Attachment Co-Living

Attachment Co-Living

Wenn ich nicht umhin komme, mich in der Öffentlichkeit zu bewegen (und das tue ich leider nur selten) frage ich mich sicher drei Mal am Tag, was eigentlich mit diesen Menschen nicht stimmt. Warum die so unheimlich missgelaunt sind. Warum sie Kinder als so unfassbar störend empfinden. Wie sie auf die Idee kommen, man müsste die derart anpassen und verbiegen, dass sie quasi in der Masse verschwinden

Ich möchte diese Leute im Anschluss an meine -zugegeben recht rhetorischen Fragegedanken- meist am liebsten entweder anpöbeln oder schubsen. Mach ich auch ab und zu. Also das Pöbeln. Wirklich nur das! Aber so wirklich gut fühlt sich das nicht an. Und das, obwohl ich alles andere als ein freundliches Naturell bin. Ich kucke gerne böse und ich mag es, wenn sich die Leute ein kleines bisschen vor mir fürchten, weil man nicht wissen kann, was die alte Irre jetzt schon wieder vorhat. Doch, wirklich!

Aber dann hallt meine eigene Frage in mir nach.

Und mir fällt auf: Die Antwort liegt vermutlich bereits darin. „Was mit denen nicht stimmt.“ Genau. Mit denen stimmt was nicht. Eventuell und nur so zum Beispiel: Dass sie selbst nicht so aufgewachsen sind, dass man sie ernst nimmt. Dieses ganze Wischi-Waschi-Attachment-Gedöns. Vielleicht hat man denen die Freude am Kreischen und Schreien wirklich und wahrhaftig schon in ihrer Kindheit ausgetrieben. Mag sein, dass die nie wirklich in Matschpfützen spielen durften. Warum auch immer. Eventuell hatten die nicht den Luxus von Eltern, die sich Zeit freischaufeln konnten. Oder wollten. Also, kurz: Vielleicht sind die so aufgewachsen, wie die meisten Leute zwischen vierzig und hundertelf.

Uff.

Attachment Co-LivingLogisch, das alleine macht noch keine miese Kindheit, die waren und sind wahrscheinlich dennoch irgendwie glücklich. Aber dass diese Menschen das Glück meiner Kinder so stört- das ist schon komisch, oder? Und selbst wenn (!) sie eine unschöne Kindheit hatten, rechtfertigt das Ihr Verhalten gegenüber den Kindern, die die meinen sind und sich in IHRER Kindheit befinden null und gar nicht. Allerdings könnte es eventuell sein, dass ich, wenn ich so drüber nachdenke, ein kleines bisschen weniger wütend auf diese sonderbaren Leute bin. Doof finde ich die noch immer. Aber nicht so doof, dass sich großes Pöbeln lohnen würde, oder? Man könnte fast soweit gehen, sich zu überlegen, was diesen Lauchzwiebeln helfen könnte in ihrem Grant.

Ob es schon helfen würde, wenn man sie ernst nimmt und ihnen signalisiert: „Ich höre Deinen Unmut. Ich kann verstehen, dass Du genervt bist. Mir klingeln bei dem kindlichen Lärmpegel auch die Ohren.“

Aber Moment!

Attachment Co-LivingDas klingt ja genau wie das weichgespülte Zeugs, das ich zu meinen Kindern immer sage, wenn die Geduld noch reicht! Kann das denn sein? Dass die Leute behandelt werden wollen wie meine Kinder? Oh, und mein Partner, versteht sich. Ach, der auch? Ähm. Ich gestehe: Für den ist am Ende des Tages oft nicht mehr so viel Geduld übrig aber… wenn wir mal genau drüber nachdenken… Könnte dieser ganze Attachment- Quatsch vielleicht und unter Umständen gar keine Erziehungssache sein? Ist das am Ende wieder so eine große und allumfassende Einstellungssache? Herrje. Wird auch immer wilder, mit diesen Eltern und Kindern von Heute!

Aber wisst Ihr was? Ich werde es für Euch testen. Ich werden allen Ernstes versuchen, diesen schlecht gelaunten Gemüseköpfen mit Verständnis zu begegnen. Aber nur, wenn noch Geduld übrig ist- nur dann! Sonst pöble ich eben wieder und lasse das unter „Selbsfürsorge“ laufen. Ich kann schließlich nicht die Welt retten. Zumindest nicht heute, denn heute ist mal wieder Windelwäsche dran.

Also: Küsst die Kinder. Nicht die Meckerpötte. Aber Letzteren könnt Ihr ja auch mal zulächeln. Wer weiß? Vielleicht hilft es!

Eure Julia

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