Hausfrau und Wirrkopf

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Ich bin heute, was ich früher nie werden wollte. Quasi mein eigener schlimmster Zukunftsalptraum. Ich habe für nix und wieder nix einen horrenden Berg Studienschulden und sitze zu Hause mit Schürze und Staubwedel und koche Essen für den Gatten, während ich die nörgelnden Bälger bespaße. Ich. Bin. Hausfrau.  *hier aufgebrachtes Schnauben und Rascheln einfügen*

Okay, ich übertreibe. Aber wirklich nur etwas. Schürzen sind überflüssig, den Staubwedel versucht der Kleinwikinger immer zu essen und der Großwikinger würde sich niemals NEBEN dem Kochen abspeisen lassen. Nicht übertrieben ist jedoch, dass ich gerade meine eigene Anti-Zukunft lebe. Während des Studiums konnte ich nur mühsam an mich halten, wenn ich in Kontakt mit einer dieser (hoffentlich nicht ansteckenden) Hausfrauen kommen musste. Oder diese exotischen Alternativen, die sich überlegt haben (oder halt auch nicht, ne?!), dass Studium und Kind irgendwie zusammen ganz witzig wäre. Kinder? Wäh. Hausfrau? Bäh. Pärchenkacke? Uäghs!

Und irgendwie ist es jetzt doch genau so gekommen.

Und ich liebe es. Nicht von Anfang an, da sollte ich evtl. ehrlich sein. Während ich die Sache mit der Pärchenkacke ziemlich rasant für mich entdeckt habe, hat es mit den Kindern doch erstmal etwas geholpert. Rein logistisch war die Reihenfolge an sich ganz richtig: Erst Mann, dann Kind. Ich dachte allerdings bis zur Geburt des Großräubers tatsächlich, dass eine Beziehung aufzubauen, die nicht nach einer Nacht endet, der schwere Teil an der Sache wäre. Tjanun.

Und dann kommt so eine Geburt über einen. Die erste. Suboptimal, wie so viele. Und dann hast du da dieses Baby im Arm liegen. Und keiner kann dir so wirklich sagen, was du damit anstellen sollst. Was du alles NICHT tun sollst, davon hast du schon dreihundert Meinungen von zehn Personen. Aber wie genau man so einen Alltag mit Kinder überlebt? Wie man mit der Ungeheuerlichkeit klar kommt, dass man ein Persönchen in die Welt gesetzt hat, das eigene Bedürfnisse hat? Wie du deine Bedürfnisse, die des Menschenbündels und am Ende noch die eines Partners in Einklang bringen sollst? Ich meine damit nicht, das, was nach Außen hin abgefordert wird. Das ist relativ schnell klar. Aber wie man nach Innen glücklich damit wird?

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Götterdämmerung im Hause Juja

Willkommen in klappt-nicht, kann-nicht und will-nicht.

Wie gesagt: Es war holprig und ist nach wie vor sehr weit entfernt davon, glatt zu laufen. Denn als erstes wurde mir bewusst, was ich alles nicht (mehr) kann oder noch nie konnte. Und es hat sich angefühlt, als würde ich es nie lernen. Kuscheln zum Beispiel. Lacht nur, ihr Scherzkekse, aber für jemanden, den nicht mal die eigene Mutter ohne Vorwarnung umarmen darf ist DAS eine harte Nuss. Unentwegt angefasst zu werden, obwohl man das vielleicht gar nicht will. Und dann noch dafür sorgen, dass dieser Klebestreifen sich dabei wohlig und geborgen fühlt. Das ist schon das Profilevel. Und dann sind zwei Monate um und der Partner fragt zaghaft, ob er denn auch mal wieder mitkuscheln dürfe. Was eine Verzweiflungsexplosion meinerseits zur Folge hat, wie sie zum Glück nur noch selten diese Familie überrollen. Also, die Kurzfassung: Danke Ihr süßen Kerle, heute kann ich kuscheln. Viel, ausgiebig und mit Wonne. Ich möchte den ganzen Tag die kleinen Speckfüße herzen und die Buddhabäuche prusten und am Abend im Arm meines Gatten eingekuschelt einschlafen. HA! Nimm das, du Angst vor ungefragter Berührung!

Hausfrau und tickender Wutvulkan

Dann die Sache mit der Geduld. Ich kann ja gut trösten, wenn einer weint. Auch wenn einer zweimal weint. Aber wenn das Menschenbündel einfach nicht mehr aufhört zu weinen und all meine Bemühungen das Problem nur zu verschärfen scheinen- dann. Dann! Ergreift mich eine Wut, wie ich sie im Studium kaum zu Gesicht bekam. Warum auch. Hatte zwei gesunde Beine, habe stehen lassen, wer mich nervte, Thema erledigt. Ich coole Socke. Und dann raste ich aus, weil das Krabbelkind „Nein“ für ein lustiges Spiel hält. Das Kind ist kaum ein Jahr und ich merke, dass das meiner Wut ganz egal ist. Wenn ich Dinge zehnmal sagen muss. Oder zehnmal aufräumen muss. Dann. Explodiere. Ich. Schon. Wieder.

Tja. Wäre jetzt nett zu lesen, wenn ich schriebe: Danke ihr geliebten Kinder, heute weiß ich, wie ich geduldig sein kann. Ähm. Leider: Nö. Aber: Ihr kleinen heißgeliebten Monster, an meiner Wut und meiner Ungeduld haben wir schon so viel verbessert, wie ich es im Leben nicht für möglich gehalten habe. Ich schreie immer noch viel zu oft. Ich bin immer noch aus Ungeduld viel zu oft unfair. Aber ich arbeite. Ich übe. Und ich tue es gern. Danke. Monster!

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Long way to go

Überhaupt: Danke ihr Wonneknubbel!

Man kann am Kinderhaben ja wirklich vieles bemängeln und in ganz vielen Punkten finde ich auch: Völlig zu Recht, das hat uns vorher keiner gesagt! Trotzdem sind einige wirklich gute Sachen bei dieser Hausfrauenapokalypse herausgekommen: Dass ich sehr glücklich bin zum Beispiel. Ich denke ja immer, sobald ich das zugebe, wird es sich schlagartig ändern. Aber so ganz grundsätzlich bin ich einfach glücklich. Ganz komisches Gefühl. Vor allem so lange.

Und irgendwann hat es sich auch eingeschlichen, dass ich mich stark fühle. Obwohl ich keinen 80 Sunden-Job manage. Sondern eine kleine Familie und höchstenfalls 2o Stunden Teilzeitarbeit. Und trotzdem blitzt mir manchmal Wonderwomen aus den Augen. Einfach weil ich weiß: Für diese Menschen  bringe ich irrsinnige Kräfte auf. Neuerdings sogar für mich. Noch verrückter. Und irgendwie haben meine Kinder mit diesem Gefühl zu tun. Paradoxer Weise machen diese kleinen, anfangs noch so hilflosen und pflegeintensiven Bündel mich stark. Wahnsinn, oder?

Tschakkaaaa! Ich kann jetzt…

Ich kann auch fremde Leute auf der Straße plötzlich anlächeln, weil ich mir denke, dass sie das vielleicht ein bisschen aufheitert. Außerdem:  Bekloppte Dinospiele mitmachen und zwischen „uuuäääh, ich fresse dich jetzt“ und „ich bin ein tiiiirex“ bewundern, wie unfassbar schön so ein Kind sein kann. Auch mit Popel an der Backe. Und Milchspucke auf dem Body.

Durch Kindertunnel krabbeln oder auf Bäume klettern, um Obst zu sammeln- wusste ich nicht, dass ich das überhaupt je können sollte. Kann ich aber. Dass ich ein fallendes Kind im Augenwinkel sehe UND auffange, wenn es irgendwie im Bereich des Menschenmöglichen liegt. Oder schlichtweg im Sprung umniete, wenn ich merke, Rennen reicht nicht , um die Begenung Kind – Grill zu verhindern. Dass fünf Stunden Schlaf zum Erhalt der Lebensfähigkeit reichen und gemeinsam Lachen besser ist als jeder Kaffee.

Ich kann empathisch sein und vielviel geduldiger. Je älter ich werde und je mehr Kinder ich habe, desto weniger überheblich kann ich sein. Desto entspannter kann ich auf andere blicken, ohne mich angegriffen zu fühlen. An keiner Stelle behaupte ich, dass ich ein Buddhagleiches Leben führe. Aber im Vergleich zu Julia-im-Studium ist Julia-mit-zwei-Kindern wirklich ziemlich tiefenentspannt. Ich kann eklige Dinge aushalten, wegwischen und im Zweifelsfall auch mit nach Hause nehmen, baden und mein Kind darunter entdecken. Ich kann Kastanien Monatelang in der Handtasche spazieren tragen und auf Nachfrage des Sammlers instantan stolz präsentieren. Ich. Baue. Lego. (!!!)

Ich erledige den Haushaltskram unfuckingfassbar effektiv. Nicht schön, aber selten.  Und all das kam irgendwie mit und zu den Kindern. Und dem Gatten. Hachz. Ich kann Euch gut leiden. Und dank Euch mich jetzt auch.

 

Eure Julia, Hausfrau und Wirrkopf

 

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Das ist keine Hausfrau. Und es ist auch nicht Sommer. Aber es sind zwei meiner liebsten Kerle. Der dritte im Bunde wuselt vermutlich grade im Off. Große Kerle, große Liebe!

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8 Kommentare

  1. Danke für diesen Text! Er macht dankbar und zufrieden zum Jahresende.
    Vielleicht magst du ja mal kurz einen Einblick geben wie frau kuscheln lernen kann…😊

    1. Oh vielen Dank! Aber da sind wir ja schon zu zweit, finde ich! 😉
      Es ist schon eine schöne Sache, dass man mit den Kindern mitwachsen darf, oder?

  2. Toll geschrieben ❤😀
    Ich empfinde so vieles ähnlich und beim Lesen schlich sich ein Lächeln in mein Gesicht und bleibt wohl noch den ganzen Tag.Danke dafür und dass Du diesen Artikel mit mir für meine Blogparade teilst.

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