Stille Nacht, Fläschchen wacht

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Heute ist der Tag, ab dem ihr mir die Augen auskratzen dürft. Und zwar aus zwei Lagern: Aus dem Lager der Stillmuttis, die jetzt schon wieder die Möpse rausgeholt haben und wild damit fuchteln, um ihre Schulkinder zu stillen. Und aus dem Lager der unverantwortlichen Rabenmütter, die ihrem Kind aus purer Langeweile quasi reines Gift mittels Fläschchen in den Rachen schieben. Ohne Aluhut!

Mir ist schon klar, dass auch ohne obige Übertreibung der ein oder andere wieder auf 180 ist. Oder kurz davor in die Tischkante zu beißen. Meinethalben müsst ihr jetzt aber nicht aus der Haut fahren. Denn ich habe weder vor, die Vorteile des Stillens zu beweihräuchern, noch denke ich daran, den Umstand zu verteidigen, dass es Kinder gibt, die Flaschennahrung bekommen. Ist mir persönlich nämlich ziemlich schnurz, wie ihr eure Kinder nährt, solange ihr es gut bedacht und ausgewählt habt. Der eine entscheidet sich so, der andere glaubt  keine Wahl zu haben, kämpft, strampelt und am Ende steht doch eine Entscheidung: für das Wohl der Familie inklusive Säugling. Die meisten Menschen in meiner Umgebung lieben ihre Kinder unbestreitbar und hoffen, in ihrem besten Sinne zu handeln. Damit bin ich schon zu frieden, denn nicht mehr und nicht weniger tue auch ich.

Brüste raus, ist Mittag!

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Nomnomnom.

Jetzt muss ich aber gestehen, dass mir bislang in diesem epischen Kampf zwischen Flasche und Brust auch immer ein ganz großer Fehler unterlief. Ich habe nämlich tatsächlich verlauten lassen, Stillen sei die natürlichste Art der Säuglingsernährung. Das war jetzt ein bisschen blöd. Mache ich auch nicht mehr. Denn genau genommen ist es die biologisch vorgesehene Art. An einem Fläschchen ist nichts unnatürlich. Da wollt ihr protestieren? Das ist doch Glas und Plastik und Silikon? Nix Natur? Chemie und Stärke und Chemtrails? Tjanun. Aber sein Kind ernähren zu wollen ist doch natürlich? Den kleinen Wurm, den man da mit allem, was man an Stärke aufbringen konnte, auf die Welt gebracht hat, den will man doch groß kriegen, oder? Komme was wolle. Meint ihr doch auch?

Mir ist der Wunsch, das Kind zu ernähren derart präsent, ich komme da nicht drum rum. Ob hormonell, genetisch oder gesellschaftlich indoktriniert wie der Pawlowsche Hund sei dahingestellt. Und das WIE verschwindet völlig hinter dem Gedanken, dass es ganz grundsätzlich einfach MUSS. Mein Kind MUSS essen. Was auch immer, wie auch immer.

Ich sollte meine unbedachte Annahme also definitiv abändern: Natürlich ist vor allem, sein Kind zu ernähren. Denn was wäre denn die Alternative? Oh, Stillen klappt nicht so gut, schade, dann muss es halt verhungern? Das wäre arg uneffektiv. Und ziemlich fies. Und, bleiben wir realistisch, für keine Mutter die ich kenne auch nur denkbar.

Flasche ist aber nicht Brust.

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Lecker Lack!

Bei dem Satz verkrampft vermutlich hauptsächlich den Müttern der Unterkiefer, die -aus welchen Gründen auch immer- die Babynahrung per Flasche ins Kind transportieren. Entspannt Euch. Denn nachdem ich einmal festgestellt habe, dass ich mich gar nicht zwischen Gut und Böse (oder Flasche und Stillen, oder Babybett und Familienbett, oder, oder, oder) entscheiden will, bleibe ich dabei. Ich bin nur gar nicht damit einverstanden, dass aus der Idee, dass sich verschiedene Arten der Nahrungsübermittlung nicht qualitativ unterscheiden, die Praxis wurde zu sagen: Alles das Gleiche. Ist es nämlich nicht.

Es ist schon allein zeitlich nicht vergleichbar, wie lange so eine verdammte Flasche braucht, wenn das Kind aufwacht und hungrig weint, wenn daneben Madame im Wallakleid einfach die Hupen aus dem Kleid purzeln lässt. Es ist auch eher schwer zu vergleichen, wenn man sich beim Wasserabkochen die Finger verbrennt und die besagte Dame im Kleid ihre blutenden Brustwarzen daneben hält. Die durchwachten Stunden Dauerbrustnuckeln gegen die tausend Mal aufstehen und Flasche entweder komplett neu machen oder (je nach Müdigkeitsgrad) aufwärmen aufzuwiegen, geht auch nicht. Nicht zuletzt: Wer jetzt anfängt, zu rechnen, Fläschen könnten ja beide, deswegen habe die mit den Brüsten ja das Doppelte oder das Fläschen die Hälfte oder- Alter, da würde ich nicht mal Punkte auf den Rechenweg geben. Ehrlich

Es sind zwei Paar Schuhe

Mit demselben Ziel: Satte, zufriedene Kinder. Wir müssen weder einander in die Speckrollen piecken, weil jeder seine persönliche Variante lebt, noch so tun, als seien alle Varianten ja eh das genau Gleiche. „Du stillst ja“ kann genausowenig abwerten, was eine Mutter leistet, wie „Ihr gebt ja das Fläschchen“. Stattdessen kenne ich eine Menge Mütter, die denken: „Ein Glück, das Kind trinkt!“. Vergisst man ja leicht mal, so mitten in einem Kind-trinkt-unaufhörlich-und-wenn-es-nicht-trinkt-dann-schreit-es-Schub. Vergesse ich immer wieder, wenn ich meine Fummelpummel auf die Waage stelle und der Arzt anerkennend nickt. Denn es gibt ja auch die anderen, die Sorgenkinder, die, die keinerlei Reserven hätten, wenn sie ernsthaft krank werden würden.  Deren Eltern ist es noch viel mehr egal als mir, wie Nährstoffe ins Kind kommen. Hauptsache, sie landen da irgendwie.

So zurechtgerückt können wir einander vielleicht auch eher zugestehen, dass es wirklich wahnsinnig anstrengend ist, nachts zig Mal komplizierte Handgriffe durchzuexerzieren und dabei ziemlich wach zu werden, nur um dann festzustellen, dass Schnuller auch geholfen hat und das Kind jetzt schläft. Wir können auch wieder vorsichtig die Freundin drücken, die sich drei Zentner Heilwolle auf die Brüste gepackt hat, weil sie der nächtliche Schnuller in persona war. Wir können uns selbst ein bisschen dafür loben, dass wir unsere Sache gut machen. Wie auch immer wir sie machen. Aber wir müssen der Leistung des anderen dabei nicht sofort unsere eigene entgegenhalten. Sondern können auch mal was anerkennendes sagen.

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Bitte einmal Küssen. Nochmal. Nochmal!

Ich weiß von Müttern, denen tut es gut, Anerkennung zu bekommen. Die sind froh, wenn ihre Mühen in einem properen Kind münden. Aber gut finden darf man sie dafür ja trotzdem. Wenn man es ihnen dann noch sagen kann…—!

In diesem Sinne: Küsste die kleinen Speckfüße!

Eure Julia

 

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