Die #Gretchenfrage: „Islam normal“ mit Wonderwomam & Milchegel

Die #Gretchenfrage

Ihr Lieben, ich werde nicht müde, die #Gretchenfrage zu stellen und -ein Glück- finde immer wieder sehr liebe Menschen, die mir antworten. Heute kommt Wonderwomam von Wonderwomam & Milchegel zu Wort. Gerade findet Ihr sie hauptsächlich auf Facebook, denn für Kind, Kegel UND Blog hat sie momentan viel zu viel um die Ohren. Wie schön, dass wir hier dennoch in den Genuss kommen- vielen lieben Dank, Wonderwomam!

„Wir sind Muslime. Zudem bin ich konvertiert, mein Mann hat einen Bart und ist dazu auch noch Roma. Aber trotzdem erfüllen wir erstaunlich wenige Klischees und in Schubladen passen wir auch nicht so recht.

Wonderwoman & Milchegel #GretchenfrageUnser Kind ist fast 2 und wir bringen ihr den Glauben von Anfang an spielerisch näher. Ich arbeite Vollzeit und mein Mann hat nach der Elternzeit wieder in seiner Teilzeitstelle angefangen, die Arbeitszeit ist 18-22Uhr. Er holt tagsüber sein Abitur per Fernschule nach. Also ist das mit den regelmäßigen Gebeten so eine Sache…wir versuchen, diese zumindest 1x am Tag durchzuführen, und das Kind findet es natürlich super, wenn wir die Teppiche ausbreiten und uns im Gebet verbeugen. Zwischendurch ruft sie immer mal wieder fröhlich „Allaaaaahh Abaaaa“ („Allahu Akbar“, Teil des Gebets) und rennt mit erhobenen Händen durch die Gegend. Das kann im Supermarkt schon mal zu seltsamen Blicken führen, vor allem in Kombination mit dem bärtigen Papa 😀

 

In der „Schreizeit“ am Anfang hat mein Mann ihr den Koran vorgelesen. Das hat sie unheimlich beruhigt. Noch ist sie so klein, dass sie nur neugierig imitiert. Wir möchten ihr einen offenen und kritischen Umgang mit der Religion vermitteln. Dazu gehört auch, dass man viele Fragen stellen soll und auch Gott an sich mal hinterfragen darf. Der Glaube an Allah, die Propheten, die Engel und an das Jenseits sind für uns die Grundpfeiler des Islam und diese möchten wir unserem Kind primär vermitteln. Es geht uns weniger darum wiederzugeben, dass man als Muslim nur strikte Regeln befolgen muss, sondern mehr um die spirituelle Seite des Islam.

Es ist natürlich sehr wichtig, dass man sich in einer Familie mit verschiedenen traditionellen Hintergründen vorher über die (religiöse) Erziehung der Kinder austauscht und Eckpunkte absteckt. Beschneidung von männlichem Nachwuchs, Kopftuch, Einmischung der Großeltern, Fastenzeit, Klassenfahrten, Schwimmunterricht, Sex vor der Ehe….

Wonderwoman & Milchegel #GretchenfrageViele Ehen wie die unsere scheitern an falschen Erwartungen, fehlender Kommunikation und zu vagen Absprachen. Oft denken gerade die Frauen „ach, das regelt sich schon später“. Nein. Tut es nicht. Das ist eine romantische Vorstellung, die leider mögliche Konflikte nur verschiebt aber nicht löst. Dies alles gilt auch für die religiöse Erziehung der Kinder. Außerdem ist es ein sehr komplexes Thema für Eltern herauszufiltern, was Tradition ist und was Religion. Wir haben beschlossen, dass wir das soweit wie möglich voneinander trennen wollen. Gerade die Roma-Tradition ist sehr vielfältig und meine Schwiegermutter verschwurbelt mit Hingabe Tradition und Religion. Da muss man dann schon selber aktiv werden und sich über die Religion informieren.

 

Leider empfinden wir die islamische Erziehung von Kindern in Moscheen als nicht ausreichend. Meist geht es dort darum, den Koran auswendig zu lernen (auf arabisch). Inhaltlich passiert da leider wenig. Die Kinder werden nicht zu mündigen kleinen Menschen erzogen, sondern lernen „dass das so ist im Islam“. Das kommt für uns nicht in Frage. Daher sind wir in einem kleinen Verein, der sich für einen liberalen Islam einsetzt (Liberal-Islamischer Bund e.V.). Dort gibt es auch Kinderprogramme, die auf ein ganzheitliches Verstehen des Islams abzielen. Unsere Treffen finden übrigens teilweise in einer Kirche statt 🙂

Da wir eine gemischtreligiöse große Familie sind (meine Verwandten sind evangelische Christen), feiern wir alle religiösen Feste mit. Es ist uns wichtig, dass das Kind auch die Religion der Großeltern erlebt. Also gibt es bei uns immer viel zu feiern, Weihnachten, Opferfest, Ramadan, Ostern…

Für uns ist das ganz normal, Islam normal eben.

Meine Lieblingsstelle im Koran: Bei der Nacht, wenn sie (alles) überdeckt, und dem Tag, wenn er (in seiner Helligkeit) erscheint, und Dem, Der das Männliche und das Weibliche erschaffen hat! Euer Bemühen ist wahrlich verschieden. Was nun jemanden angeht, der gibt und gottesfürchtig ist und das Beste für wahr hält, so werden Wir ihm den Weg zum Leichteren leicht machen. (Sure 92, Vers 1-7)“

 

Vielen lieben Dank für diesen Einblick- ich glaube, das beantwortet doch die ein oder andere Frage, die keiner sich so recht stellen traut, oder?

Küsst die Kinder und Männer, mit und ohne (Milch-)Bart und lasst Euch nicht ärgern!

Eure Julia

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