Alltag fressen Kreativität auf

Uff Ihr Lieben, es ist ja ganz oft so: Ich bin da so, in meinem Trott und meiner Routine. Ich liege abends im Bett und bin völlig fertig. Zu fertig um zu überlegen, ob das eigentlich ein Dauerzustand sein sollte, oder nicht. Stecke Kopfüber in Stoffwindeln und Lego-Dinos und dann schreibt mir ein liebes Menschlein einen verhängnisvollen Satz.

Nämlich: „Zack, hier haste mal ne Geschichte von mir. Hast Du mal nen coolen Titel?“ Und mein Germanistinnenhirn ist wie leer gefegt. Ich lese die Worte, ich versuche dazu zu assoziieren, stelle mir ein paar Bezüge und Umständlichkeiten vor und- es kommt nichts. Ich sag Euch eins, ich bin richtig erschrocken.

Erschrocken über die Watte, die ich da im Hirn hatte, wo sonst messerscharfe Wendungen und dolchspitze Gemeinheiten liegen. Holla die Waldfee Frau Wikinger, da ist aber jemensch in ihrem Alltagstrott offensichtlich weggedöst, oder? Und wie ich so darüber nachdenke, merke ich: Das darf echt wieder anders werden.

Start all over again.

Alltag fressen Kreativität auf
BUNT!

Denn wenn ich mich richtig erinnere, war das der Grundgedanke, den ich hatte, als ich zu bloggen anfing. Ich wollte die Kommentare spitz halten, die Schreibe flexibel, die Vergleiche treffend und die Farben, die ich mit Worten male, so kräftig, wie es verdammt noch mal überhaupt nur geht! Und zwar gerade WEIL ich mit diesem ganzen Haushalts- und Kinderkram echt genug anderes Zeug am Hut habe.

Weil „irgendwas mit Schreiben“ voll mein Ding ist, egal, ob ich damit Geld verdiene oder nicht. Weil es ein Stück meiner Seele ist und eins ihre*seine Seele gar nicht genug streicheln kann zwischen all der Wäsche und den dreckigen Tellern. Sprache ist mein Urlaub und ich habe doch allen Ernstes vergessen, ihn einzureichen!

Korrektur!

Alltag fressen Kreativität auf
Arbeit. Symbolbild. besser als das Wäsche-Symbolbild, nech?!

ich habe zwar keineswegs vergessen, an der Umsichtigkeit meiner Worte zu arbeiten. Mir ist nur völlig entgangen, dass ich mich schon wieder auf ausgetretenen Pfaden bewege, hopple im Autopilot vor mich hin und war wattig weich eingelullt. Denn das Schreiben funktioniert immer noch prima- das ist eine Art Grundskill. Aber der Funke, die brodelnde Energie kurz vor einem Vulkanausbruch- puh, die ist irgendwie ein bisschen flöten gegangen.

Versteht mich nicht falsch: Ich hab da schon Verständnis für mich und mein müdes Mombie-Hirn. Dauerhaft wenig Schlaf und viel Arbeit haben diesen Effekt auf die meisten Menschen. Bloß: Wirklich gut tut es mir nicht, wenn ich immer nur brav tue, was von mir erwartet wird, statt auch mal verbal aus der Reihe zu tanzen. Das ist ein bisschen, wie ohne Scheinwerfer durch den Nebel zu waten. Fühlt sich eine ganze Zeit lang echt nett an. Aber dann wird`s kalt und eins fragt sich, wo das denn jetzt her kommt.

Hu?

Alltag fressen Kreativität auf
Routine-Stinker.

Aber das liegt einfach in der Natur der Routine, da mache ich mir nichts vor. Es wird wieder passieren. Vielleicht schneller, als mir lieb ist. Denn bei mir erstickt jede Kreativität noch im Keim, wenn ich nicht annähernd ausgeschlafen bin. Und sind wir ehrlich: Gerade der Sommer ist bei uns eine Zeit, in der Arbeitskraft an allen Ecken und Enden fehlt. Auf Worte achtet da keine*r. Schließlich will der Schrebergarten gepflegt, die Bienen gehegt und die Kinder an den See gefahren werden.

Aber ich will es versuchen. Der gute alte Fernseher wird mir genauso helfen, wie eine schöne Tasse Kaffee. Und das Gefühl, wenn die Sprachglieder wieder erwachen, knacken, sich recken und plötzlich wieder beweglich sind. Wenn ich wieder Gefühle in Worte fassen kann, die keinen Sinn ergeben, aber das Gefühl wider- DANN habe ich ein wichtiges Teilziel erreicht. Ist nicht so Eltern-like. Aber Julia-like.

Cave Juliam.

Alltag fressen Kreativität auf
Wörterdämmerung

Was das jetzt heißt? Tjanun. Wir fangen damit an, dass ich meine Texte experimentell eine Zeit lang in einem Durchlauf schreibe und inhaltlich nicht mehr nacharbeite. Warum? Damit mal wieder ein bisschen „Rohes“ auf den sprachlichen Tisch kommt. Und damit ich nochmal einen Blick für mich bekomme: Was wiederholt sich zum tausendsten Mal? Was habe ich wieder vergessen? Überhaupt, was passiert, wenn ich meine Gedanken gar nicht mehr ordne? Krieg ich das trotzdem hin? Versteht Ihr überhaupt nur ein einziges Wort von dem, was ich da schreibe???

Und auf den anderen Teil freue ich mich schon diebisch: Ich werde mir ein bisschen mehr Boshaftigkeit gönnen. Wer also in Zukunft fies zu mir sein will, der möge sich bitte warm anziehen und auf ein Echo gefasst machen.Tich tue mein möglichstes, dabei nicht ableistisch oder diskriminierend zu sein. Aber mein Schatz an politisch korrekten Schimpfwörtern hat sich stark erweitert, daran will ich Euch teilhaben lassen.

Bis dahin rate ich Euch aber: Küsst die Kinder und verzeiht mir, wenn es ein bisschen eckiger und kantiger wird. Ich brauch das. Und wer weiß- Ihr vielleicht auch!

Eure Julia

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