Selbstbestimmt Schlafen- echt jetzt?

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Schlaf scheint an sich schon ein Thema für potentielle Weltkriege zu sein. Ich gebe unumwunden zu, Schlaf ist irrsinnig wichtig. Und schlafende Kinder sind es auch. Aber der Weg in den Schlaf ist für unsere Kinder eine ziemlich bedeutende Sache- warum also sollte sie nicht  selbstbestimmt sein?  Allein weil der Begriff der Selbstbestimmtheit grade in vielerlei Hinsicht sehr dogmatisch verwendet wird?

Allem voraus: Ich bin oft müde. Sterbensmüde. Ich bin ein Mensch, für den Schlaf so wichtig ist, dass das tatsächlich sogar bisweilen Teil einiger Beziehungsquerelen wurde. Weil ich mit einem Menschen verheiratet bin, der Schlaf nur so mittelwichtig findet. Und trotzdem nicht derjenige ist, der sechs Mal die Nacht stillen kann oder vollgekotzte Bettwäsche nachts um drei frisch überzieht.

 

Glaubt also nicht, ich nähme das Thema auf die leichte Schulter!

 

Warum Schlafen aber in manchen Familien einen derartigen Stellenwert bekommt, das macht mich oft ratlos. Denn als Erstlingseltern merkt man -neben vielem anderen- sehr schnell, dass sich um den Säuglingsschlaf viele Mythen ranken. Und die wenigsten treffen auf das eigene Baby zu. Gottseidank gibt es inzwischen viele Facebookgruppen und Blogs, die jungen Eltern sagen: „Hey, ihr macht nichts verkehrt! Babies sind so. Meistens supersüß, manchmal superscheiße, aber an Euch liegt es sicher nicht. Holt Euch den Schlaf wannimmer und woimmer ihr könnt. Hofft in circa sieben Jahren auf eine Besserung der Situation. Geht uns allen so. Gute Nacht.“

Leider gibt es aber auch nach wie vor eine ganz fiese Spezies Eltern. Die, deren Kinder scheinbar problemlos zehn Stunden die Nacht im eigenen Zimmer schlafen und mittags noch mal zwei Stunden freiwillig nachlegen. Freiwillig. Tjanun. Ich kenne die allesamt ausschließlich aus der vernetzten Welt. Nicht einen einzigen habe ich je persönlich getroffen. Jedem, der an sich und seinen Kindern zweifelt kann ich nur sagen: Don`t give a *** . Wenn Schlafen klappt, dann ist das toll für die betreffende Familie und ein echter Gewinn (wissen all jene, mit Rettungsringen unter den Augen). ABER: Es ist keine elterliche Leistung, bei der als erster durchs Ziel kommt, wer die Bälger am schnellsten in der Kiste hat.

 

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Schlafen macht glücklich!

Stattdessen geht es darum, dass jeder in so einer Familie ein gewisses Schlafbedürfnis hat. Ist dieses Schlafbedürfnis erfüllt, ist die Grundlage für einen gut gelaunten Tag gelegt. Wenn nicht? Ähm. Hmmmm… Aber Fakt bleibt: je mehr Teile einer Familie ausgeschlafen sind, desto besser können diese Teile die unausgeschlafenen Familienmitglieder auffangen. Ihnen den Tag versüßen, obwohl sie müde sind. Ihre Frustration begleiten, wenn vor Übermüdung vieles nicht gelingen will.

Heilsversprechen auf dem Weg in den Schlaf gibt es viele, das aktuellste mag „selbstbestimmtes Schlafen“ sein. Das hört sich zunächst so an, als wollte man es gar nicht so genau wissen. Als wäre es wieder eines von diesen Attachment Parenting Dingern, die völlig überzogen sind. Oder noch schlimmer. „Unerzogen“. Und es hört sich einfach nicht besonders praktikabel an.

Ich glaube aber, so schwer muss man es sich gar nicht machen. Abgesehen davon, dass sowohl besagtes AP als auch Unerzogen wirklich interessante Denkanstöße liefern, sagt selbstbestimmt in diesem Kontext ja nur: Das Bedürfnis des Kindes nach Schlaf (Und das ist da. Ganz bestimmt.) entscheidet, wann es ins Bett geht. In der Praxis muss keiner bis zwölf Uhr nachts vor seinem völlig übermüdeten Kind sitzen, weil es sich noch nicht selbst ins Bett gebracht hat. Oder KiTa und Arbeit absagen, weil der Sprössling nunmal leider eine Nachteule ist.

 

Selbstbestimmt mit Mamas Hilfe

 

Stattdessen glaube ich, dass hier etwas gefragt ist, das nur Ihr Eltern und Bezugspersonen wirklich einschätzen könnt. Nur jemand, der sein Kind gut kennt und es voller Liebe begleiten will, ist in der Lage, es selbstbestimmt schlafen zu lassen. Denn dazu brauchen manche Kinder schlicht und einfach unsere Unterstützung. Selbstbestimmt bedeutet weder Anarchie noch Alleinelassen. Es bedeutet, zu erkennen, dass unser Kind müde ist. Und ihm (wie auch immer!) dabei zu helfen, in den Schlaf zu finden, es beim Einschlafen zu begleiten. Dabei richtet sich die elterliche Aufmerksamkeit eben nicht auf eine bestimmte Uhrzeit, sondern auf das Kind. Und während sich dieser Satz wieder astrein nach Attachment Parenting anhört, versichere ich Euch: Für mich ist das kein theoretischer Erziehungsansatz. Es ist die unkomplizierteste Methode, die meisten Familienmitglieder zufrieden zu machen. Mich eingeschlossen.

Denn etwas, das ich ganz schlecht ertrage, ist, wenn ich meine Kinder (wenn auch nur zeitweilig) zu etwas zwingen muss. Es gibt für uns so viele äußere Zwänge, denen wir uns fügen, so viele Grenzen und Regeln. Da möchte ich so selten wie möglich noch mehr hinzufügen. Vor allem dann nicht, wenn es um Themen geht, die sich ohne Zwang relativ entspannt abfrühstücken lassen. Ich will meinem Kind keine Uhrzeit nennen, zu der es müde sein muss. Ich will die Entscheidung, Einzuschlafen nicht für mein Kind treffen. Und das Gute ist eben: ich muss es auch gar nicht. Mein Kind wird nämlich von selbst müde. Und mit dem einen oder anderen kleinen Schubs landet es da, wo es soll. Später vielleicht, als es uns Eltern oft lieb wäre. Aber offensichtlich früh genug, um am anderen Morgen halbwegs gut gelaunt in die Sonne blinzeln zu können. Das einzige, was ich dafür tun muss, ist eine passende Umgebung zu schaffen und immer mal wieder ein Auge auf die Krümel zu werfen.

 

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So gesehen klingt selbstbestimmt schon weitaus weniger gefährlich. Dass es anstrengend ist, will ich nicht bestreiten. Aber das hat wenig mit der Selbstbestimmtheit der Kinder zu tun. DAS hängt irgendwie mit Kinderhaben ganz generell zusammen…

Eure Julia

Wie sich für uns  Schlafen eingependelt hat? Lest hier weiter.

 

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3 Kommentare

  1. Unser großes Kind geht eher spät ins Bett, meist so gegen 22 Uhr. Für uns ist das aber nicht wirklich schlimm – so hat der Papa mehr vom Kind und morgens schläft es bis 9-10 Uhr. Nur Außenstehende finden das oft komisch.
    Und mich gruselts ein bisschen vor Kindergartenanfang. Weil mein Kind in etwa so gern geweckt wird wie ich aber sich nicht mit Kaffee in den Tag helfen kann (ist Kaffee okay mit 3 Jahren?). Aber vielleicht pendelt sich das dann einfach anders ein.

  2. Bei uns ist es mittlerweile so, dass der Mittagsschlaf (meistens) ausfällt, dafür Simon aber gegen 18 Uhr in’s Bett möchte.
    Mit dem Toilettengang, Zähne putzen, anziehen, erzählen, vorlesen, ist er dann (meistens) gegen 19:30 Uhr im Land der Träume.

    Leider hat er so nichts mehr von Papa. Aber wenn sich seine Arbeitszeiten wieder normalisieren, klappt das auch wieder.

    Wenn er Mittagsschlaf macht, ist er dann auch mal bis 20 oder 21 Uhr wach. Mittlerweile sagt er aber auch oft wenn er in’s Bett möchte.

    Sonnige Grüße.

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