Die #Gretchenfrage: Lara von Dreaming Today

Moin Ihr Lieben, es ist Donnerstag und Zeit für die #Gretchenfrage! Wir hatten bisher ja schon die verschiedensten Arten zu Glauben. Heute glauben wir einfach mal NICHT. Also, nicht Wir. Sondern Lara von Dreaming Today. Wie das aussieht? Das solltet Ihr Euch nicht entgehen lassen!

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„Welche Rolle spielt Religion in meinem Leben?

Um die Spannung vorwegzunehmen, gar keine. Ich bin aus Überzeugung und mit Leidenschaft Atheistin.
Bevor ich ein wenig mehr erzähle, unsere Familie im Schnellüberlick: Wir leben in Finnland, mein Freund ist Finne, gemeinsam haben wir einen Sohn, der zwei Jahre alt ist. Hier in Finnland ist der Großteil Kirchenmitglied, gehört sich irgendwie, doch die meisten machen keinen Hehl daraus. Wir drei sind weder in der Kirche, noch getauft und kommt dies Thema zur Sprache, mache ich liebend gerne einen Hehl daraus! Mein Freund hat in einigen Dingen andere Ansichten, aber in zwei Dingen waren wir uns von Anfang an einig.

Gretchenfrage Lara Dreaming Today Atheistin
Darf ich vorstellen: Lara, Atheistin, Bloggerin, Mutter und nie zu alt für die Wippe!

Wir haben nämlich schon vor der Geburt unseres Sohns gewitzelt, dass es bei uns nur zwei Tabus geben wird: Kirche und Armee. (Finnland hat noch den Wehrdienst.) Trotzdem würde ich mich als entspannt beschreiben in Bezug darauf, meinem Kind keine Lebensweise vorzuschreiben. Ich hoffe aber, ein gutes Vorbild sein zu können. Klar, mein Sohn bekommt ein Lebensmodell vorgelebt, doch ich vertraue darauf, dass er den eigenen Weg selbstständig, gerne mit unserer Unterstützung, gehen und finden wird.
Es gibt keinen Gott, keine übergeordnete Wesen an das ich glaube. Natürlich ist Religion trotzdem Gegenstand von Gesprächen und Diskussionen zwischen uns Eltern und hoffentlich später im Austausch mit unserem Sohn.

Ich finde es wichtig informiert zu sein und interessiere mich für Geschichte, das aktuelle Weltgeschehen und da spielen Religionen nun mal eine Rolle. Sich informieren, interessiert zu zeigen, das bedeutet mir viel. Steht man hinter einer Auffassung und einem Weltbild, sollte man wissen warum.

Ich habe mein Leben selber in der Hand

Früher war ich unentspannter und das hätte sich wohl deutlich in diesem Text niedergeschlagen. Doch ehrlich gesagt, ich werde älter und gelassener, ich denke mir: „Jedem das Seine, Hauptsache wir leben friedlich zusammen.“

Ergibt sich eine Diskussion, bin ich jedoch sofort dabei! Mit 14 habe ich mal über eine Stunde mit einem Zeugen Jehovas diskutiert, der bei meiner Oma an der Tür klingelte. Ich dachte die ganze Zeit bloß: „Krass, der glaubt wirklich, dass die Welt bald untergeht.“ Aber ich finde sowas spannend, gerade besagte Unterhaltung bestärkte mich in meiner Überzeugung, dass es keinen Gott gibt. Ich allein habe mein Leben in der Hand.

Als ich in einer Vorschule gearbeitet habe, war ich die Betreuung für alle Kinder, die nicht in die Kirche gingen. Einmal vor Weihnachten blieb ich mit einigen muslimischen Kindern unserer Gruppe zurück, als der Rest beim Krippenspiel war. Die Kids begannen sich angeregt darüber auszutauschen, wie viel besser ihr Gott doch sei. Schnell entschied ich mich gegen eine Grundsatzdiskussion mit Siebenjährigen. Ich gab jedoch zu bedenken, dass es Menschen wie mich gibt, die an keinen Gott glauben. Ein Kind sagte etwas, das ich beeindruckend fand, mir aber auch das Herz schwer werden ließ:„Das klingt irgendwie einfacher.“
Ob es einfacher ist? Gute Frage. Immerhin habe ich nicht die Möglichkeit bei einem Gott Schuld zu suchen, weil (irgendwas beliebiges einfügen) passiert ist. Jedoch empfinde ich es einfach, nach meinen Prinzipien leben zu können. Für mich persönlich bedeutet Religion auch einem vorgefertigten Denkmuster folgen und vor allem Regeln.

Natürlich orientieren sich meine Prinzipien nicht nur an meinem Leben. Dinge, wie auf andere Achten, Zusammenhalt und sich für eine bessere Welt für alle Menschen, egal welcher Religion einzusetzen ist mir wichtig und ich empfinde dies als selbstverständlich. Jedoch haben sich diese Ansichten aus meinen Erfahrungen zusammengesetzt und nicht, weil ich in einer einer Kirche/Moschee/Synagoge you name it, daran erinnert werde.

Lara Dreaming today #Gretchenfrage
Keine Ahnung wie Atheisten wohnen, ein Kreuz hängt schon mal nicht über dem Küchentisch.

Weihnachten und Ostern?

“Dann darfst du aber nicht Weihnachten und Ostern feiern.“ Das hört man öfters, wenn man sich als nicht gläubig zu erkennen gibt. Ganz ehrlich, das Gute ist: Ich bin frei und kann machen was ich will. Natürlich weiß ich, dass es Feste mit christlichem Ursprung sind und der historische Jesus wurde nun mal irgendwann geboren. Für mich sind die Feste Anlässe, eine schöne Zeit mit der Familie zu verbringen. Ist es nicht eigentlich schön, wenn die Gesellschaft zusammen wächst und es gemeinsame Feste gibt?

Es lohnt sich darüber nachzudenken und die Augen offen zu halten, wo man Religion (gerade die christliche) entdecken kann. Kennt ihr den ganzen Text vom Bienen Lied „Summ, summ summ“? Selbst dort wurde ein bisschen Jesus eingschleust. Gerade in Gute Nacht Liedern ist viel von Gott die Rede. Solche Strophen lasse ich weg beim Singen, nicht, weil mein Sohn sie nicht hören soll, sondern weil ich nicht hinter den Worten stehe.

Eigene Erfahrungen

Ich bin dankbar, dass meine Eltern mir die Entscheidung überließen ob ich getauft werden will. Ich wurde mit ca. sechs das erste Mal gefragt. Die Taufe wurde mir erklärt, doch es überzeugte mich nicht. Jahre später, als in meinem Umfeld alle zum Konfirmationsunterricht stiefelten, wurde es erneut Thema. Ich überlegte, ob es das Geld wert sei und verneinte. Ich hätte es falsch gefunden, die Konfirmation nur wegen des Geldes zu machen. Einen weiteren Grund gab es nicht für mich, hinter dem Unterricht und dem Eintritt in die Kirche hätte ich nie gestanden.
Wir werden es genauso mit unserem Sohn handhaben. Ich bin mir bewusst, dass ihn unsere Lebensweise beeinflussen wird. Warum auch nicht? Ich stehe hinter meinem Weltbild und freue mich, wenn mein Sohn es genauso sehen wird. Ich möchte meinem Kind mitgeben, dass es keinen Gott, keine Götter oder sonstwelche übernatürlichen Wesen gibt. Und sollte er es anders sehen? Dann haben wir wenigstens immer ein Thema für spannende Diskussionen!“

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Diskussion ist ein gutes Stichwort- wie seht Ihr das mit der Religion? Überzeugt Lara Euch? Ich zumindest bedanke mich ganz herzlich, dass Wir einen Blick in Ihr atheistisches leben werfen durften! In vielem erkenne ich mich und meine Gedanken wieder. Aber auch die Schwierigkeit, dass man mit solchen Gedanken und Überzeugungen ja niemanden verletzten oder abwerten will, der eben doch glaubt, kommt mir bekannt vor. Was tun?, sprach Zeus.

Bis wir eine Lösung finden: Küsst die Kinder, diskutiert angeregt und lasst euch nicht ärgern!

Eure Julia

 

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4 Kommentare

  1. Danke, dass ich dabei sein konnte. Ich hoffe die Reihe geht noch lange weiter und gibt noch mehr Einblicke. 🙂

    Du hast Recht, es ist oft nicht einfach, weil man denkt, man will ja anderen (gläubigen) Menschen auf die Füße treten. Andererseits, denken Gläubige/Religiöse darüber nach Atheisten nicht auf die Füße zu treten? 😀 Vielleicht meldet sich ja noch jemand dazu zu Wort, ich fände es spannend mehr zu hören.

  2. Anscheinend hab ich großes Glück in einem wirklich unspektakulär freigläubigen Teil von der Welt zu leben. Es stellt sich die Frage gar nicht. Gibt es Kirchgänger im Norden von Schleswig-Holstein? Ich weiß es nicht. Niemand fragt nach meinem status quo und ich frage gleichermaßen nicht. Auch wüsste ich ihn kaum zu benennen. Religiös kann ich mich gewiss nicht nennen, auch wenn ich getauft und konfirmiert wurde und sogar noch Kirchensteuer zahle. Ein Teil meiner Familie, über die Seite meines Mannes, ist religiös und lebt den Glauben aktiv. Aber ich sehe nicht wie mich das berühren sollte. Wenn bei Tisch das Gebet gesprochen wird, behandel ich das respektvoll und der Ursprung ihres Glaubens, wie die Umsetzung und die Interpretation interessieren mich, allerdings ohne das ich mich missioniert fühle oder sie entmissionieren müsste.
    Ich folge auch hier der Gretchenfrage mit Interesse und bin positiv erstaunt, dass es auch in unserer Generation noch Menschen die glauben gibt oder sei es die allein die Thematisierung von dem Glauben oder Nicht-Glauben. Die Schwierigkeiten beginnen hier vermutlich, wie überall anders gleichermaßen, in dem was im Dunklen liegt und in der Frage nach Akzeptanz.

    1. Liebes Pony, vielleicht bist DU auch einfach ein besonderer Mensch. Ich finde herrlich, dass Du respektvoll denen zukucken kannst, die glauben. Ich wäre auch weitaus entspannter, wenn ich das Gefühl hätte, Glaube und Religion würden diese Familie nicht berühren. Aber wenn Glaube und Unglaube auf ganz engem Raum vereint sind, macht mir das manchmal Angst. gegen den Glauben gibt es keine Argumente. Wer glauben will, der glaubt. Und wer mich auf die Palme bringen will, erklärt meinem Sohnemann dann, dass Gott die Jahreszeiten gemacht hat. o.O Entspanntheit Ende.
      Aber, uff, ich sollte wirklich öfter durchatmen, lächeln und mich nicht so verrückt machen. Glaube kann ja auch was Schönes sein. <3

  3. Dieses “Dann darfst du aber nicht Weihnachten und Ostern feiern“ mag ich auch nicht. Ich selbst bin gläubig und trage ein dezentes Armband, das darauf hinweist. Ich würde Menschen, die z.B. aus der Kirche austreten, niemals mit solchen Sätzen kommen. Ich finde, jeder darf glauben, was er möchte und das auch nach außen zeigen, aber ich bin strikt dagegen, anderen etwas aufzuzwingen oder andere bekehren zu wollen.

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