Gender Grenzen

Gender Grenzen

Ich habe unlängst über Gender. Wahn und Sinn.  geschrieben und ich habe Euch versprochen, Euch auf dem neuesten Stand der müden Mutter-Gedanken zu diesem Thema zu halten. Ein bisschen habe ich aus dem ersten Beitrag vielleicht schon gelernt. Vielleicht aber auch nicht. Denn nachdem ich mich vielem öffnen wollte und vieles neu überdenken wollte fällt mir vor allem eins auf: Meine eigenen Grenzen.

Wichtig ist an dieser Stelle vor allem, dass es MEINE Grenzen sind. Sie sind persönlich, sie sind ausschließlich von und mit mir verhandelbar und sie haben nie die Absicht zu verletzen oder diskriminieren. Es sind Gedankenschranken, die nur in meiner Welt existieren und die die Eure nicht berühren sollten, wenn Ihr nicht wollt. Ich will gar nicht behaupten, dass diese Grenzen endgültig oder am Ende gar sinnig, stimmig oder logisch wären. Denn es scheint, als wäre mein innerster Kern stets das Chaos und die Inkonsequenz- warum sollte es also beim Thema Gender anders sein?! Aber sie sind nunmal da und letztlich sind diese Schranken Ausgangspunkt und Basis all meiner Überlegungen. Auch wenn sie objektiv falsch sind, so muss es doch legitim sein, sie zu äußern, wie sie sind. Anders nämlich kann ich sie nicht verschieben als so:

Kenne deine Grenzen und benenne sie!

Im ersten Genderartikel zum Beispiel ging es um als stereotyp weiblich wahrgenommene Menschen. Im klassischen Rollenklischee. Und dass ich mit diesen Menschen nicht besonders viel anfangen kann. Vielleicht gar nicht so sehr, weil ich rosa als Farbe auch nach reiflicher Überlegung für mich inakzeptabel finde. Vielleicht ist es auch ein Privileg eines als weiblich eingeordneten Menschen, sagen zu können: Nagellack interessiert mich nicht die Bohne. Bloß: Von diesem Gedanken alleine (dass rosa eine Farbe ist wie jede andere und es Menschen gibt, die liebend gerne über Nagellack reden würden, es aber nicht wagen weil…) wird weder die Farbe noch der Lack interessanter für mich. Umgekehrt schließe ich aber auch keinen Menschen aus meinem Leben aus, nur weil er gerne über rosa Fußnägel redet. Kann er ja. Bloß eben nicht immer mit mir. Ab und zu bin ich dabei. Aber dann ist sie da wieder, meine Grenze und ich bin ehrlich: Ich mag sie und ich lebe gut dahinter.

Meine Grenze darf und kann keinen Menschen bewerten

Der Punkt an solchen Dingen ist oft, dass sich rosa-liebende Nagel-Menschen jetzt ein bisschen bedröppelt sehen. Und sich fragen, was denn bitte daran so schlimm sein soll. Etwas größer gedacht stellt sich die Frage: Bringe ich rosa- Liebhaber mit meiner doofen persönlichen Grenze nicht sogar in eine Situation, in der sie diskriminiert, unterschätzt und ungerecht behandelt werden? Denn: diese verflixte Farbe sagt überhaupt null nichts über den Träger aus AUßER, dass da jemand rosa mag. Und ich hoffe, Ihr versteht mich recht, wenn ich sage: Nicht mehr und nicht weniger kann und will meine poplige, doofe, persönliche Grenze dann doch berühren als das. Dass da einer in einer Farbe rumrennt, die ich nicht mag. Grellgelb finde ich im Übrigen auch ganz doof und da stellt sich diese ganze komplizierte Frage gar nicht. Einfacher wäre es wohl, ich würde rosa mögen und schwarz stattdessen nicht.

Gender Grenzen
Quelle: Pixababy

Ist aber halt umgekehrt.

Denn im großen und Ganzen interessiert mich die Lieblingsfarbe eines Menschen vorrangig dann, wenn ich ihm Blumen schenken, oder ein Shirt kaufen will. Aber dann mag ich den ja schon. Oder eben auch nicht. Und diese Farbe würde einfach nix dran ändern. Für Euch getestet!

Was tun jetzt also, mit solchen Erkenntnissen? Dass ich viele, als stereotyp weiblich wahrgenommene Dinge und Verhaltensweisen nicht sehr mag? Schweigen? Den Kindern rosa Röcke anziehen, damit sie nicht in ein Klischee gepresst werden, das gar nichts mit Ihnen zu tun hat? Selber rosa tragen, damit … ja… ich weiß auch nicht? Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung. Ich äußere meinen Kindern gegenüber, wenn ich etwas nicht mag. Also wissen sie auch, dass ich rosa nicht mag. Ich mache aber auch keine Hehl aus den Dingen, die ich mag. Und ich mag schwarz. Keines meiner Kinder hat etwas für schwarz übrig. Aber ich mag mich zum Beispiel jeden Tag schminken. Und ratet mal, wer eine heiße Vorliebe für mein (ein Glück, is bio!) Puder entwickelt hat und sich einmal am Tag mit mir gemeinsam das Gesicht pudert, wenn er darf? Tjanun.

Das macht noch keine Gender-korrekte Erziehung

Aber das ist Alltag. Derselbe Alltag, der rosa doof findet. Und ich finde es eigentlich schade, dass ich solche Beispiele aufschreiben muss, damit klar wird, dass ich gar nicht im Sinn habe, die Kinder in irgendwas zu zwingen. Oder dass ich immer wieder beteuern muss, dass ich über das Problem nachdenke, auch wenn Ihr von mir nie Sätze wie „Mein Kind mit Penis“ oder „Mein Kind mit Vulva“ lesen werdet. Ich schreibe von Jungs und Kindern. Von Rabauken und Wikingern. Von Butterkeksen und Großkindern. Aber was genau heißt das denn? Was heißt es denn, dass die Kerls vornehmlich Hosen oder nichts tragen- wie ich und der Wikingergatte eben auch? Muss ich dazu schreiben, dass der Gatte hin und wieder gerne Rock trägt und es im Urlaub zB auch tut? Macht das die Sache besser? Ich erinnere daran: Immernoch der Haushalt mit dem rosa-Bashing. (Und ein Haushalt mit kräftigen Oberschenkeln. Ich sage Euch: Röcke sind nicht SO viel toller als Hosen. Nicht, wenn die Oberschenkel sich berühren. Kein Scherz.)

Gender me and Gender you.

Hach. Ich weiß es doch auch nicht. Aber vorläufig ist meine Gender-Hoffnung darauf zurück geschrumpft, dass ich es zumindest schaffe, offen zu bleiben. Die Augen offen zu halten. Den Kindern so zumindest ein bisschen mehr Tellerrand und Horizont zu eröffnen, als ich ihn habe. Denn Gender ist wahrlich nicht meine einzige Baustelle und vor allem nicht die dringlichste. Bevor jetzt wieder einer mit mir meckern will: Meine dringlichste Baustelle ist meine Brüllerei und spätestens nach diesem Beitrag von Nooborn werdet Ihr mir zustimmen, dass DAS vor Rosa und Nagellack kommt. Echt.

Gender Grenzen
Quelle: Pixababy

Bis dahin: Küsst die Kinder und lasst sie sein, was Ihr sie sein lassen könnt. Ich glaube, am Ende machen sie es eh besser als Wir!

Eure Julia

 

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