Gastbeitrag: Die Gretchen-Frage oder wie macht ihr das so mit der Religion?

Die #Gretchenfrage

Die #Gretchenfrage ist gestellt und ich freue mich sehr, dass Ida von A Bullerbü Life sich bereit erklärt hat, die erste der möglichen Antworten zu geben! Viel Spaß beim Lesen…

Julia hatte vor Kurzem eine – wie ich finde – sehr schöne Idee, denn sie rief eine Blog-Reihe zum Thema Religion und Familie ins Leben. Und sie bat mich von unserem Glauben in der Familie zu erzählen. Na dann mal los!

Was Glaube in der Familie für uns bedeutet

Unser Glaube ist für uns vor allem Beziehung. Beziehung, Vertrauen, Liebe, Freude und Begeisterung. All das, was wir auch in der Familie füreinander empfinden und miteinander teilen, das empfinden wir auch für Gott. Und das teilen wir auch mit Gott. Und noch viel mehr.

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G.K. Chesterton – der in vielerlei Hinsicht genial ist – drückt genau das in einem Zitat sehr passend aus:

“Let your religion be less of a theory and more of a love affair.”

G.K. Chesterton

Unser Glaube ist für uns nicht in erster Linie religiöse Wissensvermittlung – das ist es auch und das ist uns auch sehr wichtig. Aber dabei bleibt es nicht stehen. …less of a theory. Religiöses Wissen allein macht noch keinen Glauben aus. Schon gar keinen lebendigen.

Wie Wissen und Beziehung zusammen kommt

Uns ist natürlich sehr wichtig, dass unsere Kinder erfahren, wer Jesus ist, was er tut, was seine Botschaft ist. Uns ist wichtig, dass sie von Propheten, Aposteln und Heiligen hören und lernen. Dass sie die Bibel und die wichtigsten christlichen Gebete kennen. Aber das ist nur die eine Seite.

Die andere Seite ist unsere Beziehung zu Gott, unsere Begeisterung für ihn, die Freude über seine Botschaft. In unserer Familie spielen weniger religiöse Pflichten eine Rolle, sondern mehr unser Staunen über diesen Gott, der so groß und so stark ist. Der uns geschaffen hat, der uns unsere Kinder geschenkt hat. Und mit dem wir zum Teil auch ringen und hadern.

Krisen gibt es in jeder lebendigen Beziehung

Auch in der Beziehung mit Gott. Das ist Teil des Weges. Manchmal verstehen wir ihn nicht, manchmal gefallen uns die Wege nicht, auf die er uns führt. Manches ist schmerzlich, was uns im Leben passiert – und das ist zum Teil nur sehr schwer zu ertragen.

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Tröstlich ist in diesen Momenten, dass wir wissen, dass Gott mit uns leidet. Er ist bei uns in unseren dunkelsten Stunden. Das Buch Hiob in der Bibel erzählt uns von solchen schweren Stunden, von Zweifeln an Gott. Auch von Wut auf Gott. Und Wut auf Gott ist OK – Gott ist uns nicht fern, er ist immer in Beziehung mit uns. Und in Beziehungen gibt es manchmal eben Wut. Von Hiob lernen wir, dass wir Gott auch anklagen dürfen.

Vertrauen trägt

Durch schwere und unsichere Stunden trägt uns unser Vertrauen auf Gott. Das Vertrauen, dass wir im Leid eben nicht allein sind. Dass auch Gott gelitten hat – und das sogar für uns. Und dass wir ihm vertrauen können, das erfüllt uns mit Freude und Zuversicht. Mit Begeisterung.

Wir vertrauen ihm unsere Kinder an, die das Wertvollste in unserem Leben sind. Denn sie kommen von ihm und er hat sie uns anvertraut. Und das ist schon irgendwie ziemlich erstaunlich – denn diese Kinder vertrauen wir uns eben irgendwie gegenseitig an.

Unser Gebet für unsere Kinder

Danke, Jesus, dass unsere Kinder bei uns sind. Bitte segne und behüte sie. Wir vertrauen sie dir an, denn wir wissen, dass sie bei dir am allerbesten aufgehoben sind.

Wir beten mit und für unsere Kinder – morgens, vor dem Mittagsschlaf, vor dem Essen und abends vor dem Schlafengehen. Wir beten mit ihnen auch für andere – für ihre Freunde, für unsere Freunde, für uns als Familie, für Verwandte, für alle Kinder dieser Welt. Und manchmal auch für ihre Kuscheltiere. Oder ein Rotkehlchen. Wir haben mehrere Kinderbibeln und sprechen gemeinsam über die all das, was dort erzählt wird. Wir staunen gemeinsam, wir freuen uns gemeinsam. Und manchmal trauern wir gemeinsam.

Die Rolle der Musik

In unserer Familie spielt auch Musik eine große Rolle. Unsere Kinder singen viel und wir singen viel mit ihnen. Manchmal machen wir gemeinsam Musik und manchmal hören wir gemeinsam Musik. Mit Musik können wir viel von unserer Freude, von unserer Begeisterung und auch von unserem Vertrauen ausdrücken.

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Mit Musik können wir aber auch Dankbarkeit und Staunen zum Ausdruck bringen. Lobpreis eben. Im Epheser-Brief heißt es dazu:

Singt miteinander Psalmen, und lobt den Herrn mit Liedern, wie sie euch sein Geist schenkt. Singt für den Herrn, und jubelt aus vollem Herzen!

Epheser 5,19 (Übersetzung: Hoffnung für alle)

Glaube als Geschenk

Unser Glaube ist für uns ein Geschenk (Epheser 2,8) und wir freuen uns, dieses Geschenk in der Familie, in Gemeinschaft und mit Freunden teilen zu können. Gleichzeitig macht uns das Bewusstsein, dass Glaube ein Geschenk und eben keine persönliche Leistung ist, aber auch vorsichtig. Vorsichtig im Urteilen zum Beispiel. Wir sind keine besseren Menschen, nur weil wir Christen sind.

Unser Glaube ist kein elitärer Club, kein Club für die, die es schon geschafft haben. Unser Glaube bietet uns eine Gemeinschaft, eine Heimat. Aber er ist auch ein Auftrag – ein Auftrag für andere da zu sein. Und auch ein Auftrag an uns, an uns selbst, an unserer Persönlichkeit und unserem Charakter zu arbeiten.

Die Antwort auf alle Fragen?

Die haben wir nicht. Und wir glauben, dass nur Gott allein sie hat. Es gibt immer wieder Momente, in denen wir etwas nicht verstehen. Wir verstehen nicht, warum etwas passiert. Wir verstehen manche Abschnitte in der Bibel nicht. Manchmal sind wir ratlos. Glauben ist immer auch Suchen.

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Wir bemühen uns, unseren Kindern unsere Werte zu vermitteln – die zum Teil in einem gewissen Spannungsverhältnis zur Kultur um uns herum stehen. Und gleichzeitig bemühen wir uns darum, unsere Kinder zu lehren, dass sie andere nicht verurteilen sollen. Weil sie anders leben als wir. Weil sie andere Werte haben als wir. Weil sie etwas anderes glauben als wir (Matthäus 7,1).

Einen Standpunkt haben, ohne andere zu verurteilen – kein einfaches Unterfangen

Aber unser Auftrag. Und alles andere wäre snobistisch. Für uns gibt es kein 10-Punkte-Programm, keine Bedienungsanleitung dafür wie wir unseren Glauben leben. Unser Glaube ist in erster Linie eine lebendige Beziehung – mit Höhen und Tiefen. Und mit viel Freude und Begeisterung. Unser Glaube ist für uns Heimat. Und auch ein Fest.

Ein Fest, dass sich in vielen religiösen Feiern im Jahreskreis zeigt. Im Gottesdienst am Sonntag. In Ritualen im Alltag – im Gebet, in der Musik, im Segen. Unser Glaube beeinflusst wie wir miteinander umgehen, miteinander sprechen, über einander sprechen. Über andere sprechen. Wie und ob wir Verantwortung übernehmen. Für uns, für andere, für die gesamte Schöpfung.“

 

…in diesem Sinne:

Küsst die Kinder, umarmt die Schöpfung

Eure Julia

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