Die #Gretchenfrage – wie hast Du’s mit der Religion?

Die #Gretchenfrage

Ich sag Euch ganz ehrlich, Religion ist ein heißes Eisen. Da möchte man gar nicht ran. Zu viele Nesseln, in die man sich setzen kann. Zu viel Gefühle, die man verletzen kann. Neeneenee, da lässt man lieber die Finger von. Vor allem, wenn man nur einen popligen Mutti-Blog schreibt und darauf angewiesen ist, dass man seine wenigen treuen Leser nicht mit sowas vergrault.

Ja, das ist jetzt blöd. Denn: Ich plane  nämlich eine kleine Reihe zu dem Thema. Weil ich nicht umhin komme, zu erkennen: Das ist wichtig.

Also genau genommen ist Religion für mich persönlich überhaupt nicht wichtig. Dabei ist es nicht so, dass ich einfach ein bisschen doof bin und deswegen nicht bis in die Kirche finde. Es ist auch nicht so, dass meine Umgebung aus krassen Atheisten besteht, die bei einem Glas Rotwein Heidegger zitieren. Überhaupt, wer hat mit Kindern schon Zeit für Heidegger und Wein?! Nee, ich hab schon versucht, mir das anzusehen. Auch mitzumachen. Aber die Geschichte mit der Religion bleibt für mich etwas wie Pen and Paper oder Rollenspiele: ich stehe dann neben mir, sehe mir zu, wie ich die erwarteten Dinge tue und komme mir vor wie der letzte Volldepp, weil es wirklich nur äußerlich ist und innerlich Null ankommt.

Römisch Katholisch? Äh, grade nicht, danke.

Die #Gretchenfrage
Nicht leicht zu erkennen, diese Antworten…

Das gilt für mich ganz persönlich. Und ich möchte das weder ändern, noch groß diskutieren. Ich bin pünktlich zu meiner Eheschließung aus der Kirche ausgetreten und ich vermute, wenn meine bayrischen Verwandten das wüssten, gäbe es ziemlichen Ärger. Aber es ist, wie es ist, sagt mein Verstand. Und er will einfach nicht hören, dass wir ohne Gott unser Leben nicht tragen können. Und er will sich auch nicht vertrauensvoll in Gottes Hände legen. (Frei nach einer Predigt auf einer wirklich schönen Hochzeit).

Mein Verstand und ich, wir tun was wir können. Aber eben wir zwei und kein Dritter. Ich bin für mich und mein Glück verantwortlich. Und ich will und werde mich nicht auf eine vermutete Instanz verlassen, sondern auf das, was ich kann und vermag. Ich behaupte weder, alles auf dieser Welt erklären zu können, noch es begriffen zu haben. Auch kann und will ich gar nicht ausschließen, dass es eine göttliche Instanz gibt. Ob die allerdings möchte, dass wir Häuser zu ihrer Anbetung bauen und Kirchensteuer zahlen… Also… Naja.

Glaube ist keine Institution!

Wo wir bei einer sehr wichtigen Unterscheidung wären: der Glaube an sich ist nicht gleichzusetzen mit der Institution Kirche. Das ist mir deswegen so wichtig, weil eine Institution für mich etwa so gut oder schlecht funktioniert wie eine Behörde. Und das Tolle (sic!) daran ist, dass man nichts an dieser Institution verändern kann, wenn man nicht Mitglied ist. Wenn man aber Mitglied ist, muss man sich an Regeln halten, die eine Veränderung unmöglich machen. Sonst fliegt man raus. Ich schätze, das Arbeitsamt funktioniert ähnlich. Und Luther kann ein Lied von diesen Mechanismus singen. Das alles hat aber nichts mit dem zu tun, was jemand der glaubt, in seinem Herzen trägt. Behaupte ich jetzt einfach Mal. Sonst haben wir hier gleich Krawall und das war ja nicht die Absicht…

Die #Gretchenfrage - Wie hältst Du`s mit der Religion?
„Yes, there are two paths you can go by“ Quelle: Pixababy

Wieso ich mich dann in diese Nesseln setze, wo ich mir mit meinen (Nicht-)Glauben doch so sicher bin? Tjanun. Ich bin nicht mehr allein. Ich habe zwei Söhne. Und diese Familie ist keine Insel. Das Großkind kommt mit Religionskram in Berührung und ich muss irgendwie darauf reagieren. Muss? Naja. Ich WILL. Denn: Ich will zB nicht, dass er diese Dinge hinnimmt, ohne sie zu hinterfragen. Ich will, dass er weiß, dass das hier eine Frage des Glaubens ist und keine Frage der Tatsachen. Weder das, was jemand glaubt, der glaubt. Noch das, wovon ich glaube, dass ich es nicht glaube.

Kurz: Was auch immer dieses Kind mit der Tatsache veranstalten will, dass es da zwei oder mehr Möglichkeiten gibt- es darf nie aufhören zu fragen. Und ich frage mich dann eben: Wie bekomme ich DAS hin, ohne ihm meinen Stempel aufdrücken?! Meine Priorität ist klar. Und viele Fragen zum Thema Religion kann ich mangels Wissen schlicht nicht beantworten. Aber sollte er an einen Gott glauben wollen, dann sollte er das dürfen. Oder?!

Wie halt ich`s mit den Drachen?

Die #Gretchenfrage - Wie hältst Du`s mit der Religion?
Geht klar: Drachen.

Blöd nur, dass ich mit dem ollen Weihnachtsmann schon ziemliche Probleme habe… Nicht jedoch mit Drachen. Nicht mit sprechenden Tieren. Aber mit dem Weihnachtsmann und Gott. Schon ein bisschen inkonsequent. Zudem ist es  auch nicht so, dass ich christliche Werte für überflüssig halte und den Kindern mit der Rute die Nächstenliebe austreiben will. Herrje, wir leben ja schon in einer christlichen Wertegemeinschaft und diese Tatsache ist mir bewusst. Sie funktioniert (mit Abstrichen) auch hinreichend gut, diese Wertegemeinschaft. Aber muss man dafür an Gott glauben oder Mitglied einer Kirchengemeinschaft sein?

Von der ganz anderen Seite: wie viel Einfluss so eines Glaubens und so einer Kirche muss ich dulden? Ich weiß, dass das Recht auf Glaube gesetzlich verankert ist. Gibt es ein Gesetz, das meine Verweigerung zu Glauben schützt? Logisch sagt ihr jetzt, wenn du nicht willst, dann lass es. Aber wie ist das in der Schule? Wenn ich für mein Kind keinen klassischen Religionsunterricht will? Denn es sollte ja offiziell eine Wahlmöglichkeit geben. Soll ich euch etwas verraten? Das Kind muss da nicht rein. Aber was es stattdessen macht und ob der Ersatzunterricht zur gleichen Zeit statt findet und ob das nicht schon soziale Ausgrenzung ist… Das weiß ich als Laie nicht. Aber wer genau bestimmt das denn? Und wer darf zum Beispiel überhaupt so einen Unterricht führen? Was beinhaltet ein Lehrplan, der evangelische Religion lehrt im Vergleich zu dem, der Philosophie lehrt?

Wissta Bescheid, oder?

Die #Gretchenfrage - Wie hältst Du`s mit der Religion?
Quelle: Pixababy

Nee? Ich eben auch nicht.  Aber das ist einer der Punkte, über den uns als Familie Religion bald ereilen wird. Spätestens im Schulalter stehe ich dann da und… Ja, was dann eigentlich? Und was genau sage ich den jetzt meinen meinen Sohn, wenn er mich aus heiterem Himmel fragt, warum Gott die Jahreszeiten will? Muss ich da eingreifen, wenn er nach längerer Diskussion beschließt: er glaubt jetzt vielleicht nicht an Gott, aber schon an die Hölle weil- Hey!- er ist schließlich K1 und er findet gruslige Dinge total gut. Fragen über Fragen…

Ich glaube, wir machen das so: Ich bitte jetzt mal ein paar Experten zu Wort. Solche, die Religion leben. Oder gar studiert haben. Was meint Ihr? Guter Plan? Guter Plan!

Bis zum ersten Gastbeitrag: Küsst die Kinder, mit oder ohne Gebet, und lasst es mich wissen, wenn Ihr Lust habt, euch dazu zB hier auf dem Blog zu äußern!

Eure Julia

Hier antwortet:

Freya, die eine Schamanin ist

Ida, Christin und Autorin von A Bullerbü Life

Frau Rabenschnabel vom Rabenschnalbelblog

Wonderwomam & Milchegel

Phoenix

Lara von DreamingToday

Zesyra von nooborn

Denise von WorkMumBalance

Julia von Unangespießt

Hindu Talk mit Sudha

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9 Kommentare

  1. Schöner Beitrag 🙂
    Ich schreibe seit Monaten daran herum und komme nicht dazu irgendwie meine Gedanken zu ordnen. Ich bin früher aktiv in der Kirche gewesen und streng gläubig aufgewachsen. Hat sich dann geändert und heute… Naja wie gesagt, ich krieg das nicht zufriedenstellend aufs Papier..

    Auf die Gastbeiträge bin ich gespannt.
    Liebe Grüße
    Roksana

  2. Ui, ein großes Thema und oft auch ein schwieriges Thema, an das Du Dich hier wagst. Toll! Ganz einfach finde ich es an der Grundschule meines Sohnes gelöst, daher mag ich das ergänzen. Zeitgleich werden katholischer und islamischer Religionsunterricht sowie Lebenskunde angeboten. Der Unterricht in Lebenskunde ist toll und zum Glück wurden dafür Kinder verschiedener Religionen und ohne Religion angemeldet. Ein bunter Mix!

    Ich freue mich auf die Gastbeiträge! Svenja

    1. Brrr, ja mal sehen, wo das hinführt *bibber* Bisher bin ich aber echt positiv überrascht. Und sowas wie Lebenskunde wünsche ich mir für meine Wikinger ganz doll. Zumindest klingt es so. Wie findet dein Sohn die ganze Geschichte?

  3. Ich bin gespannt auf deine Gastbeiträge. Wir hatten letztes Jahr Erstkommunion, wir sind katholisch. Ich war früher aktiv in der Kirche, bis zum Studium, dann lange nicht mehr. Wir sind kirchlich getraut, unsere Kinder sind getauft. Wir feiern Weihnachten, Ostern und eben auch Erstkommunion.
    Ich kann sagen, dass ich früher gläubig war. Als Kind und als Jugendliche. Heute weiss ich es nicht mehr. Ich gebe meinen Kindern das mit, woran ich glauben möchte, weil ich denke, dass es wichtig ist einen gewissen Grundstein zu legen. Aber danach? Ein schwieriges Thema. Aber ein Gutes. Schön, dass du das Thema ansprichst.

    Liebe Grüße
    Carola

    1. Ich bin auch ein bisschen gespannt. Auf die Beiträge. Bisher ist das Ergebnis der Kommentare und Beiträge für mich cooler Weise: Religion rockt auch. Steht und fällt mit der persönlichen Ausübung. Aber so persönlich formuliert verstehe ich viele Dinge deutlich besser, als in der Theorie oder im Studium. Auch schon was, oder?! *g*

  4. Hey :),
    Finde ich super, dass du dich diesem Thema widmest. Ich selbst studiere Theologie auf Pfarramt und auch wenn mein eigener Weg klar vor mir liegt in Bezug auf den Glauben, Religion und Kirche, mache ich mir viele Gedanken um genau diese Dinge bei meinem Sohn. Er wird als Pfarrerinnen-Kind und höchstwahrscheinlich in einem Pfarrhaus aufwachsen…beeinflusse ich ihn damit nicht ganz automatisch?
    Ein schwieriges Thema, wo unglaublich viel Empathie gefragt ist.
    Ich bin sehr gespannt auf deine Gast Beiträge.
    Liebe Grüße
    Rebekka

    1. Moin! Was bin ich froh, dass ich Dich als Theologin nicht ganz vergrault habe- trotz des nicht unkritischen Blickwinkels! Und ich finde ehrlich gesagt: Da kann doch in Bezug auf deinen Sohn schon nichts mehr schief gehen, wenn selbst Du als angehende Pastorin so differenziert auf die Thematik blickst. Er hat doch die besten Vorbilder, oder?! <3

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