Still Counting. Vom Abstillen.

Still Counting. Vom Abstillen

Ihr Lieben, ich hatte es berichtet und so langsam aber sicher setzt es sich auch bei mir: Ich schätze, der Butterkeks und ich, wir haben uns abgestillt. Oder wie auch immer man das formulieren mag. Man könnte es auch „Mittagsschlaf ist Geschichte“ nennen. Oder „jetzt sind wir alle mal ein bisschen neben der Spur“. Aber medizinisch korrekt reicht wohl „Abgestillt.“

Die gute Nachricht vorweg: Es geschah mehr oder weniger einvernehmlich und ohne große Tränen. Das war beim Großwikinger definitiv anders. Da wollte ich nämlich nach einem knappen Jahr Mutterschaft ein wenig Freiheit zurück. Und habe für fünf Tage Matsch, Modder und Metal gegen Windeln, Stillen und Babyzeichen getauscht. Der Großwikinger weilte in dieser Zeit beim noch größeren Wikinger und die zwei sind vorzüglich ohne mich ausgekommen. Denn gegessen hat der große Knirps zu diesem Zeitpunkt schon alles Mögliche in allen unmöglichen Konsistenzen. Ich hingegen saß regelmäßig heulend auf dem Festivalgelände, habe bei 30 Grad im Schatten im Zelt Milch abgepumpt, die ganze Umgebung durch Ausschütten der Milch neben dem Zelt in eine Quark-Fabrik verwandelt und dabei immer wieder vorsichtig am Radler genippt. Denn: Im Grunde mag ich nicht sehr viel mehr Alkohol als Bier. Und schon gar nicht den ganzen Tag. Wenn man aber gerade abstillt ist Bier eher… ach. Was soll`s. Stellt Euch eine depressive Hochleistungsmilchkuh auf dem Wacken Open Air vor. Dann habt Ihr es.

Wieder zurück: Superkraft weg!

Still Counting. Vom Abstillen
Statt Babygedöns.

Wieder zurück zu Hause war ich nicht nur etwas überrumpelt von der Tatsache, dass das mit der Mutterschaft doch kein Traum war. Ich war auch meiner einzigen und besten Superkraft beraubt. Konnte den Wikinger nicht mehr trösten. Schaffte es nicht mehr, ihn ins Bett zu bringen. Kurz: Es war ein Desaster. Und weil ich meiner Umwelt rein logisch zustimmte, dass es doch etwas ungeschickt sei, nach einer Woche Abstinenz das Abstillen quasi rückgängig zu machen (was ohne Probleme möglich gewesen wäre), blieb es dabei. Es war wirklich fies. Und weder ich noch der Großkeks waren so richtig darauf eingestellt. Mir fehlte der Alternativ-Plan zum Stillen. Und überhaupt, für kurze Zeit hat mich diese Geschichte meinen gesamten Halt und meine ganze Sicherheit gekostet. Schwere Zeiten. Viele Tränen. Und das wollte ich um jeden Preis für das zweite Kind vermeiden.

Butterkeks gibt den Ton an

Und so war es denn auch. Der Butterkeks und ich starteten unsere Stillbeziehung und im Großen und Ganzen hatten wir die dann einfach. Ohne viel Literatur, ohne viel Trara, einfach so. Während der Keks ja sonst bei vielen Dingen die große Drama Queen raushängen lässt- hier war es völlig unaufgeregt und ziemlich kuschelig. Auch nach dem ersten Jahr Stillen war ihm anzusehen, dass es eigentlich nichts Besseres geben kann, als morgens aufzuwachen und erstmal eine Runde zu Stillen. Wirklich. Der sah dabei immer ziemlich genussvoll aus, der kleine Schelm. Wir haben auch viel Quatsch gemacht beim Stillen und es beide- weil es eben einfach, schmerzfrei und unkompliziert möglich war- genossen. Ich schätze, so soll das sein. Und so kann  man das auch eine ganze Weile lang machen. Denn altersentsprechend wurden die Trinkzeiten und -mengen angepasst, tagsüber wurde bald nur noch zum Mittagsschlaf und Sofakuscheln getrunken und Peu a Peu konnte der Kleinwikinger auch ein „Nein“ von mir immer besser akzeptieren. Alles in Butter also, oder?!

Dann wurde ich wieder schwanger.

Still Counting. Vom Abstillen
Ein gutes Team

Und wie Ihr hier lesen könnt, habe ich knapp 20 Wochen durchgehalten. Aber spätestens ab der 18. SSW war Stillen für mich wirklich die Hölle. Fragt mich nicht warum, aber es war dermaßen unangenehm, dass es nichts mehr mit dem Zusammensein gemeinsam hatte, das wir bisher so genossen haben. Ich habe viel während des Stillens geweint, weil ich mir so fest vorgenommen hatte, durchzuhalten. Denn ich wollte dem Butterkeks nicht auch noch kurz vor der Ankunft eines weiteren Geschwisterkindes dieses „Privileg“ entziehen. Stattdessen wollte ich wirklich tapfer sein und musste dennoch auf die nötigsten Stillmahlzeiten reduzieren, weil es einfach nicht mehr ging. Und während ich so völlig mit mir selbst beschäftigt war, hat der Butterkeks den Braten gerochen. Gut, es war nicht übermäßig schwer. Wenn einem alle zehn Sekunden die Brust aus dem Mund gerissen wird. Die Brustträgerin unentwegt weint und schimpft. Naja. Aber er hat es eben nicht nur bemerkt. Er hat auch unsere Routine verändert. Denn Stillen war damit auch für den Butterkeks nichts Wonniges mehr. Das war kein Kuscheln mehr, das hat auch dieser kleine Kerl schon gemerkt. Und so ist er von Mal zu Mal dazu übergegangen, nur auf der Brust zu ruhen, statt zu trinken.

Erste Schritte.

Immer öfter wollte er auch einfach nur neben der nackten Brust liegen. Die Ärmchen um mich geschlungen. Und so konnte ich mich auch entspannt zu ihm kuscheln und mich nicht, wie zuletzt immer unumgänglich, beim Stillen winden und mir selbst in den Arm beißen, um mich abzulenken. Fast schleichend wurde das Kuscheln mehr und das Trinken weniger. Und während ich anfangs noch an einen Zufall glaubte, wenn der Butterkeks beim Kuscheln statt beim Stillen einschlief- inzwischen ist es nicht zu leugnen: Wir haben uns abgestillt. Und weil wir das gemeinsam getan haben, konnten wir eine Alternative in unsere Routine einbauen. Wir kuscheln jetzt eben. Das klappt nicht immer so zuverlässig, wie Stillen klappte. Aber der Butterkeks ist jetzt 1,5 Jahre alt. Und wenn er nicht müde genug für einen Mittagsschlaf ist, dann lässt er es eben. Da müssen wir jetzt alle durch. Natürlich ist es noch ungewohnt und manchmal müssen wir schon wirklich sehr viel kuscheln, um das Defizit auszugleichen. Ich muss alle anderen Familienmitglieder für diese Spezial-Kuschelzeiten auch mehr oder minder brüsk abweisen. Denn das sind nur und ausschließlich unsere. Aber wir alle werden immer besser. Und gerade heute war der Butterkeks erschöpft genug, um schon mittags in meinem Arm einzuschlafen.

The End.

Still Counting. Vom Abstillen
Jetzt halten wir uns alle ein bisschen fest und dann geht es gleich wieder.

Warum ich dann hier sitze und schreibe, statt zu schlafen? Ich verrate Euch etwas: Ich schlafe nachts neuerdings drei bis vier Stunden am Stück. Lacht nur, ich muss ja ständig aufstehen, weil ich schwangerschaftsbedingt unentwegt pinkeln muss. Aber dieser drei bis vier Stunden sind der verdammte Himmel auf Erden. Ich bin morgens immer müde, aber die ersten Wochen der Schwangerschaft, in denen ich nachts ständig stillte UND dann auch noch auf Klo rennen musste, haben ihren Tribut gefordert. Jetzt, wo ein Faktor weg ist, genieße ich diese Schlafenssache in vollen Zügen. So traurig ich bin, dass ich es nicht geschafft habe, durchzustillen. Schlaf ist etwas, das vieles aufwiegt. Und mir für die schwierigen Tage der Umstellung genug Geduld geben, bis wir uns alle wieder gefunden haben. Einen neuen Rhythmus haben. Bis 3.0 dann da ist und wieder alles durcheinander bringen kann. Das wird ein Spaß!

Bis dahin: Schlaft Leute, schlaft so viel Ihr könnt, bald ist es wieder vorbei! Ach und: Küsst die Kinder. Alle!

Eure Julia

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