Ich bin Mama Juja

Ich bin Mama Juja

Eigentlich heiße ich natürlich weder wirklich Mama noch Juja. Aber Mama bin ich definitiv. Und Juja war ich irgendwie auch schon immer:

„Julia“ ist für kleine Kindermünder ein unglaublich schweres Wort. Den der kleinen Julia aus dem Jahre 1986 eingeschlossen. Ich griff damals zur selben schönen wie notwendigen Umschreibung meines Namens, die auch mein dreijähriger Butterkeks heute manchmal noch nutzt: Juja. Aus der Kleinen Juja wurde nach geraumer, im Rückblick gruselig schnell verronnener Zeit: Mama Juja, Mutter von drei Kindern (2012, 2015, 2017), Ehefrau eines riesigen Wikingers und fluchende Chaotin. Ich. Nicht der Wikinger. Der flucht selten.

Familie Juja

Juja ist aber zusätzlich eine Mischung der Vornamen meines Mannes und mir. Und es ist das „J“ aus dem Namen aller Kinder enthalten. Alle fünf sind wir also in Mama Juja irgendwie drin: Mein Mann, meine Kinder und ich. Das finde ich eine wunderbare Mischung. Und auf gewisse Weise bin das eben ich. Auch (!).

Niedergelassen haben wir uns alle im schönen Norden Deutschlands und wursteln uns fleißig durch. Damals noch alleine, habe ich mich durch mein Studium gewurstelt (Germanistik und Philosophie, mit günstigem Bier kenne ich mich also aus), zusammen mit dem Wikingermann und dem ersten Wikingerkind habe ich mich durch den ersten „echten“ Job gewurstelt (Sachbearbeiterin, aber das ist eine andere Geschichte). Und zusammen mit allen drei Wikingerkindern wursteln wir uns durch meine dritte Elternzeit (die sich dem Ende neigt) und meine erste Bloggerzeit. Deren Ergebnis ist bisher, dass ich die Kinder der Einfachheit halber K1, K2 und K3 hätte nennen sollen. Aber noch ist Platz für weitere Erkenntnisse.

Juja werden und sein

Es hat sich viel um mich herum und an mir verändert: Ich erkenne plötzlich Sinn darin, völlig überteuerte Biolebensmittel zu kaufen, sammle brav meinen Müll auf, wickle mit Stoffwindeln, wasche die Windeln mit selbstgepanschten Waschmittel  und parke die gewickelten Stoffwindelhintern am liebsten im Tragetuch (von dem ich bis zur ersten Schwangerschaft noch nie auch nur gehört hatte). Ich kann jetzt die Titelmelodie tausend semispannender Kinderserien und Youtubechannels summen und tue das auch dann, wenn ich ausnahmsweise alleine Einkaufen bin. Ich kann mich nicht mehr in meiner Wohnung vor dieser unsäglichen Menschheit verstecken, also veranstalte ich wilde Waldpicknicks mit meiner Familie. Wir tun dabei oft so, als gäbe es den Rest der Welt nicht, die Familie versteht mich da. Und weil nicht zuletzt mein Kleiderschrank erwachsen werden musste und nicht-schwarzer-Kleidung Zutritt gewährt wurde, werden jetzt Kleidungsstücke aller möglicher nicht-schwarz-Farben nach Lust und Laune vermilchspuckt, veressensrestet, versandet, vermatscht und vergrast. Also eigentlich hätte ich meine Grundfarben gar nicht erweitern müssen. Die Kinder tun das. Es heißt ja: Sie geben einem so viel zurück. Muttermilchquark zum Beispiel.

Geblieben ist mir, dass ich mich nach wie vor ziemlich oft zum Horst mache. Jetzt allerdings macht es mir viel weniger aus – ist ja für die Kinder… Überhaupt sind die Kinder eine tolle Ausrede, um nach Herzenslust albern zu sein. Patriarchatsgefährdende Dinge unter der Schirmherrschaft des Elternseins zu tun. Betten in völlig überdimensionierter Größe zu basteln, weil eins „den Platz ja jetzt braucht“. Die Tendenz zu dieser Art Selbstüberschätzung schlummerte schon immer in mir. Jetzt ist sie raus.

Gekommen, um zu schreiben.

Überdauert hat auch ein etwas schräger Humor, der Wunsch nach langen, pechschwarzen Haaren (ich habe scheinbar eine Vorliebe für unpraktische Wünsche) , ein mieserabler Musikgeschmack und ein nicht zu leugnendes Faible fürs Schreiben.

Innerlich hatte ich das Schreiben schon zu Grabe getragen, nachdem ein geplantes Buchprojekt mit einer lieben Professorin 2012 ebenso ins Wasser fiel wie die angedachte Promotion.  K1 (ha! da ist es wieder!) hat mehr verändert, als ich wahrhaben wollte. Und es hat verändert, dass ich die Sicherheit eines befristeten (!) Jobs im öffentlichen Dienst den Schwierigkeiten einer wissenschaftlichen Arbeit vorgezogen habe. Kurzum, ich habe mich entschieden zu Sein, statt zu schreiben. Nicht, weil jede*r di*er schreibt, automatisch nicht ist. Sondern weil ich zu diesem Zeitpunkt nicht beides auf einmal geschafft habe. Intensive Sache, dieses Sein.

Inzwischen hat uns K3 fest im Griff. Und ich merke: Es geht wieder beides. Und die Sache mit den Worten, die beschränkt sich nicht aufs Schreiben: Ich  habe auch ein Faible fürs Sprechen. Und für diesen unnachahmlichen, unfassbaren Vorgang des Spracherwerbs. DAS wiederum habe ich im Studium schon irgendwo mal gehört. BEGRIFFEN habe ich das meiste allerdings erst, als mein Großräuberkind mir beibrachte, was Sprache ist. Dieses kluge „kleine“ Kind.

Und da schließt sich der Kreis. Wer Familie und Sprache mit Schreiben und Familie multipliziert, hat: Ein Blog. Eins, das auch die blumig-fäkale Seite der Sprache bisweilen ausnutzt, weil Schimpfwörter offensichtlich ausschließlich aus elterlichen Erfahrungen („Kacktag“, „Scheißlaune“ und sowieso „pupsegal“. Favourite: „Eierloch“.) schöpfen. Und die Sache mit dem Elternsein manchmal einfach wirklich zum Fluchen ist. Aber eins sollte die Hoffnung eben – genauso wenig wie das Fluchen – nie aufgeben. Irgendwann sind die Kinder erwachsen und wir so alt, dass wir nicht mehr schlafen können, obwohl wir es endlich könnten.

In diesem Sinne: Lest, die Ihr da lesen wollt, schreibt, die Ihr da schreiben wollt, ich freue mich über (fast) jede Rückmeldung- sofern Ihr nicht vergesst, die Kinder vorher zu küssen.

Eure Julia