. Meine Vermutung an der Stelle ist, dass man damals noch gar nicht überblicken konnte was alles möglich ist beziehungsweise was wir Stand heute alles im Internet machen können. Möglicherweise waren hier aber auch schon Lobby-Kräfte am Werk.

Lobby-Kräfte?

Google hat 2014 Google Contributor ins Leben gerufen, um durch eine Art Micropayment dieses Problem anzugehen. Stand heute unterstützen 41 Seiten  das Programm. Es hat eine spärliche englische Wikipedia Seite und das war‘s. Ich würde ja sagen das Projekt ist tot. Es gibt aber beispielsweise auch den Browser Brave, der ein Micropayment-System hat und dies auch auf die mobilen Endgeräte bringen will. Leider werden aktuell nur Bitcoin-Varianten unterstützt, aber man arbeitet an einer Möglichkeit das Wallet des Browsers mit Kreditkarte befüllen zu können. Die teilnehmenden Seiten bekommen so auf Basis der Aufrufe und der Verweildauer Geld aus dem Wallet des Nutzers, dass anonym über den Browser-Hersteller an den Content-Provider geht.

Mama Juja goes nerdy: Gastbeitrag zum Thema "Geschäftsmodell Userdaten"Aber was machen die Firmen, die das nicht haben, nicht wollen, nicht können oder nicht kennen? Zum Großteil wird sich hier mit Tracking und Ads, also Werbung, beholfen. Aber warum der Aufwand, wenn man auch „nur so“ Werbung platzieren könnte? Die Firmen versuchen durch gezieltes Tracking ein möglichst genaues Nutzerprofil zu erstellen um dieses verkaufen zu können. Höchstbietend. Wofür? Man kann es ahnen. Werbung. Und nochmals Werbung. Was macht der User, der sich wehren will? Meist nicht die Seite ignorieren, weil man ja gezielt deren Inhalt wollte, sondern ein Tool installieren, dass Werbung blockt (oder ein Browser). Ziemlich verbreitet – vor allem in Deutschland – ist dabei AdblockPlus von Eyeo. Die vor einigen Jahren sehr in Verruf geraten sind, weil sie bestimmte Werbung whitelisten – sprich nicht ausblenden. Dazu muss die Werbung gewissen Standards folgen und die Firma muss sie einreichen. Dann sieht der Kunde die Werbung trotz AdBlock. Damals ein riesiger Aufschrei, weil auch der Verdacht existierte, dass Geld im Spiel zu sei. Diese Art von Werbung nennt sich ‚acceptable Ads‘ wird jetzt auch seit neustem in Google Chrome geblockt. Aber Moment ? Google verdient doch so viel mit Werbung? Idealisiert betrachtet kann man jetzt sagen, dass Google daran interessiert ist nur „gute Werbung“ zu erlauben, damit die Akzeptschwelle des Nutzers nicht zu drastisch abfällt und Google dann gar kein Geld mehr mit Werbung macht. Bösartige Zungen behaupten hier, dass Google eine weitere Geldquelle erschließen will aufgrund der Verbreitung des Browsers und der Möglichkeit der Daumenschraube über die ‚acceptable ads‘ Schiene.

Warum Werbung blocken?

Aber warum blockt man denn Werbung? Nur weil sie stört und keine Möglichkeit gibt für Content vernünftig zu bezahlen (oder das werbefrei-Modell wie bei golem.de zu verwenden)? Definitiv nein. Das Stichwort hier heißt Malvertising (bösartige Werbung). Und zwar kann mit Werbung Schadsoftware auf den Rechner beziehungsweise das Smartphone gebracht werden. Dabei werden auch aktuelle Trends berücksichtig und Cryptominer verteilt, die das Opfergerät – ohne ausdrückliche Zustimmung der Nutzer*innen – zum Bitcoin schürfen ausnutzen. Prominente Opfer ? Viele – unter anderem mal wieder das NHS (National Health Services) in England. Besonders ärgerlich? Die Software verbreitet sich weiter.

Aber ist das das einzige Problem mit Werbung? Nein, leider nicht. Es geht auch noch um Datenverbrauch (Embedded Tweet ), und darum, dass durch das Laden von Content über Code im Browser – vorausgesetzt man sichert das nicht richtig ordentlich ab – man auch durchaus Malware abbekommen kann.

TL;DR; :

Es muss was passieren. Und es muss ein Umdenken geben bei den Nutzer, dass Privatssphäre und Persönlichkeitsprofile keine Währung sind. Und umso mehr Menschen etwas tun (bestenfalls kanalisiert) umso besser. Braucht ihr Motivation ? Nehmt das.

#fightforyourdigitalrights

#protectYOURdata

 

Thomas schreibt auf Twitter unter @koppts und diskutiert gerne über den Alltag, Unsinn, Bücher, Eishockey, Software und harte handgemachte Musik.

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Joah, wissen Wir jetzt besser Bescheid, ne?! Motivation ist vermutlich nicht ganz so unser Problem, wie Zeit es ist. Aber ich persönlich finde es schon einen guten Anfang, wen Ihr Euch die Zeit genommen habt, auch Nicht-Mutti-Beiträge anzuklicken. Wissen ist Macht und im Fall von Thomas ist die Macht mit uns!

Küsst alles, was Ihr nicht geblockt habt und vergesst die Kinder nicht.

Eure Julia

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