Tage wie dieser

Meistens bin ich ein ziemlicher Gegner sinnloser Jaulerei. Hauptsächlich auch deswegen weil ich finde: Die Energie, die man ins Meckern steckt, ist anderswo immer besser aufgehoben. Notfalls in Essen oder Kinderküssen. Aber heute bin ich ein bisschen möppelig. In etwas über zwei Wochen soll diese Familie Zuwachs bekommen haben- unseren letzten, wie ich vermute. Aber so richtig flauschig und vorfreudig ist es hier noch nicht. Das ist doch auch scheiße, oder?!

Der Vollständigkeit halber kann ich Euch gerne an einigen Vorsätzen für die „letzte“ Schwangerschaft Teil haben lassen. Denn mehr als drei Kinder sind schon irgendwie sehr verwegen. Und waren auch gar nicht angedacht. Also, warum auch immer, auch wenn ich mich innerlich noch nicht so richtig vom Gedanken verabschieden kann, nochmal schwanger zu sein bleibt es dabei: Diese Schwangerschaft vervollständigt unsere Familie. Also wollte ich das gesammelte Wissen von zwei vorangegangenen Schwangerschaften in dieser ausspielen.

Ganz entspannt. Wie so ein Profi.

Ich wollte nämlich…

  • … Mich nicht mehr von meiner Umgebung stressen lassen.
  • … Meine Schwangerschaft für mich alleine genießen.
  • … Die Ärzte labern lassen.
  • … Die großen Kinder unendlich fernsehen lassen, wenn ich müde bin.
  • … Mir helfen lassen, wenn ich Hilfe brauche.
  • … Schöne Tage ohne Reue genießen.
  • … Schlechte Tage mit viel Naschi und verbotenen Dingen flauschig machen.
  • … Yoga machen.
  • … Mich schonen und Kraft sparen. Weil ich inzwischen einfach weiß: Der anstrengende Teil beginnt erst noch.

Und das waren nur ein paar meiner Vorsätze. Wie gut ich sie bisher umsetzen konnte? Mhm. Viele haben gut funktioniert. Ärzte schrecken mich nicht mehr so sehr. Und ich glaube, beim dritten Kind sparen sie sich auch einfach viele ihrer doofen Sprüche, weil ihnen eh keiner zuhört.

Groß in die Öffentlichkeit tragen musste ich die Schwangerschaft auch nicht. Tatsächlich nimmt das allgemeine Interesse nach dem ersten Kind ja schon sehr ab. Und so sehr ich bedauere, dass nur wenige Interesse an 3.0 haben, so bin ich doch relativ froh, dass zumindest mir keiner auf die Nerven geht.

Hat eben immer alles zwei Seiten, nech?!

Tage wie dieserMein schlechtes Gewissen in Sachen Fernsehen und andere Undinge hielt sich auch lange Zeit sehr in Grenzen. Inzwischen kennen die Kinder das Prozedere auch und ich bin stolz, berichten zu können, dass sie irgendwann auch was spielen und die Glotze schlicht vergessen. Allerdings kann das dauern… So oder so sind es aber wertvolle Minuten, in denen ich Kraft schöpfen kann. Also: Auch hier würde ich ein Häkchen setzen.

Dass ich aber überhaupt so viel und oft Kraft schöpfen muss, nur um dieselbe am Ende des Tages wieder komplett los zu sein, das nervt mich schon kolossal. Fast bin ich froh, dass ich für Yoga zu geizig war, denn ich wüsste beim besten Willen nicht, wo ich DAS noch unterbringen sollte. Und wenn Ihr Euch Jetzt schlapp lacht darüber, was die dicke Frau im Mutterschutz denn für einen Stress schiebt, habt Ihr auf eine Art schon Recht. Auf eine andere aber muss ich mich ein bisschen selber in Schutz nehmen und sagen: Würde alles normal laufen, gäbe ich Euch High Five, würde lachen und gut ist. Stattdessen sitze ich hier und bin traurig. Denn statt die letzte Schwangerschaft zu genießen, schiebe Kraftreserven von Uhrzeit zu Uhrzeit, um möglichst allen ein bisschen gerecht zu werden. Ich versuche mich um Dinge zu kümmern, die eigentlich nicht sein müssten. Gebe mir Mühe andere Leute zu unterstützen, die noch weniger Energie haben als ich. Und wälze Probleme mit Menschen, die solche haben. Und nirgendwo in all diesen Zirkus ist Platz oder Kraft für 3.0 übrig.

So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Tage wie dieser
Sitzplatz mit Aussicht

Ich wollte auf dem Sofa sitzen und mir Tee kochen lassen. Dabei wollte ich endlich Mal wieder etwas lesen, vielleicht in die Wanne wechseln und meinen Körper von innen heraus auf das vorbereiten, was uns beiden bald blüht. Ich wollte den dicken Bauch streicheln und 3.0 sagen, es soll sich nicht zu viel Zeit lassen, weil ich den Geburtstag des Butterkekses gerne wieder alleine in meinen Körper feiern wollte. All das habe ich mir ganz fest vorgenommen. Ich werde es nämlich vermutlich nicht nochmal erleben und allein der Gedanke macht mich heute schon ein bisschen wehmütig.

Aber meine Welt und mein Alltag funktionieren gerade null gar nicht so. Null nicht nicht. Was für eine Scheiße! (auch wenn ich noch wiederhole) Davon wird es zwar nicht besser. Aber so formuliert ärgere ich mich mehr, als ich traurig bin. Und Ärger ist die Vorstufe von Aktionismus, also vielleicht hilft es ja?!

Wenn ich es genau überlege könnte ich auch, statt zu jammern und das auch noch zu verschriftlichen jetzt sofort den Wikingergatten in den Keller jagen. Dort muss er mir tausenddrölf Kartons umlagern. Ich möchte sehen, ob da nicht noch zufällig achtzehn Kartons Kinderkleidung in Größe 56/62 rumliegen. Oder vielleicht finde ich sogar noch eine zweite Schwangerschaftshose? Ach, Ihr habt ja Recht, jetzt ab in den Keller und Schluss mit Jaulen. Zacki zacki!

Achja: Küsst Eure Kinder und lasst Euch nicht ärgern!

Eure Julia

Ps.: Ich will einen positiv beschlossenen Beitrag nicht mit Mecken revidieren, aber wisst Ihr, was ich im Keller statt Babysachen gefunden habe? Schimmel. Das wäre jetzt ein guter Zeitpunkt für Schnaps. Ich hab stattdessen zum Glück wenigstens genug Waschpulver…!

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