Gastbeiträge im Wochenbett: Hardcore ist dagegen Katzenflausch

Ihr Lieben, heute wird es hardcore. Definitiv. Anderes kann man das nämlich auch nicht nennen, mit zwei Kindern unter zwei, oder? Isabell Rabe von laugh-live-love  will sicherlich keinen von Euch erschrecken, aber Ihr kennt das von mir: Manche Dinge müssen einfach raus. Dringend. Und ich bin ein bisschen stolz, dass ich den Text während meines Wochenbettes veröffentlichen darf- er erinnert mich daran: You are not alone…!

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Zwei unter zwei – oder: Hardcore ist dagegen Katzenflausch

Ich würde so gerne weitergeben, was es bedeutet, zwei Kinder unter zwei Jahren zu haben. Natürlich, dazu gibt es viele, viele Infos, allein ichweissnichtwievieletausend Foreneinträge. Alle sagen das Gleiche: Müde. Müde, müde. Eine nie gekannte Müdigkeit wird euch packen.

Das stimmt. Aber es ist auch noch so viel mehr. Nur wird es, meiner Meinung nach, nie so wirklich beschrieben.

Bis jetzt.

Dabei ist es so einfach: Stellt euch vor, ihr fahrt nach Wacken. Jaaa, ein paar Tage raus aus dem Alltag, zelten, saufen, feiern, laute Musik. Geilo.

Alles ist voller Schlamm, weil es tagelang geregnet hat und noch immer regnet. Aber egal, alter!! Das ist Wacken, Mann. Musse durch. Schnell das Zelt aufgebaut, ohne Ahnung und Anleitung, dafür aber mit viel dreck und fluchen. Die Musik schallt schon laut über den Platz, Du wechselst Dich mit Deiner Begleitung ab mit Fluchen und „Was?? Ich hör Dich nicht????“ Gebrülle.

Dann steht das Zelt (mehr oder weniger), ihr schmeisst eure Sachen rein (nass und dreckig, aber Alter!!! es ist Wacken, Mann!) und FUMP geht das erste Bier auf. Ihr zieht euch dazu die erste, medizinisch nicht verordnete aber sehr beruhigende Kippe rein und chillt erstmal ne Runde. Euer Zeltnachbar, der schon mehrere Biere und Kekse mit dem selben Inhalt wie euren Kippen hatte, kommt euch willkommen heissen und nein, er weicht keinen Zentimeter mehr von eurer Seite.

Aber das ist eh okay, durch den Lärm der Musik versteht ihr eh nicht, was er sagt.

Ihr nickt nur.

Schon leicht müde und dezent beki..äh entspannt, geht ihr los, näher zur Bühne. Gleich spielen (hier irgendeine berühmte Band einsetzen, AC/DC oder so) und ja, los geht es.

Welcome Home!
Quelle: Pexels

In den nächsten Tagen wechselt ihr euch ab mit Bier saufen, Headbangen, Zauberzigaretten rauchen, Headbangen, eventuell was essen, wenn ihr dran denkt und was findet, Headbangen, schlafen, vielleicht, Headbangen, eurem Zeltnachbarn aus dem Weg gehen, Headbangen, ständig beschrien, beschallt und belärmt werden, Headbangen, nie alleine auf dem Klo sein, Headbangen, nie auch nur eine einzige Sekunde ruhe oder zeit für euch, Headbangen und Alter!! Das ist Wacken, Mann.

Wenn ihr schlau wart, habt ihr euch nach diesem furiosem Wochenende eine Woche Urlaub genommen. Ihr kommt also nach Hause und seid fix und fertig. Noch nie vorher in eurem Leben wart ihr so an euren körperlichen und geistigen Grenzen wie jetzt. Ihr seid müde, so unglaublich müde. Euer Körper fühlt sich an, als würdet ihr in jedem einzelnen verdammten Muskel einen Elefanten verstecken. Ihr wisst nicht mehr genau, wie ihr heisst oder wie ihr nach Hause gekommen seid, wo das Zelt ist (ihr hattet eines, ja, doch), wann ihr zuletzt was gegessen habt (oder ob überhaupt), oder geschlafen habt oder geduscht habt… Ihr wollt nur noch ins Bett, euch ausruhen, die Woche dafür nutzen um euch zu regenerieren. Ihr freut euch darauf, fallt ins Bett und ins Koma und ruht euch aus… Haaach…

Was das mit zwei kleinen Kindern zu tun hat? Ganz einfach, dieses Wochenende, habt ihr. Immer.

JEDEN.TAG.

The morning after.
Quelle: Pexels

Schlafen? Keine Ahnung, wann das wieder geht. Also, mehr als so eine Stunde am Stück. Essen? Öh… zu den festen Zeiten, wenn die Kinder das mitmachen, dann geht das. Ich habe das Glück, das es so ist, weiss aber von anderen, wo Essen nur Theater bedeutet.

Zwischendurch mal was essen? Ahahahaha

Die Kinder riechen das. Selbst wenn sie im Tiefschlaf sind, mehr Koma als Schlaf, wenn sie drei!!! Räum weiterliegen, wenn es KEINE knisternde Packung ist. Sie kriegen das mit. Und Brüllen IN DER SEKUNDE IN DER IHR ESSEN WOLLT. Solange, bis ihr vergessen habt, was ihr eigentlich wolltet. Der gleiche Effekt ist übrigens bei: – selber schlafen wollen – Sex – ein Buch lesen – etwas am PC schreiben – etwas zur Entspannung machen – etwas für sich alleine machen – telefonieren wollen – atmen.

Ihr seid also fertig. Aber so richtig. Und wenn ihr, wie nach dem Wacken Wochenende, nach einer Zeit körperlich und seelisch so richtig im Arsch seid – dann habt ihr keinen Urlaub.

Dann habt ihr zahnende Kinder. Oder kranke Kinder. Oder Kinder, die einen Entwicklungsschub haben. Grundsätzlich übrigens immer GLEICHZEITIG.

Es wird besser.

Denke ich. Das erste Jahr soll besonders schlimm sein (wir sind noch mittendrin) und dann besser werden. Ich glaube da ganz fest dran.

Irgendwann sind nämlich auch meine Kinder mal ausgezogen. Vielleicht kann ich dann wieder schlafen.

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Ich habe das latente Bedürfnis SOFORT ins Bett zu gehen, Ihr auch? Küsst vorher noch kurz die Kinder und dann… SCHLAFT!

Eure Wacken-erprobte Julia

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1 Kommentar

  1. Hihi. Sehr schöner Vergleich – obwohl ich selber nie auf Wacken war, mein Ding war/ist ja mehr das WGT ..aber das Gefühl danach ist das Gleiche. Besonders, wenn man die letzte Nacht durch macht um den Zug am Dienstagmorgen zurück nach Berlin zu bekommen…

    Und jetzt frage ich mich.. soll ich sagen, oder lass ich lieber sein?

    Das 2. Jahr wird nicht besser. Autonomiephase, sage ich da nur.

    Meine Kinder sind zwar ziemlich genau 2 Jahre auseinander, für 3 Wochen hatte ich aber auch 2 unter 2.

    Zwei Autonomiephasen gehen dann in eine ganz kurze Pause von 1 Autonomiephase und 1 großes Kind über. Und dann kommt die Vorschulpubertät.

    Ich hoffe jetzt einfach auf eine pflegeleichte Pubertät (mein Bruder und ich waren da sehr unkompliziert..wenn wir nicht zur Schule mussten.) und trinke so lange sehr viel Kaffee.

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